Besigheim Nacht der offenen Kirchen: Abendfüllendes Programm ohne Worte

Pantomime "Jomi" begeisterte mit seinem feinen Spiel bei der "Nacht der offenen Kirche" in Besigheim.
Pantomime "Jomi" begeisterte mit seinem feinen Spiel bei der "Nacht der offenen Kirche" in Besigheim. © Foto: Martin Kalb
MIRIAM STAUDACHER 17.06.2013
"Dick und Doof" in der Kirche? Das funktioniert prächtig, was nicht zuletzt die sehr gut gefüllten Besucherreihen in der evangelischen Stadtkirche Besigheim am Freitag bewiesen.

Mit einem sprichwörtlich wortlosen, aber sehr vielsagenden Programm steuerte die evangelische Kirchengemeinde Besigheim ihren Beitrag zur "Nacht der offenen Kirchen" bei. Pfarrerin Margarete Strohm, die sich selbst einige Programmpunkte des langen Abends - von 19 Uhr bis kurz vor Mitternacht war "Ohne Worte - mehr als Worte" angelegt - ansah, freute sich über die durchweg gute Resonanz auf die Beiträge aus Musik, Pantomime und Film: "Angesichts der Vielzahl an Veranstaltungen im gesamten Kirchenbezirk fiel manchem sicher die Qual der Wahl schwer. Von daher bin ich mit der Besucherzahl bei uns sehr zufrieden. Wir haben ja, wie im übrigen alle beteiligten Kirchengemeinden, ein sehr buntes, unterhaltsames Programm angeboten, bei dem gelacht werden durfte, das aber auch Raum für Besinnung bot."

Besinnliche und auch viele beschwingte Klänge kamen vom Tiefblechquartett des Posaunenchors im CVJM: Die tiefen Bläser stimmten mit Auszügen aus Werken von Mozart bis hin zu zeitgenössischen Komponisten vorzüglich auf den wortlosen, stimmungsreichen Abend ein. Der Musik folgte die hohe Kunst der Pantomime: Der Marcel Marceau- Schüler Joseph Michael Kreutzer ("Jomi") setzt sich in seinem Repertoire auch mit religiösen Themen auseinander: Sehr ausdrucksstark ließ der weißgekleidete Mime mit dem weißen Gesicht vor schwarzem Vorhang die vier Elemente und die Geschöpfe entstehen, erzählte von der Begegnung Jesu mit Pilates und führte das Aufeinandertreffen von Maria Magdalenas mit den Engeln und dem auferstandenen Jesus vor. "Jomi" versteht sich als Künstler der Stille in unserer hektischen Zeit: Er durchflutete den Kirchenraum mit seiner lautlosen, nie sprachlosen Kunst und lud zur inneren Einkehr und zum Nachdenken ein.

Dann durfte geschmunzelt werden: Unter den Orgelklängen des Stuttgarter Organisten Lukas Grimm trieben die Spaßikonen der Stummfilm-Ära Laurel und Hardy, Buster Keaton und Charley Chase in der Kirche ihr Unwesen. Der Bönnigheimer Markus Feck war begeistert. "Das hat echt was. Die Filme haben ja so schon was Besonderes, aber durch das Orgelspiel wirkt alles noch viel spannender und lebendiger", sagte Feck, der sich mit seiner Frau Susanne für einen Besuch in Besigheim entschieden hatte, weil ihn die Programmvielfalt angesprochen hatte. "Der Organist spielt so pointiert, dass man irgendwann vergisst, dass die Orgel live spielt." Ein schönes Lob für den jungen, vielfach ausgezeichneten ausgebildeten Kirchenmusiker Lukas Grimm, der für sein interpretatorisches Können ebenso bekannt ist wie für seine ausgeklügelte Improvisationskunst. Zur Ruhe kommen konnte man dann wieder beim abschließenden gesungenen Nachtgebet, dem "Komplet". Mit dieser ruhigen Schlussandacht entließen die Veranstalter ihre Besucher beseelt in die laue Samstagnacht.