Besigheim / Uwe Deecke  Uhr

Seit Anfang April arbeitet Sabrina Heiler als Streetworkerin für die Stadt Besigheim. Auch im Jugendhaus Point Club kümmert sie sich um die Jugend. Noch wohnt sie in Kornwestheim, zuvor hatte sie das Referendariat als Lehrerin für Sport, Deutsch und Biologie in Waiblingen beendet.

Dann aber entschied sie sich gegen den Lehrer-Beruf. Sich um die Jugend zu kümmern, sage ihr mehr zu, sagt die 28-Jährige, und dazu müsse sie nicht unbedingt Lehrerin sein. „Das Naheliegenste war, in ein Jugendhaus zu gehen“, erklärt sie.

Als in Besigheim die Caritas-Stelle eines Streetworkers frei wurde,  bewarb sie sich und wurde genommen. Als Honorarkraft arbeitet sie nun hier, wird stundenweise beschäftigt und kam im April das erste Mal in Kontakt mit der Besigheimer Jugend.

Es gibt schon ein paar Plätze in Besigheim, an denen sich vermehrt Jugendliche treffen: am alten Enz-Spielplatz, der bald weichen muss, am E-Center, am kleinen Neckerle oder auch am Neckarufer hinter der Realschule. Dorthin alleine zu gehen, wäre nichts für eine Frau und so geht sie mit Streetworker Samu, den hier jeder kennt und respektiert. Er gibt auch die Kurse fürs Kickboxen im Jugendhaus und weiß, wie man den Jugendlichen begegnet.

Sabrina Heiler ist freitags zunächst im Jugendhaus und geht später in die Straßen und zu den Treffs zusammen mit ihm. Samu ist am Samstag dran und macht das alleine und wird auch gerufen, wenn sich Besigheimer Bürger abends über zu viel Lärm beschweren.

Wie geht man auf die Kids zu und interessiert sie für das Jugendhaus? „Vorurteilsfrei, mit Offenheit, viel Geduld und Lockerheit“, sagt die Streetworkerin. Wenn man einen aus einer Gruppe überzeugt habe, kämen meist auch bald seine Kumpels mal ins Jugendhaus. Angebote gibt es hier genügend: Die Klassiker Tischkicker und Billard ziehen nach wie vor, daran hat sich in 40 Jahren nichts geändert. Doch geboten wird im Point Club im normalen Tagesbetrieb noch mehr. Es werde zusammen gekocht und gespielt. Und seit die Playstation im Schrank verschwand, werde auch wieder mehr miteinander geredet, sagt Leiterin Nicole Petzold. „Sie werden wieder erfinderischer“, berichtet sie.

Offenes Angebot

Es ist hier ein offenes Angebot im Erdgeschoss der alten Grundschule, in der es auch bei hochsommerlichen Temperaturen angenehm kühl ist. Genutzt werde es von Schülern der Gemeinschaftsschule und der Schule am Steinhaus, auch von der Realschule kämen Jugendliche hierher, so die Leiterin. Es gibt ein breites Angebot an Kursen und Workshops und demnächst ein Highlight: Das Open-Air-Kino im Freibad mit Mitternachtsschwimmen findet am 5. und 6. Juli statt. Auch das Sommerferienprogramm der Stadt ist gerade veröffentlicht worden und bietet wieder zahlreiche Möglichkeiten.

Im Jugendhaus findet auch die Mittagsbetreuung für die Förderschule statt und es gibt Jugendliche, die hier Arbeitsstunden ableisten müssen, wenn sie dazu verurteilt wurden. Zehn bis 18 Jahre sei die Klientel alt, und manchmal kämen auch alte Bekannte nochmal, wenn sie Hilfe beim Bewerbungsschreiben bräuchten, sagt Nicole Petzold.

Ab September sei auch die Stelle im Bundesfreiwilligendienst wieder besetzt. Nach einem Jahr Pause werde der neue „Bufdi“ das Team unterstützen. „Man darf sich nicht als Erzieher aufspielen und sollte den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen“, sagt Sabrina Heiler, die sich inzwischen eingelebt hat. Ihr Start im Point Club war optimal. „Schön war, dass es im Team so gut geklappt hat“, sagt sie. Dass sie als Frau im Point Club arbeitet, könnte helfen, die Mädchenquote wieder zu verbessern. Für sie soll das Jugendhaus auch eine Anlaufstelle sein, wenn sie Probleme zu Hause haben. Und das ist in der Pubertät bekanntlich keine Seltenheit.