Der Künstler Bobby Haynes setzt sich in Charakterstudien, meist in Form von Portraits in Öl oder in Zeichnungen mit der Individualität des Menschen auseinander. Nachdem er sein halbes Leben schon mit Pinsel und Bleistift gearbeitet, stellt er nun zum ersten Mal aus, im Warteaal von Besigheim, wo er eine zweite Heimat fand als kleiner Junge, der von Florida nach Deutschland kam.

„Eyes to my soul“ lautet der Titel der Ausstellung, die am Sonntagvormittag im Wartesaal von Besigheim für volles Haus sorgte. Viele Kunstinteressierte beobachten den künstlerischen Werdegang des Malers und Zeichners schon länger, der 1988 aus Florida nach Besigheim kam und dort, zusammen mit seiner Mutter, bei der Großmutter Cornelia Bekink aufwuchs. „Wir flüchteten vor meinem Vater, der als GI in Deutschland stationiert war und in Amerika Drogen- und Alkoholprobleme bekam“, erzählte der leidenschaftliche Maler und Zeichner bei der Vernissage.

Auch wenn die Großmutter Cornelia Bekink inzwischen verstorben ist, Bobby Haynes blieb in Besigheim. Er besuchte verschiedene Mal- und Zeichenkurse, darunter einen auf Menorca, der zu seinem  persönlichen Türöffner wurde. Danach wagte er sich mit seinen Arbeiten allerdings immer noch nicht an die Öffentlichkeit. Zu tief saß der Stachel, dass er nicht Kunst studiert hatte, weil er als Jugendlicher noch nicht das Verlangen gespürt hatte, das zu tun.

Sein Talent ist schon in der Schule entdeckt und gefördert worden. In den Jahren 2000 bis 2003 machte Bobby Haynes eine Ausbildung zum Grafikdesigner, einem wesensnahen Beruf zur Berufung als Künstler. Seine Portraits in kleinen und großen Formaten zeigen Menschen mit individuellen Gesichtern, Bekannte Persönlichkeiten sind dabei wie David Lynch oder Harrison Ford. Millieustudien setzen Akzente in der Ausstellung und haben Magnetwirkung.

In einem anderen Bild erinnert Bobby Haynes an eine historsche Episode, als der Ausbruch des Vesuv in Pompeji unmittelbar die Menschen bedroht. Überschrieben mit „The Chainsaw Couple“ fällt ein Pärchen aus den 70er-Jahren ins Auge, er mit der Bierdose in der Hand, sie, schwanger, mit der Hand auf ihrem Bauch. Beide ziehen gemeinsam durch den Wald.

Es sind Figuren, zu denen der Künstler einen Bezug hat, ebenso zum Thema Militär, da sein Vater starke Akzente im Leben des kleinen Jungen setzte. Bobby Haines bildet einen Soldaten ab – eine seiner ausdruckstärksten Arbeiten. Magnetwirkung haben auch seine Selbstportraits, vor allem ein kleines, überschrieben mit „Auf der Couch“.

Kleine und großformatige, aber immer expressive Portraits laden zum Bummel entlang der Wand ein. Keine Frage: Dem Künstler geht es um die Einzigartigkeit des Individuums. Wegen seines großen Talents geht Bobby Haines keinesfalls als reiner Hobbykünstler durch.

Warum er sich für das Portrait als Ausdrucksform entscheidet? „Schon als Junge habe ich figürlich gemalt und gezeichnet. Das ist geblieben, ebenso mein Interesse an den Menschen“, erklärt er und betont: „Ich mag Abstraktes. Aber das sollen die anderen machen“.

Info  Die Ausstellung „Eyes to my Soul“ ist noch bis zum 28. Juli sonntags von 14 bis 17 Uhr im Wartesaal im ehemaligen Bahnhofsgebäude in der Weinstraße 11 zu sehen.