Mundelsheim Land fördert Steillagen-Forschung

Mundelsheim an der Neckarschleife ist von Weinbau-Steillagen umgeben.
Mundelsheim an der Neckarschleife ist von Weinbau-Steillagen umgeben. © Foto: Werner Kuhnle
Michael Soltys 02.08.2018

Das Drängen der württembergischen Steillagen-Initiative hat Erfolg. Um die Terrassen-Weinberge im mittleren Neckartal auf Dauer zu erhalten und vor allem zu bewirtschaften, experimentieren die Weinbauern seit einigen Jahren mit dem Anbau hochwertiger internationaler Rebsorten. Sie wollen zugleich den Trollinger, die beherrschende Rebsorte der Region, aufwerten. Das Land Baden-Württemberg wird die wissenschaftliche Erforschung und Begleitung dieser Versuche finanziell fördern. Diese Entscheidung wurde am Dienstag bekannt, bestätigten Dietrich Remboldt, Vorstandsvorsitzender der Weingärtner Lauffen, und Herbert Müller von der Steillagen-Initiative im Gespräch mit der BZ.

Mit einem Antrag auf eine solche Förderung war die Steillagen-Initiative 2017 noch gescheitert. Die Genossenschaften, privaten Weingüter und das Käsberg-Konsortium, die der Initiative angehören, hatte ihn aber in  „modifizierter Form“ erneut gestellt, so Müller, nachdem es entsprechende „Signale“ aus dem Landwirtschaftsministerium gegeben habe. Schließlich folgten Gespräche im Ministerium in Stuttgart. Formal genehmigt ist der Antrag allerdings noch nicht. In einer zweiten Stufe werden jetzt die Details geklärt, wann welches Geld an wen gezahlt wird, erläuterte Dietrich Remboldt. Dass sich am grundsätzlichen „Ja“ des Landes aber noch etwas ändert, glauben weder er, selbst noch Müller.

Kernpunkt der Förderung ist die geplante Zusammenarbeit der Steillagen-Initiative mit der Weinbauschule in Weinsberg und der Universität Geisenheim. Für Müller, den Vorsitzenden der Steillagen-Initiative, ist die Förderung eine unabdingbare Voraussetzung, um die Arbeit beim Anbau von Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet franc, Merlot oder Tempranillo erfolgreich fortsetzen zu können. Der Steillagen-Initiative geht es aber nicht nur um die Erprobung der für Württemberg neuen Rebsorten. Die Entwicklung eines Weinstils für Terrassen-Weine, eines Vermarktungskonzepts und die Bildung einer einheitlichen Marke für die Steillagen-Weine, möglicherweise sogar unter dem Dach einer geschützten Ursprungsbezeichnung, sind ihr ebenso wichtig.

Eine Gruppe der Wengerter um Dietrich Remboldt hatte den Antrag auf Förderung in Höhe von 400 000 Euro über eine Projektzeit von vier Jahren formuliert. Zum geringen Teil werde das Geld für die Technik verwendet, die für die Anwendung der neuen Rebsorten notwendig sei, sagte Remboldt. Der größere Teil werde für Löhne verwendet: für Doktoranden, die sich mit dem Anbau wissenschaftlich befassen, für das Ausbauteam in Weinsberg, das Methoden testet und für die Koordination des Projekts. Die Wengerter selbst werden zwar wissenschaftlich und praktisch unterstützt, bekommen aber kein Geld aus dem Zuschussprogramm, erläuterte Remboldt das Verfahren.

Bis es soweit ist, müssen sich die Wengerter allerdings mit ganz praktischen Problemen herumschlagen, wie Müller am Beispiel des Weinbergs der Käsberg-Konsorten erläutert, deren Weinberg zwischen Besigheim und Hessigheim im Januar abgerutscht war. Auf Betreiben Müllers hatte der Kreistag damals zugestimmt, den Wengertern in diesem und künftigen Fällen 50 Prozent der Kosten zu ersetzen, die für die Sicherung des Hanges aufgewendet werden müssen, maximal 10 000 Euro.

„Nicht ökonomisch“

Doch den Terrassen-Weinberg selbst wieder zu sanieren und Wein anzubauen sei „grundsätzlich nicht ökonomisch“, so Müller. Es sei denn, dafür gibt es Ökopunkte. Solche Ökopunkte können durch ökologische Verbesserungen erzielt werden, mit denen Eingriffe in die Natur an anderer Stelle ausgeglichen werden. Müller stellt sich vor, Ökopunkte für die Sanierung der Terrassen zu verkaufen, beispielsweise an Bauherren, und damit die Weinberg-Sanierung zu finanzieren. Doch um dies umsetzen zu können, fehlt es an der Klärung wesentlicher Fragen der Bewertung und des Verfahrens.

Die Ziele der Steillagen-Initiative

Bei der Arbeit für das Integrierte Landschaftliche Entwicklungskonzept ILEK hatte sich eine Gruppe von Weinerzeugern entlang der Neckarschleife zwischen Lauffen und Mundelsheim zur Württembergischen Steillagen-Initiative gebildet. Ihr gehören Genossenschaften und Weingüter ebenso an wie das Käsberg-Konsortium, dessen Initiator Herbert Müller auch Vorsitzender der Steillagen-Initiative ist. Den Wengertern geht um die „Renaissance der Neckarterrassenweine durch Erzeugung von Premiumweinen aus hochwertigen Rebsorten und um die Aufwertung des Trollingers“, beschreibt Müller das Ziel. sol

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