Elbeflut Nach der Flut extrem viel Arbeit

Einsatz in Meißen: Ein Teil der Realschüler räumte ein Bürogebäude leer. Nach vielen Stunden Arbeit türmten sich die beschädigten Gipsplatten und anderer Müll vor dem Haus. Foto: Alexander Krämer
Einsatz in Meißen: Ein Teil der Realschüler räumte ein Bürogebäude leer. Nach vielen Stunden Arbeit türmten sich die beschädigten Gipsplatten und anderer Müll vor dem Haus. Foto: Alexander Krämer
MICHAEL SOLTYS 18.06.2013
Erschöpft, zufrieden, mit leichten Blessuren und neuen Erfahrungen sind die rund 60 Jungen und Mädchen aus der Besigheimer Realschule vom Einsatz in Meißen zurück. Ihr Fazit: "Wir würden es wieder machen."

Nicht alle Gesichter in der Klasse 8a der Besigheimer Realschule sahen gestern Morgen frisch und ausgeruht aus. Zu sehr waren die 14 bis 15 Jahre alten Jungen und Mädchen noch von ihrem Einsatz im sächsischen Meißen mitgenommen. Am Mittwoch, kurz nach Mitternacht, waren sie in die rund 500 Kilometer entfernte Elbestadt aufgebrochen, am Samstag, gegen 23 Uhr, nahmen sie ihre Eltern in Besigheim wieder in Empfang. Dazwischen lagen drei Tage, in denen die jungen Leute mit Schubkarre, Besen, Wasserspritzen und Schaufeln die Folgen der verheerenden Flut in Meißen zu beseitigen suchten.

Noch im Rückblick staunten die Schüler gestern selbst über die Unmassen von Schutt, den sie aus einem Kindergarten, einer Tiefgarage und aus Schrebergärten-Häuschen ausgeräumt hatten. "Alles war matschig und nass", berichtet die 14-jährige Luisa. Bis auf den Dachboden der Schrebergärten sei das Wasser hochgestiegen, erzählen Klassenkameraden. Nach der Flut von 2002 hätten die Bewohner geglaubt, dass ein so schlimmes Hochwasser so schnell nicht mehr kommen könne, berichtet der 14-jährige Erik von einem Gespräch mit den Eigentümern der Schrebergärten. Habe man einen Schrank geöffnet, sei den Helfern häufig ein Schwall Wasser entgegen gekommen, ergänzt Lois. Am ersten Tag musste ein Teil der Jugendlichen einen Kindergarten leerräumen und saubermachen, eine andere Gruppe befreite die nahe Skaterbahn mit Schaufeln und Wasserspritzen von einer dicken Schicht Schlamm. Wieder andere räumten ein Bürogebäude aus, in dem durch das Hochwasser die Fußböden verschoben waren. Vor dem Gebäude schichteten sie die zerstörten Gipsplatten zu einem Haufen Schutt.

"Es war extrem viel Arbeit", bestätigt Lehrer Alexander Krämer, der die beiden Schulklassen nach Meißen begleitet hat, den großen Einsatz der Jugendlichen. Die Idee zum Hilfseinsatz hatten die Schüler im Unterricht mit Krämer entwickelt. Der Schlamm auf dem Elbe-Radweg, den die Schüler reinigen mussten, habe einem "Schokoladen-Überzug" geglichen, staunt der Lehrer noch Tage später. Trotzdem ist bei einigen Schülern das Gefühl zurückgeblieben ist, nicht alles geschafft zu haben, was nötig gewesen wäre. "Wir hätten länger bleiben müssen", meint etwa die 15-jährige Janina. Und ihre Klassenkameradin Lisanne ergänzt: "Wir haben viel geschafft, aber es war zu wenig." Denn am dritten Tag kamen die beiden Klassen nicht mehr zum Einsatz. Sie mussten ihr Lager räumen, zwei Klassen in einem Schulgebäude, in dem die Jungen und Mädchen auf Feldbetten schliefen. Wie engagiert die Schüler bei der Sache waren, zeigt sich auch bei der Frage, wer wieder hinfahren würde: Sofort gehen alle Hände nach oben.

Das mag auch an der großen Hilfsbereitschaft der Meißener liegen. Die Stadtverwaltung, allen voran Bürgermeister Hartmut Gruber, habe sich "rührend" um die Gruppe gekümmert, so Krämer. Restaurants und die Heilsarmee hätten Verpflegung organisiert, das Rote Kreuz habe Blessuren versorgt. Ein Rentner habe spontan Kuchen vorbeigebracht. Immer wieder sei zu hören gewesen: "Schade, dass erst eine Flut kommen muss, um Ost und West einander näherzubringen."

Und auch in Besigheim selbst erhielten die jungen Leute sehr viel Unterstützung. Mit Hilfe der Bürgermeister umliegender Gemeinden und vieler örtlicher Firmen seien rund 10 000 Euro an Spenden zusammengekommen, berichtet Alexander Krämer. Über die Verwendung des Geldes, das nicht beim Einsatz, beispielsweise für die Busfahrt, verwendet wurde, will die Klasse später entscheiden. Genügend Kontakte, die eine sinnvolle Verwendung ermöglichen, gebe es bereits. Ein Lastwagen der Firma Lila Logistik habe Hilfsgüter nach Meißen gebracht. Mittlerweile denkt Krämer darüber nach, ein weiteres Mal mit Schülern nach Sachsen zu fahren. Denn Meißen ohne Flut sei eine "superschöne Stadt."

Auch die Einsatzkräfte von DLRG und THW sind wieder zurück in der Heimat