Es war eine Fleißarbeit, mit der Eva Ehrensperger 1993 von der Stadt Besigheim beauftragt wurde: Sie sollte alle Informationen über die Häuser in der historischen Besigheimer Altstadt zusammentrage, die Besitzer ebenso notieren wie die wechselnden Nutzungen und die zahlreichen Umbauten im Laufe der Jahrhunderte. Rund 350 historische Gebäude erfasste und beschrieb Ehrensperger schließlich. Deren Geschichte ließ sich damit teilweise über Jahrhunderte zurückverfolgen.

 Der Nachteil daran: Ehrensperger stellte ihre Informationen mit einem einfachen Textprogramm zusammen, wie es Anfang der 90er-Jahr noch üblich war. Davon wurde eine Lesefassung mit rund 1000 Seiten erstellt, ohne Schlagworte oder Register, die eine Suche nach bestimmten Besitzern, Bewohnern oder auch nach der Funktion der Häuser erleichtert hätten.

 Für Menschen mit historischem Interesse an Besigheim, Heimat- oder Familienforscher beispielsweise, ist es deshalb schwierig, das Häuserbuch für ihre Forschungsvorhaben zu nutzen. Diesen Missstand zu ändern, haben sich Martin Haußmann und Hans-Viktor Kraemer vorgenommen. Beide sind Mitglieder des Besigheimer Geschichtsvereins und haben auf der Basis von Ehrenspergers Vorarbeit bereits mehrere Hundert Häuser digital aufbereitet.

Die Ziele dieser Arbeit stellte Archivarin Sandy Krüger im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats vor. Es gehe darum, allen historisch interessierten Bürgern, Hauseigentümern, Stadtplanern und Denkmalpflegern ein „schnell recherchierbares Nachschlagewerk“ zur Verfügung zu stellen. Dazu dient eine Indexdatei mit aktuell mehr als 7400 Einträgen, die Kraemer und Haußmann bereits zusammengetragen haben. Über die Namen von Besigheimern, Bauweisen oder andere Stichworte lassen sich jetzt schnell Informationen zusammentragen, sagte Hans-Victor Kraemer im Gespräch mit der BZ.

Eine ganze Reihe von historischen Häusern können bereits auf einer Internetseite der Landesdenkmalpflege aufgerufen werden, einige davon sind mit historischen Fotos der Objekte dokumentiert und aufgewertet. Das Denkmalamt hatte dazu eigens seine Datenbank erweitert, um gezielter nach Hausbesitzern, Personennamen und Berufsbezeichnungen suchen zu können, berichtete Archivarin Krüger im Verwaltungsausschuss.

Durch diese Lösung ist der Zugriff auf die Daten nicht auf die Stadt Besigheim beschränkt. Der Vergleich mit Gebäuden aus anderen Städten des Landes wird möglich. Und den Weg in das neue Archiv im Bühl 32, das in Kürze bezogen wird, können sich Geschichtsinteressierte ebenfalls sparen. Vollständig ist die Datenbank allerdings noch längst nicht. „Es dauert noch eine ganze Weile, bis alle Informationen drin sind“, sagte Hans-Viktor Kraemer.

Mit der Erfassung von Daten aus dem  Jahr 1900 endete 1993 die Arbeit von Eva Ehrensperger. Um diese Zeit wurden Grundbücher in der Stadt eingeführt. Dort finden sich die Infos über Häuser neueren Datums.

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