Besigheim Metropolexpress hat Vorrang

Der Regionalexpress im Bahnhof von Besigheim. Ob es je dazu kommt, dass hier eine S-Bahn anhält, ist zweifelhaft.
Der Regionalexpress im Bahnhof von Besigheim. Ob es je dazu kommt, dass hier eine S-Bahn anhält, ist zweifelhaft. © Foto: Martin Kalb
Besigheim / Michael Soltys 17.08.2018

Es war keine positive, aber auch keine überraschende Nachricht, die der Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler vor kurzem in einer Sitzung des Gemeinderats verlas. Ihr Kern: Die Verlängerung der S-Bahn-Linie 5 Richtung Besigheim und Kirchheim steht auf dem Aufgabenzettel der Region Stuttgart weit hinten. Sollte es jemals dazu kommen, dass die S-Bahn über Bietigheim-Bissingen hinaus verlängert wird, dann hat die Linie nach Vaihingen Vorrang vor derjenigen nach Kirchheim, teilte Regionaldirektorin Nicola Schelling mit. Erst wenn die S-Bahn nach Vaihingen verworfen werden sollte, kommt die Verlängerung nach Kirchheim überhaupt in Betracht.

Trasse wird freigehalten

Die Stadt hatte die Region in dieser Frage vor dem Hintergrund des Lärmaktionsplans angeschrieben. Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte sie zudem Stellung zum Regionalverkehrsplan genommen, den die Regionalversammlung Ende Juni 2018 verabschiedet hat. Auf diesen stützt sich offensichtlich die Antwort der Regionaldirektorin. Denn sowohl die Verlängerung nach Vaihingen als auch die nach Besigheim und weiter nach Kirchheim werden dort als „Verkehrsmaßnahmen zur Trassenfreihaltung“ eingestuft, sprich: Es soll nichts unternommen werden, was die Eisenbahntrasse eventuell unbrauchbar für die S-Bahn macht. Jegliche Dringlichkeit wird dem Vorhaben abgesprochen, es rutschtet in der Rangliste ganz nach hinten. Bei den Untersuchungen zum Regionalverkehrsplan konnten keine Bedarfe ermittelt werden, „die eine Realisierung bis zum Jahr 2025 realistisch erscheinen lassen“, heißt es im Regionalverkehrsplan. Und trotzdem stellt sich die Frage, warum die Verlängerung nach Vaihingen wichtiger sein sollte als diejenige nach Besigheim und Kirchheim? Dieses Urteil basiert auf einer Kosten-Nutzen-Analyse aus dem Jahr 2009, sagte Jürgen Wurmthaler, Verkehrsdirektor bei der Region Stuttgart, auf Nachfrage der BZ. Aus Sicht der Region erzielt die Verlängerung nach Kirchheim die „geringere verkehrliche Wirkung“, heißt es im Schreiben Schellings an Bühler. Die Einwohner und Pendler in den Orten zwischen Besigheim und Kirchheim seien eben auch nach Heilbronn hin orientiert, Vaihingen dagegen deutlich nach Stuttgart, so Wurmthaler.

Starke Pendlerströme

Im Übrigen verweisen sowohl Schelling als auch Wurmthaler auf die Verkehrsanstrengungen des Landes unter dem Stichwort Metropolexpress. Das Land hat sich 2014 in Absprache mit anderen ÖPNV-Anbietern verpflichtet, das Angebot der Regionalexpresszüge auszubauen – dort, wo es starke Pendlerströme gibt, und damit auch an der Strecke zwischen Stuttgart und Heilbronn. Grundsätzlich soll ein 30-Minuten-Takt eingeführt werden. Ab Ende 2019 werden auf der Strecke Stuttgart-Heilbronn private Betreiber das Angebot der Bahn ersetzen. Schon jetzt gibt es in der Hauptverkehrszeit den Halbstundentakt, in den Abendstunden stehen weitere Verbesserungen an, sagte Wurmthaler. Unter diesem Aspekt sei die Verlängerung der S-Bahn nicht dringlich, der Umstieg vom Regionalexpress auf die S-Bahn in Bietigheim-Bissingen oder Ludwigsburg zumutbar.

In ihren Stellungnahmen zum Regionalverkehrsplan im April 2014 hatten sich sowohl Besigheim als auch Kirchheim für die Verlängerung der S-Bahn ausgesprochen. Doch die Argumente überzeugten offensichtlich nicht. Die Stärkung der Nord-Süd-Verbindung sei dringend geboten. Pendler aus dem nördlichen Landkreis Ludwigsburg könnten deutlich schneller an die Schiene gebracht werden, so die Begründung der Stadt Besigheim, das Vorhaben solle keineswegs im Regionalverkehrsplan zurückgestellt werden. Allerdings waren im Gemeinderat auch deutlich skeptische Töne zu hören. Von Seiten des Bündnisses Mensch und Umwelt (BMU) wurde betont, die Verlängerung sei gar nicht machbar, es fehle ein drittes Gleis, in Kirchheim müsse eine Wendeschleife gebaut werden. Von CDU-Seite war zu hören, dass der Anschluss an die S-Bahn weitere Pendler aus den Nachbarkommunen die Stadt ziehe, mit entsprechenden Folgen für das Parken.

Wenigstens in einem Punkt macht der Regionalverkehrsplan den Anliegerkommunen der Frankenbahn Mut: Dem Bau eines Regionalhalts in Zuffenhausen oder in Feuerbach wird eine „hohe Dringlichkeit“ bescheinigt. Die soll zeitnah erfolgen, sobald Projekte mit „höchster Dringlichkeit“ abgearbeitet sind.

Pendlerautos belasten Kirchheim

Kirchheim hatte bei der Beratung des Regionalverkehrsplanes zum wiederholten Mal die Forderung erhoben, die Verlängerung der S-Bahn zu untersuchen. Bei einer Kosten-Nutzen-Analyse im Jahr 2009 hatte Vaihingen das Rennen gemacht, auch aufgrund fehlender Wendemöglichkeiten am Kirchheimer Bahnhof. Nachdem das Karlsruher Metallrecycling-Unternehmen Cronimet seinen Standort am Bahnhof aufgegeben hat, könnte die Gemeinde Gelände für einen solchen Endhaltepunkt und Betriebsflächen zur Verfügung stellen, so der Kirchheimer Bürgermeister Uwe Seibold. „Für mich wäre wichtig, dass die Züge pünktlich fahren, am sinnvollsten wäre das bis Lauffen“, sagte Seibold. Dass die „verkehrlichen Wirkungen“ einer S-Bahn nach Kirchheim oder Lauffen geringer sein sollen als nach Vaihingen, daran hat er seine Zweifel. Denn die Pendlerströme aus dem Großraum Heilbronn laufen derzeit über Kirchheim, wo das Bahnhofsgebiet permanent von ortsfremden Autos zugeparkt sei. Züge der Frankenbahn von Heilbronn kommen öfter verspätet und sind voll, sodass eine S-Bahn-Verlängerung viele Vorteile brächte. Doch diese sollte, so Seibold, gleich nach Lauffen führen, wo zahlreiche Parkplätze für Pendler zur Verfügung stehen. Der Idealfall sei eine Vermischung des Regional- und S-Bahn-Verkehrs von Nord nach Süd. Positiv zu bewerten sei, dass in Erwägung gezogen werde, die S 5 bis Lauffen zu verlängern, wenn die Zabergäubahn bis dahin fahren würde. Ein Lückenschluss wäre so machbar, der viele Pendler vom Auto zur Bahn bringen würde. dee

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