Seit ihrem Bestehen nimmt die Lokale Agenda-Gruppe Mobilität, Energie, Klima Einfluss auf die Energiepolitik der Stadt. Viele Ideen und Vorschläge zur Nutzung erneuerbarer Energien hat sie in Gemeinderat und Verwaltung platziert. Beispiele sind die Nutzung des Faulgases, das bei der Vergärung von Klärschlamm in der Besigheimer Kläranlage entsteht, und der Bau einer Solaranlage auf dem Gebäude der Friedrich-Schelling-Schule, die in Eigenregie von Agenda-Mitgliedern errichtet wurde und betrieben wird. Das spektakulärste Projekt der Akteure um den Besigheimer Ingenieur Heinrich Blasenbrei-Wurtz ist die Windkraftanlage auf der Markung von Ingersheim. Sie wird von einer Energiegenossenschaft betrieben, der 365 Bürger aus Besigheim, Ingersheim und Nachbargemeinden angehören.

Wer sich anschauen möchte, wo in Besigheim erneuerbare Energie erzeugt wird, der kann der „Erneuerbaren Energien Route“ (EER) folgen, die von der Lokalen Agenda im Jahr 2014 angelegt und eröffnet wurde. Die ausgeschilderte Strecke führt nicht nur zur Kläranlage, zu den Solardächern und zum Windrad, sondern auch zu den Wasserkraftwerken in der Stadt und zum Ursprung der Gruppierung, der restaurierten historischen Mühle an der Enz. Die in der Route vorgestellten Anlagen produzieren nach Angaben von Blasenbrei-Wurtz jährlich mehr als 28 Millionen Kilowattstunden Strom und Wärme und vermeiden damit etwa 16 000 Tonnen CO2-Emission.

Wasserkraft spielt im EER eine besondere Rolle. Das historische Mühlrad an der Enz war ab dem Jahr 2000 von Hansjörg Kollar restauriert worden, der sein Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Seite der Enz hat. Nach einem Brand der nahen Sägemühle im Jahr 1904 war das Wasserrad verfallen. Heute liefert es laut Lokaler Agenda Strom für etwa 100 Menschen und vermeidet so den Ausstoß von 80 Tonnen Kohlendioxid jährlich. Das Kraftwerk am Wehr über dem Neckar ist seit 1953 in Betrieb und erzeugt Strom für etwa 11 ­300 Menschen. Eine weitere Station ist das Wasserkraftwerk der früheren Röckerschen Fabrik, die im Jahr 1901 begann. Zunächst versorgte es die Nagelfabrik in Löchgau und einige Familien in Besigheim mit Elektrizität, später bis in die 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein die ganze Stadt. Noch heute werden dort jährlich zwei Millionen Kilowattstunden Strom produziert, genug für etwa 700 Haushalte, wie die Lokale Agenda in der Broschüre zur Energien-Route dokumentiert.

Die Gustav-Siegle-Halle, die Realschule, die Friedrich-Schelling-Schule und auch der Birkenhof bei Ingersheim, sie alle setzen auf die Versorgung mit Solarenergie und sind Teil der EER. Weitere Solaranlagen werden folgen, beschloss der Gemeinderat. Sie sollen auf dem neuen Gebäude der Feuerwehr in Ottmarsheim und auf dem Dach der benachbarten Kita errichtet werden, dann allerdings in Eigenregie der Stadt.

Info Auf der Internetseite der Lokalen Agenda kann eine Broschüre über die „Erneuerbare Energien Route“ mit Informationen über alle Stationen heruntergeladen werden.

agenda21-besigheim-mek.de