Besigheim / Michael Soltys  Uhr

Es sind imposante Zahlen an Wohnbauflächen, die im neuen Flächennutzungsplan seitens der Stadt Besigheim angemeldet worden sind. Bis zum Jahr 2035 benötigt die Stadt demnach etwa 21 Hektar zusätzliches Bauland für Wohnungen, um sich entwickeln zu können. Genehmigt sind diese Pläne längst noch nicht. In der Diskussion darüber haben sich zwei Schwerpunkte der Wohnbauentwicklung herausgebildet: die erneute Erweiterung des Baugebietes Bülzen nach Osten um etwa 6,3 Hektar und eine teilweise Bebauung des Ziegelei-Geländes.

Ein wesentliches Argument zur Begründung dieser Forderungen: Für die Innenentwicklung oder die Nachverdichtung fehlt der Baugrund. Denn um neues Bauland genehmigt zu bekommen, muss die Stadt nachweisen, dass sie für Bebauung geeignete Flächen nicht auf den Markt bringen kann. Nicht, dass es keine Grundstücke gibt, aber die freien Plätze befinden sich in der Hand von Privatpersonen, und die wollen nicht verkaufen. „Die Stadt hat keine Einflussmöglichkeit auf die Bebauung dieser Wohnlücken“, stellte Heike Eckert-Maier, die Leiterin des Stadtplanungsamtes, bei der Beratung der Ergebnisse im Mai 2018 fest. Die Eigentümer halten das Grundstück für eigene Zwecke vor oder haben es für die Kinder oder die Enkel reserviert. Und in Einzelfällen spekulieren sie auch damit.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Stadt. Im November 2017 waren die 126 Eigentümer von Baulücken in Besigheim und Ottmarsheim angeschrieben worden, etwa die Hälfte antwortete. Mehr als fünf Hektar Fläche in den Ortskernen von Besigheim und Ottmarsheim wären eigentlich für eine Bebauung geeignet. Das ist in etwa die Fläche, die das aktuelle Baugebiet Bülzen-Ost (5,2 Hektar) umfasst.

Ein Teil der bebaubaren Grundstücke liegt sogar in den Wohngebieten, die erst in den letzten Jahren entstanden sind, im Bülzen beispielsweise oder in den Kreuzäckern in Ottmarsheim. Das könnte teilweise am Fehlen eines Steuerungsinstrumentes liegen. In den früheren Abschnitten im Bülzen und in den Kreuzäckern hatte es keine Bauverpflichtung für die Eigentümer gegeben. Zu diesem Mittel hatte die Stadt letztendlich erst im Gebiet Bülzen-Ost gegriffen. Kommen die Besitzer der Verpflichtung zum Bau nicht nach, hat die Stadt ein Rückkaufsrecht.

Trotz alledem gibt es in Besigheim eine „gut funktionierende Innenentwicklung“, wie die Leiterin des Stadtplanungsamtes damals die Umfrage kommentierte. Pro Jahr wird etwa 0,15 Hektar Baugrund aktiviert, sprich bebaut. Im Jahr 2011 waren noch 94 unbebaute Grundstücke (4,48 Hektar) allein in Besigheim gezählt worden, 2017 waren es dagegen nur noch 78 (3,6 Hektar).

Hohe Hürden

Bietet sich allerdings einmal die Möglichkeit zur Innenentwicklung, sind oft hohe Hürden zu überwinden. Bestes Beispiel ist die Bebauung des Neckarblicks, wo die Stadt im vergangenen Jahr sechs Bauplätze für Einfamilienhäuser auswies. Lange hatten sich die Anwohner dagegen gewehrt und den Naturschutz als Gegenargument ins Feld geführt. In der Tat waren viele naturschutz- und artenschutzrechtliche Forderungen zu erfüllen, bevor der Gemeinderat dann den Bebauungsplan verabschiedete: bei sieben Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.