Besigheim / Susanne Yvette Walter

Schon vor dem Mittagessen ruft die Kunst: Am späten Sonntagvormittag öffnete eine Ausstellung am Sonntag im Besigheimer Rathaus ihre Pforten, wie es wohl noch nie gab in Besigheim. Unter dem Titel „Zwei Welten“ zeigen Mutter und Tochter, in diesem Fall Darina und Helena Struharova, ihre Arbeiten, die sich stilistisch weit voneinander wegbewegen. Zur Vernissage war auch eine Delegation aus Prievidza gekommen, eine Stadt in der Slowakei, 1000 Kilometer östlich von Besigheim. Dort liegt die Heimat der beiden Künstlerinnen.

Fische statt kahler Wände

Am Anfang stand der Besigheimer „Kunstsommer“, der vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Später hat er den Zusatz „zwischen den Wassern“ erhalten. Gleich in dieser Anfangsphase hat die Künstlerin Darina Struharova ihren Fußabdruck hinterlassen und mit Schülern den Flur des Altbaus der Friedrich Schelling Schule neu gestaltet. Statt kahler Wände tummeln sich seitdem viele Fische dort. Mit ihrer Idee, Kinder miteinzubeziehen rannte Darina Struharova damals offene Türen ein. „Letztlich hat nicht nur mich die Arbeit von ihr und den Schülern so beeindruckt, dass Darina Struharova mit weiteren Arbeiten im Stadtgebiet im Rahmen der Kunstsommerprojekte immer wieder gern ins Programm aufgenommen wurde“, erklärt Klaus Schrempf, der Erste Beigeordnete Besigheims bei der Vernissage im Rathaus.

Zum Lebenslauf der slowakischen Künstlerin gehört der Besuch einer Akademie in Banska Bystrica, wo sie zeichnen lernte. Seit 1991 ist die Künstlerin in Deutschland. Auf Lanzarote jedoch begegnete ihr ein Künstler, der ihr Leben prägen sollte: Andreas Mothes. Struharova wurde seine Schülerin, später seine Assistentin und künstlerische Partnerin. In einigen Ländern war sie daraufhin als Grafikerin und Malerin aktiv. Seit seinem Tod arbeitet sie freiberuflich als Künstlerin und hat inzwischen schon einigen Gebäuden durch ihre Kunst eine neue Optik gegeben, betont Klaus Schrempf und denkt dabei zum Beispiel an die evangelisch-methodistische Kirche in Bietigheim-Bissingen.

Darina Struharova lebt heute in Besigheim und hat dort einen Daumenabdruck hinterlassen, der sie über Nacht bekannt gemacht hat. Wer die B 27 entlang fährt, kann heute die wohl größte Arbeit der slowakischen Künstlerin bewundern: die bemalte Wand zwischen Parkplatz und Bauhof. Seit der Entstehung dieses augenfälligen Großgemäldes suchen immer wieder Kunstfreunde den Kontakt zu Darina Struharova. Zu ihnen gehört Hans Häberle aus Metterzimmern. Er gab ihr den Auftrag zum Bemalen einer ganzen Häuserzeile und wurde ein Freund, der sogar nun die Vernissage-Rede hielt. Was lag näher als andere Arbeiten der Künstlerin einmal in einer Ausstellung zu bündeln und der Öffentlichkeit vorzustellen.

Und genau da schaltete sich Mutter Helena Struharova ein und entschloss sich mutig zusammen mit ihrer Tochter eine Ausstellung in Besigheim auf die Beine zu stellen. Eine Delegation aus der Slowakei mit dem stellvertretenden Bürgermeister an der Spitze war bei der Vernissage am Sonntag dabei. Blumensträuße wechselten den Besitzer und vor allem stießen die kontrastierenden Arbeiten auf sehr großes Interesse. Während sich die Tochter abstrahiert in fröhlichen teils leuchtenden Farbspielen auslebt, hat die Mutter einen naturalistisch anmutenden fast altmeisterlichen Stil und bildet Landschaften aus ihrer Heimat ab. „Romantisch und farbenfroh sind die Bilder, weshalb sie auf den Betrachter eine wohltuende Heiterkeit ausstrahlen“, kommentiert Klaus Schrempf.

Info Bis 5. April ist die Ausstellung „Zwei Welten“ zu den Öffnungszeiten im Besigheimer Rathaus zu sehen.