Gleich ganz vorne auf dem Platz vor der Stadthalle Alte Kelter in Besigheim hat ein Stand besondere Magnetwirkung. Obstbauer, Weinbauer, Schnapsbrenner und Likörmacher Albert Joos zieht die Besucher bei jedem Wetter magisch an. „Schuld“ sind seine Eigenkreationen wie „Hexenblut“, Sauerkirschlikör mit Vanillesoße und Marillen-Ingwer-Punsch. Seit 46 Jahren ist Albert Joos, Mitglied eine alten Besigheimer Familie, hier auf dem Weihnachtsmarkt präsent und viele Eigenkreationen sind seither buchstäblich über seine Theke geflossen. „Früher war ich als Kind dabei, 45 Mal von 46 bestimmt. Mein Vater Berthold Joos hat damals hier angefangen mit einem Stand am Café Hirsch. Dann war der Platz zu klein. Wir sind hierher umgezogen“, erzählt der Besigheimer. Albert Joos hat fünf Kinder und sie helfen alle beim der Bewirtung mit. Joos nimmt sogar deren Freunde ins Boot, um mit dem Besucheransturm fertig zu werden. „Die Marille ist schön fruchtig und wird von der Schärfe des Ingwers begleitet“, beschreibt er seine Kreation. Geerbt hat Joos diesen Beruf vom Vater, der ebenfalls Obst- und Weinbau im Vollerwerb betrieben hat. Beide engagierten sich im Besigheimer Gemeinderat, erzählt er.

Zu den Besigheimer Originalen auf dem Weihnachtsmarkt am Wochenende gehören auch fünf Freunde, die seit fünf Jahren auf dem Weihnachtsmarkt, aus Besigheimer Eichenscheiben ausgesägte Sterne und Kerzen anbieten: Michael Ungar und seine Freunde Matthias Diebke, Thimo Rösch, Steffen Herbst und Sven Lutzke. „Wir kennen uns vom Holzmachen und haben irgendwann angefangen, besonders schöne Eichenstämme auf die Seite zu legen“, erzählt Ungar. „Die bearbeiten wir dann mit der Bandsäge und verkaufen sie als Sterne oder als andere weihnachtliche Symbole hier auf dem Markt.“ Seitdem rangieren sie als Brachberger Spächtelesverein, benannt nach einem Besigheimer Gewann.

Holzfiguren, nicht groß und wuchtig, sondern klein und filigran sind die Trumpf-Asse am Stand von Christine Träger aus Heilbronn und Steven Köder aus Besigheim. Ihr Favorit: Olivenholz. „Wir bieten weihnachtliche Dekoration aus Holz und Stickereien aus dem Westjordanland an. Es sind Arbeiten von behinderten und blinden Menschen aus Palästina“, beschreibt Christine Träger ihr soziales Engagement in der Adventszeit. In den 80er- und 90er-Jahren haben die beiden Budenbetreiber diese Kooperation mit aufgebaut. „Wir haben begonnen in einem Raum mit vier Nähmaschinen“, erinnert sich Träger. Heute ist die Organisation „Lifegate“ daraus geworden.

Wer über den Besigheimer Weihnachtsmarkt schlendert und durch die Fachwerkgassen zieht, entdeckt sie alle, die Lederwarenverkäufer, die Herrscher über eine Landschaft aus Trockenfrüchten, Schmiedekünstler, Textilhändler und vor allem Kunsthandwerker. „Ich mag am Besigheimer Weihnachtsmarkt gerade, dass er von vielen Menschen gestaltet wird, die kreativ etwas drauf haben“, bringt es die Bietigheimerin Julia Becker auf den Punkt.

Weihnachtsmarkt ist traditionell ein Ort für Friedensarbeit. Dazu tragen auch Kunsthandwerker von außerhalb bei, Wikhard Kiesel aus Langenalb zum Beispiel. Er stellt seine Holzkrippen vor. Die fertigt er in stundenlanger Kleinarbeit selbst an. Zum ersten Mal hat sich auch die Besigheimerin Stefanie Pfeiffer entschlossen, ihre Lichtquellen aus Beton, romantische anmutende Schalen mit Kerzen oder Lichterketten in die dunkle Samstagnacht zu legen. Sie wird schnell zum Publikumsmagnet.

Heiße Maroni

Es gibt keinen Besigheimer Weihnachtsmarkt ohne den Duft von heißen Maroni in den Häuserzeilen. Seit 29 Jahren sorgen Giuseppe Verrelli und Alexander Merkle dafür, dass hier nur die besten Delikatessen aus dem Wald in die Tüten kommen. „Mein Vater hat das angefangen, und für mich ist es jedes Mal eine Herausforderung, die richtige Qualität zu bekommen und eine Alternative zur roten Wurst zu finden.“ Wenn die Maroni gut gemacht sind, passen sie hervorragend zu Glühwein, weiß Verrelli schon lange. Seit 25 Jahren sei er auch auf dem Bietigheimer Sternlesmarkt präsent, verrät er.

Zwischen all den kreativen Geistern haben sich Schüler angesiedelt aus weiterführenden Besigheimer Schulen. „Wir sammeln für unsere Klassenfahrt nach Südtirol“, erzählt die 15-jährige Lucille von der Maximilian-Lutz-Realschule und zeigt auf die Crêpesplatte, die schon leer ist, weil es keinen Teig mehr gibt. Anton, 13 Jahre, und seine Freunde kommen vom Christoph-Schrempf-Gymnasium in Besigheim und setzen sich am Stand dafür ein, dass die SMV an ihrer Schule flüssig genug ist, um Aktionen machen zu können.

Die feurige Hitze im kalten Winter kommt von innen, wenn man sich am Stand von Gerd Ihle von der Chillimanufaktur eindeckt, mit Chilliwürzern in allen Varianten. Gerd Ihle aus Murrhardt ist in Bönnigheim geboren, erzählt er, und hat den Bezug zur alten Heimat noch nicht verloren. Bei seinem ersten Besuch auf dem Besigheimer Weihnachtsmarkt bringt er fläschchenweise Chilliwürzer mit, mit Knoblauch oder Lemongras, ganz nach Geschmack. Für die himmlische Musik auf dem Markt sorgt die Musikschule Besigheim und die Chorgemeinschaft Besigheim. Die Besigheimer Studiobühne zeigt ein Kinderstück gleich an zwei Tagen.