Besigheim Künstler Gunter Demnig verlegt "Stolpersteine" für NS-Opfer in Besigheim

Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung eines Stolpersteins an der Enzbrücke.
Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung eines Stolpersteins an der Enzbrücke. © Foto: Martin Kalb
Besigheim / SUSANNE YVETTE WALTER 24.11.2014
In rund 500 Orten in Deutschland und in anderen Ländern hinterlässt der in Berlin geborene Künstler Gunter Demnig seine "Stolpersteine" - auch in Besigheim.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde bewahrte der Künstler Gunter Demnig das Andenken an drei Besigheimerinnen, die im NS-Regime ihr Leben lassen mussten: Anna Maria Difliff, Friedericke Zehender und Maria Schlienz. Im Vorfeld hatten sich Schüler der Maximilian-Lutz-Realschule in Besigheim an die Recherche der Lebensläufe der NS-Opfer gemacht und führten in das traurige Thema Euthanasie ein.

Drei neue Stolpersteine in Besigheim. Vier der kleinen Messingtafeln hatte Künstler Gunter Demnig hier bereits in die Gehwege verlegt. Bei der ersten Station am Europaplatz, wo am Samstagnachmittag der Stein für Anna Maria Difliff angebracht wurde, hielt Margit Stäbler-Nicolai von der Maximilian-Lutz-Realschule neben dem in Sachen Stolpersteine sehr engagierten SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Reusch-Frey eine kleine Ansprache. Mögen sich immer wieder Menschen finden, die das Messing der kleinen Tafeln polieren und damit das Andenken an die Opfer auch dann wachhalten, wenn die Tafeln witterungsbedingt trüb geworden sind, wünschte sie sich.

Bürgermeister Steffen Bühler war bei der symbolischen Verlegung dabei. Rüdiger Erk von der Besigheimer Studiobühne las Essays aus einem Schreibworkshop vor, der sich mit Grafeneck befasst hatte, der Burg auf der Schwäbischen Alb, wo zur Zeit des Nationalsozialismus Menschen mit Behinderungen getötet wurden. Nazis verharmlosten diese Morde an Behinderten gern als "Gnadentod".

Zur Verlegung der Stolpersteine in Besigheim ist auch eine Broschüre erschienen, die sich mit den Besigheimer Schicksalen und dem Thema Euthanasie konkret auseinandersetzt. Es folgten Stolpersteine für Friederike Zehender in der Vorstadt 5 und für Marie Schlienz in der Aiperturmstraße. Die Klasse 10b der Maximilian-Lutz-Realschule mit Klassenlehrer Christian Herbst und Margit Stäbler-Nicolai hatte sich intensiv mit den Lebensläufen der Opfer befasst und die Feierstunde zur Verlegung der Steine in Eigenregie übernommen. Eine rote Rose legten die Schüler neben jeden Stein. Manche waren gerührt vom Schicksal der Besigheimerinnen. Helena Veigel, Verena Schmid, Olivia Nickel und Lina Eiselen hatten sich zum Beispiel mit dem Schicksal der Anna Maria Difliff befasst.

Julia Trinkner erzählt vom tragischen Lebenslauf der Friederike Zehender: "In ihrem zweiten Lebensjahr war sie durch eine Kinderkrankheit bedingt taubstumm geworden, landete immer wieder in Heilanstalten und wurde schließlich nach Grafeneck abtransportiert und dort umgebracht."

Seit 1995 hat Gunter Demnig rund 55.000 Stolpersteine weltweit für die Opfer der NS-Diktatur verlegt. "Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten", ist er überzeugt. "Stolpersteine erinnern uns an diese Menschen und an ihr Schicksal. Stolpersteine sind auch eine Mahnung an uns alle, wachsam zu bleiben", betonte der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Reusch-Frey.

Bis heute sind acht Besigheimer Schicksale bekannt. Diese acht Frauen und Männer wurden alle in Grafeneck vergast, ihre Leichen verbrannt. "Mit der Recherche der Lebensbiografien halten wir die Erinnerung wach. Sie alle waren Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Alle gingen dieselben Wege wie wir", machte Bürgermeister Steffen Bühler deutlich. Für vier dieser "Euthanasieopfer" hatte der Künstler Gunter Demnig bereits Stolpersteine in Besigheim verlegt. Jetzt folgten im November drei weitere.

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