Wer zu Werner Grau zu Besuch kommt, kann damit rechnen, mit den Klängen eines Klaviers empfangen zu werden. Tag für Tag sitzt der frühere Bürgermeister von Besigheim und Finanzbürgermeister von Heilbronn noch an seinem Flügel, hält seine Finger und seinen Geist geschmeidig und unterrichtet seine beiden Enkel im Alter von elf und 16 Jahren. „Ich halte mich fit“, sagt Werner Grau, der an diesem Samstag 80 Jahre alt wird.

Von 1971 bis 1991, 20 Jahre lang, war Grau Bürgermeister in Besigheim. In seine Amtszeit fielen Entscheidungen, die Besigheim noch auf Jahrzehnte prägen werden. Dazu gehören der Zusammenschluss mit Ottmarsheim als Teil der baden-württembergischen Gemeindereform, und, vielleicht noch wichtiger, die Gründung des gemeinsamen Industriegebiets auf der Ottmarsheimer Höhe, des ersten seiner Art in der Region.

Der große Wurf

In den letzten Tagen seiner Amtszeit, als er schon in Heilbronn in sein neues Amt gewählt war, wurde der Tunnel eingeweiht, das Kernstück der Umfahrung des alten Ortskerns. „Es war der große Wurf“, erinnerte sich Grau noch viele Jahre später im Gespräch mit der BZ. Denn zuvor hatte eine Umfahrung entlang der Enz gedroht, mit negativen Folgen für die Entwicklung der Innenstadt, wie Grau damals argumentierte.

Nach wie vor ist der Jubilar gut informiert über das Geschehen in der Stadt, beispielsweise über die Entwicklung des Ziegelei-Areals, das bekanntlich an die Wohnbaufirma Layher verkauft wurde. „Das ist ein ideales Gelände für ein Baugebiet“. Er hofft, dass über einen städtebaulichen Wettbewerb eine gute Lösung gefunden wird. Als eifriger Bahnfahrer freut er sich über den Halbstundentakt der Bahn, regt sich aber nach wie vor darüber auf, dass es keinen barrierefreien Aufzug gibt.

Mit dem Rad unterwegs

Überhaupt ist Grau mobil geblieben. Zwei Mal die Woche treibt er gemeinsam mit Freunden Sport. Sein Fahrrad, mit dem er in früheren Jahren Reisen bis in den Süden Frankreichs unternahm, dient ihm nach wie vor zur Erkundung der Region. „Ich kenne alle Täler in unserer Gegend“, sagt er stolz. Für die Familie erledigt der Vater zweier Töchter den „Schriftkram“.

Den Garten versorgt er unter der „Oberleitung“ seiner Frau Ruth, mit der er seit 52 Jahren verheiratet ist. Er geht in Konzerte und sei „neugierig auf alles“. Mit Personen aus dem württembergischen Kammerorchester, dessen Vorstand und Geschäftsführer er einige Jahre war, hält er nach wie vor lose Kontakte. Er sei froh, „dass die Gesundheit mir das erlaubt.“

Eine kleine Geburtstagsfeier mit Freunden und Familie musste Grau allerdings absagen. Seine Frau ist auf die Schulter gestürzt und hat sich den Arm gebrochen. „Schnüren Sie Ihre Schuhe gut“, rät er deshalb. Im Rückblick auf sein Leben sind es gar nicht die einzelnen Projekte, die er hervorhebt. Er sei froh, dass „die Leute mir das Vertrauen geschenkt haben, an verantwortlicher Stelle zu arbeiten.“ Und seinem Elternhaus sei er bis heute dankbar, „dass sie die Freude an der Musik gefördert haben“.