Verkehr Kunst im Kreisel

Michael Soltys 14.04.2018

Kreisverkehre? Brauchen wir nicht. Passt nicht zu uns. Diese Einstellung, vor 20 Jahren in Deutschland noch gang und gäbe, hat sich grundlegend gewandelt. Allein die Landkreisverwaltung ist heute im Landkreis Ludwigsburg für knapp 60 Kreisverkehre zuständig, nicht mitgezählt diejenigen, die von den Kommunen oder vom Bund gebaut und bezahlt wurden.

 Insbesondere die Kommunen haben viel Wert auf die Gestaltung gelegt, wie der  Blick von BZ-Fotograf Helmut Pangerl und Praktikantin Natalie Grund auf einige Kreisverkehre im Landkreis beweist. Dies ist jedoch nicht immer konfliktfrei verlaufen, da jede Unfallgefahr vermieden werden soll und Kunstwerke oder Aufbauten auf den Kreisverkehren nicht massiv gestaltet werden dürfen, jedenfalls nicht außerhalb von Ortschaften.

Streit um den Nagel

Bestes Beispiel: der Nagel auf dem Kreisverkehr in Löchgau, der ursprünglich aus Stahl war, dann aber auf Druck des Landkreises abgebaut und durch einen Plastik­nagel ersetzt wurde. Über Wochen zog sich der öffentliche Streit zwischen den Initiatoren des Kreisverkehr-Denkmals und der Landkreisverwaltung dahin.

Innerhalb der Ortsdurchfahrt, wo die Geschwindigkeit generell auf 50 Stundenkilometer oder weniger begrenzt ist, sind die Kriterien nicht ganz so streng, erläuterte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Hier soll aber eine ungehinderte Sicht über den Kreisverkehr möglich sein, um die Verkehrssicherheit für Fußgänger zu verbessern.

Für den Bau von Kreisverkehren gibt es zahlreiche Kriterien. Allein 40 Seiten umfasst das Merkblatt, an dem sich die Mitarbeiter der Kreisverwaltung ausrichten. Kommen mehr als 15 000 Fahrzeuge pro Tag an einer Stelle vorbei, kann ein Kreisverkehr das nicht mehr bewältigen, erläutert der Sprecher des Landkreises. Außerorts sollte der Kreisverkehr mindestens 30 Meter im Durchmesser haben.

Die Kreisverwaltung entscheide sich gegen den Bau eines Kreisverkehrs, wenn der Durchmesser zu klein ausfallen würde und LKW ihn nicht befahren können oder wenn die Verkehrsbelastung zu groß ist und der Verkehr nicht abgewickelt werden kann, die Autos also im Kreis stecken bleiben. Kreisverkehre sind aus Sicht des Landkreises auch dann nicht sinnvoll, wenn die Verkehrsstärke an den Zufahrten sehr ungleichmäßig ist, wenn also aus einer Richtung sehr viele Fahrzeuge kommen und aus einer anderen sehr wenig. Dies führt zu langen Wartezeiten.