Wie schaffen es Kinder und Jugendliche bloß, so toll Klavier zu spielen wie die zehn jungen Pianisten beim Abschlusskonzert am Mittwoch im Besigheimer Steinhaus? Was sie an den Tagen zuvor im Meisterkurs Klavier mit den Trossinger Klavierpädagogen Tomislav Baynov und Reinhard Becker gelernt hatten, demonstrierten sie im Kleinen Saal der Musikschule.

Erstaunliches Niveau

Die überschaubare Schar an Zuhörern erlebte ein erstaunliches Niveau von ausnahmslos allen jungen Musikern. Das Abschlusskonzert war sinnhafterweise nach aufsteigendem Alter und Können angelegt. Den Anfang machte Jakob Bederna, der ein „Lied ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy musikalisch-transparent wiedergab. Danach spielte Julius Mayerhofer flüssig und perlend den ersten Satz aus Aram Khachaturians Sonatine C-Dur.

Die erste große Überraschung gab es beim Spiel des jungen Pianisten Stylianos Topalidis bei seiner Wiedergabe des wunderbaren impressionistischen Klanggemäldes „La terrasse des audiences au clair du lune“ von Claude Debussy. Stylianos zeigte mit seinem rhythmischen Gespür, Tempo- und Klangempfinden, wie weit fortgeschritten er bereits ist. Nach Alexandra Kroll, die mit leidenschaftlichem Zugriff Johannes Brahms‘ zweite Rhapsodie in g-Moll spielte, kam Stylianos Topalidis noch einmal mit einer geradezu absurd schweren Rhapsodie Franz Liszts. Er spielte auf volles Risiko und mit dem ihm maximal möglichen Tempo. Ganz erstaunlich.

Shirin Seiter griff sensibel auf Sergej Rachmaninoffs Etude Tableau op. 33 zu, einem eher leisen und meditativen Stück des russischen Virtuosen, zeigte sehr schön die Mittelstimmen und ein gutes Pianissimo. Anastasiia Ostapenko traf den poetischen Tonfall bei Robert Schumanns Impromptu mit Variationen op. 5 recht gut und spielte eine Auswahl mit fünf Variationen musikalisch und technisch versiert. Danach hatte Antonius Hall mit dem ersten Satz aus Ludwig van Beethovens Sonate op. 14,2 in G-Dur und der „Teuflischen Einflüsterung“ von Sergej Prokofiev seinen bejubelten Auftritt. Antonius spielte Beethoven ganz leicht und durchsichtig, den mephistophelischen Prokofiev mit seinem stampfenden Tritonus, dem Sinnbild des Teuflischen in der Musik, technisch brillant. Danach Ivana Agius mit Gabriel Faurés melancholischem, nachtgefärbtem Nocturne es-Moll ebenfalls sehr leicht und transparent.

Souveräne Technik

Schließlich waren dann die Studenten an der Reihe. Drei Kursteilnehmer waren zum Konzert geblieben. Zhengni Sheng spielte aus Johannes Brahms‘ Sonate Nr. 2 fis-Moll den ersten Satz, und So Hee Kim, Klavier, und Min-Wie Chen, Violine, den ersten Satz aus Brahms‘ Sonate op. 78 für Klavier und Violine. Souveräne Technikbeherrschung und musikalischer Ausdruck trafen hier ideal aufeinander.