Hessigheim / Uwe Deecke  Uhr

Es herrschte bei hoher Wanderer-, Fahrrad- und Traktordichte wieder Ausnahmezustand in und um Hessigheim. Am 1. Mai findet hier nicht nur das große Programm der Felsengartenkellerei statt, sondern auch der beliebte Kunsthandwerkermarkt im nicht verkehrsberuhigten Ortskern.

Der Markt, der auf eine Elterninitiative zurückgeht, ist inzwischen in jungen Händen. Und die Initiative ist gewachsen: 15 Familien kümmern sich um die Belange der Eltern und Kinder vor Ort, engagieren sich ehrenamtlich und verwenden die Erlöse für soziale Projekte. „Wir hatten viele Anmeldungen in diesem Jahr und mussten vielen absagen“, so Sophia Schäfer von der Elterninitiative. Geschafft haben es 38 Aussteller, einige vom vergangenen Jahr und auch ein paar neue auf dem Markt zwischen altem und neuem Rathaus.

Bilder aus Schrift

Zum festen Ausstellerkreis gehört hier Shamshad Ali mit seinen handgeschriebenen Bildern, dem man bei der Arbeit zusehen konnte. Aus mit dem kleinen Pinsel geschriebenen Gedichten oder Bibelversen werden bei ihm Bilder, die seine Botschaft vermitteln. Zum Inventar gehört auch Beate Puchinger, die hier sechs Jahre lebte und nun wieder an den Harz gezogen ist. Sie verkauft kreative Töpferkunst in Form von Eulen, Pilzen, Fischen oder Fröschen, kommt aber auch jedes Jahr hierher, um Bekannte zu treffen.

Erstmals dabei ist der Neckarsulmer Bernd Layher, der Nisthilfen, Bienen- und Insektenhotels fertigt. Aus altem Holz und verziert mit Reben sind sie attraktiv für die Tiere. „Manche Bienen fliegen nur auf Altholz“, ist der Neckarsulmer überzeugt, der 15 seiner Hotels im eigenen Garten stehen hat. Dabei verwendet er gerne altes Fassholz oder Holz aus alten Scheunentoren, die dann zu Wänden oder Dächern seiner Hotels werden.

Ein neuer Aussteller in Sachen Holzkunst ist Dieter Strauß. Der Mittelfranke ist Forstwirt und verarbeitet Holzstämme mit der Motorsäge zu Eulen, Störchen, Igeln oder Eichhörnchen. Er ist gleichzeitig fränkischer „Wiesenmeister“, ein Titel, der von der Landesanstalt für Landwirtschaft und dem BUND für ökologische Projekte verliehen wird. Seine Streuwiese mäht er nicht vor dem 1. August und sie beheimatet 50 teils seltene Pflanzenarten.

Fichten in Gefahr

Besorgt ist er als Waldarbeiter über die heimische Fichte, die gerade vertrocknet und vom Borkenkäfer bedroht ist. „Bei 70 Prozent Fichtenbestand in Mittelfranken gibt das eine Katastrophe“, befürchtet er.

Sogenannte Up-Cycling-Produkte gab es an einem Stand des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums. Hier war die Klasse 8 mitten im Ökonomie-Projekt, in dem sie als „Capsel Crew“ gebrauchte Wegwerfprodukte zu Kunsthandwerk machte. Alte Kaffee-Kapseln aus Alu wurden so zu bunten Schlüsselanhängern.

Viele Aussteller aus Hessigheim, vom Bodensee, aus Karlsruhe, Stuttgart, Künzelsau oder Pforzheim zeigten ihre Kunst an diesem besonderen Tag, der viele Besucher aus nah und fern anlockte. Parallel zum Markt wurde auch das „1. Mai Café“ im Evangelischen Gemeindehaus veranstaltet. Dort gab es neben Kaffee und Kuchen einen kleinen Flohmarkt. Dazu fand der gut besuchte Weinprobiertag vor und in der Felsengartenkellerei statt. Hier trafen sich Ausflügler, die mit dem Rad, dem Schiff oder auch dem mehr oder weniger betagten Traktor gekommen waren, um das schöne Wetter zu genießen.