Besigheim Lehrer, Musiker, Kirchenmann

Friedrich Schelling, Ehrenbürger der Stadt Besigheim und Namensgeber der Schule.
Friedrich Schelling, Ehrenbürger der Stadt Besigheim und Namensgeber der Schule. © Foto: Stadtarchiv Besigheim
bz 13.03.2018

Sieben Jahrzehnte lang hat Friedrich Schelling in Besigheim gelebt und gewirkt. Im öffentlichen Leben der Kleinstadt war der Lehrer und spätere Rektor nicht wegzudenken, er prägte es sogar. Generationen von Besigheimer sind durch seine Schule gegangen. Der gebürtige Reutlinger leitete von 1909 bis 1957 den Gesangverein, er gehörte zu den Gründern der Stadtkapelle, die er auch über Jahre hinweg musikalisch leitete. In der Kirche diente er Jahrzehnte lang als Organist und leitete den Kirchenchor.

Über diese grundlegenden biografischen Daten hinaus war Friedrich Schelling für viele Besigheimer jedoch unbekannt, selbst in der Schule selbst. Das nahm Ulrike Mross zum Anlass für eine umfangreiche Arbeit über den Besigheimer Ehrenbürger, die jetzt im 34. Band der Besigheimer Geschichtsblätter veröffentlicht wurde. Mross, die von 2011 bis 2016 Lehrerin an der Friedrich-Schelling-Schule war, folgte damit einer Anregung des Elternbeirats der Schule. Mit Hilfe des Besigheimer Stadtarchivs und Archivarin Sandy Krüger, der Auswertung von Zeitungsberichten und durch die Recherche im  Ludwigsburger Staatsarchiv ist eine informative biografische Abhandlung entstanden, die auch die schwierigen Zeiten Schellings, insbesondere während der nationalsozialistischen Herrschaft, keineswegs ausspart.

Mehr als vier Jahre im Krieg

 Nach seiner Ausbildung, dem Militärdienst und verschiedenen Stationen als angehender Lehrer kam der 1881 geborene Schelling im Juli 1909 nach Besigheim, wo er bis 1949 an der Schule blieb. Unterbrochen wurde diese Zeit von seinem Einsatz im Krieg. Vier Jahre und fünf Monate nahm Schelling zwischen 1914 und 1918 am Weltkrieg teil: erst in den Vogesen, später in Russland und der Ukraine. Der damalige Dekan Werner bedauerte im August 1918, das kirchenmusikalische Leben in der Stadt sei lahmgelegt worden, als Schelling einrücken musste: „Mit großer technischer Gewandtheit verbindet er feines musikalisches Gespür, so dass es stets ein Genuss war, seinem künstlerischen Spiel zu lauschen“, schrieb er über den Organisten Schelling.

Nicht nur dieses Zeugnis legt nahe, dass Schelling damals ein überaus respektierter Mann in Besigheim gewesen sein muss. 1929 wurde er für seine Leistung im Dienst der Kirchenmusik zum kirchlichen Musikdirektor ernannt. In der Ehrenurkunde wird er über die Maßen gelobt: als eifriger Organist, unermüdlicher Chorleiter und hervorragender Förderer „edlen Gesangs und erhebender Musik“.

Die Einladung zu Schellings 25-jährigem Dienstjubiläum im Jahr 1934 ist bereits mit „Heil Hitler“ unterschrieben. Aus verschiedenen Belegen zieht Ulrike Mross den Schluss, dass seine Überzeugung den Machthabern suspekt war. Sie versuchten jedenfalls seine musikalischen Tätigkeiten einzuschränken. Doch Schelling gelang es, die Leitung der Musikkapelle und des Sängerkranzes zu behalten.

Die Nationalsozialisten, in diesem Fall die Gauleitung, soll auch Druck auf Schelling ausgeübt haben, als dieser sich 1941 als Rektor bewarb, wie Mross herausgefunden hat. Seine Berufung wurde verzögert, geht aus Schellings Schilderung in seiner Entnazifizierungsakte hervor, weil er bei der Gauleitung als politisch belastet geführt worden sei.

Bekennende Kirche

Als er trotzdem ernannt wurde, verlangte die Gauleitung, er solle alle seine kirchlichen Ämter aufgeben. Doch Schelling weigerte sich erfolgreich, wie er darlegt. Die Spruchkammer, zuständig für das Entnazifizierungsverfahren, reihte Schelling nach dem Krieg als Mitläufer ein und bescheinigte ihm, dass er „während der ganzen Dauer des 3.  Reiches auf dem Boden der Bekennenden Kirche“ gestanden habe.
  1909 hatte Schelling Lilly Kupfer geheiratet, mit der er sieben Kinder hatte. Drei seiner Söhne verlor das Paar während des Zweiten Weltkrieges. Als er 1949 aus dem Schuldienst ausschied, behielt er seine kirchenmusikalischen Ämter bei. 1959 wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen. Erst 1967, nach 58 Jahren, schied er als Organist der Stadtkirche aus. Schelling starb am 18. Februar 1979, im Alter von 98 Jahren.

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