Besigheim Literarisches auf der Himmelsleiter

Rüdiger Erk las auf der Führung bei Besigheim mehrere Texte zum Thema Wein.
Rüdiger Erk las auf der Führung bei Besigheim mehrere Texte zum Thema Wein. © Foto: Uwe Deecke
UWE DEECKE 26.10.2015
Rund 30 Teilnehmer ließen sich das Angebot einer "poetisch-weinkundlichen Wanderung" bei Besigheim nicht entgehen. Zum Abschluss gab es eine Weinverkostung des Walheimer Winzers Eberhard Klein.

Bevor es so weit kam, wurde für die Kultur geschwitzt, wenigstens ein bisschen. Und außerdem mussten die vielen Spaziergänger vorbeigelassen werden, denn auf der langen Treppe zwischen den Weinbergen war durchaus Betrieb. Der Walheimer Winzer Eberhard Klein erklärte zu Beginn der einer "poetisch-weinkundlichen Wanderung", dass er rund die Hälfte seiner Fläche an Steillagen bewirtschafte. Die Fragen an ihn kamen zunächst von Christoph Köhler, der für den Besigheimer "Wartesaal" diese Wanderung leitete.

Zum Beispiel diese Frage: Ist der Wein aus den Steillagen besonders gut? Eher besonders wertvoll, verwies Klein auf die viele Arbeit, die in diesem Wein steckt. Vor 20 Jahren pflanzte er statt Trollinger hauptsächlich Riesling und Lemberger an, die er ausschließlich selbst vermarktet. Eine sehr komplexe Angelegenheit sei die Arbeit hier, weil hier nichts mit Maschinen erledigt werden könne. Die Weinberge an der Himmelsleiter schätzt er auf rund 500 Jahre, sie stammten aus einer Zeit, als es noch reines Mengendenken gab und nicht auf Qualität geachtet wurde wie heute. Problematisch sei der Muschelkalk-Boden, der an manchen Stellen nur 30 Zentimeter zum Wurzeln biete. Gedüngt werde bei ihm rein organisch mit Hornspänen, beim Spritzen komme man auch heute nicht um Schwefel herum. Und das Schneiden im Juni? "Es hat etwas Meditatives für mich", so der Walheimer.

Christoph Köhler erläuterte die Bedeutung des Weins in allen Bereichen, sei es bereits in der Bibel, in der Medizin oder als Geldquelle für Privilegierte. "Früher wurde man damit reich, heute ist das nicht mehr so." Diesem Satz wollte auch Klein nicht widersprechen. Und reich wurden damals, auch das wurde klar, hauptsächlich Klerus und Obrigkeit, die die Weinberge unter Fronarbeit anlegen ließen.

Für die angekündigten literarischen Pausen sorgte der Schauspieler und Regisseur Rüdiger Erk, der neben Texten von Thaddäus Troll, Lessing, Ringelnatz und Robert Gernhardt auch aus "Wilhelms Wende" des Walheimers Frieder Müller las.