Rund 38 600 evangelische Wahlberechtigte im Kirchenbezirk Besigheim wählen am 1. Dezember in ihren Gemeinden für sechs Jahre die neuen Kirchengemeinderäte. 180 Ehrenamtliche sind das in 19 Kirchengemeinden. Eberhard Feucht, Dekan des Kirchenbezirks, ist „ganz zufrieden“ mit den Bewerberlisten. „Wir können zumindest so viele Kandidaten vorweisen, wie es Plätze an Kirchengemeinderäten zu verteilen gibt und noch ist nicht Bewerbungsschluss“, sagt er. Er weiß, wie schwierig es ist, für solch ein anspruchsvolles Amt ehrenamtliche Kandidaten zu finden.

Nicht nur, dass die Räte sich einmal pro Monat treffen, sie müssen sich noch in diversen Ausschüssen, Initiativen oder Arbeitskreisen engagieren. Zudem, so Feucht, sind es nicht nur theologische Themen, über die sie diskutieren müssen, sie müssen sich auch in Baurecht, Klimaschutz oder Personalbestimmungen auskennen, um nur einige Aufgabengebiete zu nennen.

Den Spagat schaffen

Neben den Basisaufgaben eines Kirchengemeinderates, so Feucht, sei es in der kommenden sechsjährigen Amtsperiode aber vor allem „der Spagat zwischen Tradition und Moderne“. Die Kirchengemeinderäte seien wesentliche Gestaltungsträger des „notwendigen“, so Feucht, Umbruchprozesses der evangelischen Kirche.

Es sei, so der Dekan, eine Kunst, den „Traditionsabbruch nicht zu beklagen“ sondern einen neuen Bezug zum Alltag der Menschen herzustellen. Die Kirche müsse zwar ihre Werte wie christliche Nächstenliebe sowie traditionelle Riten wie Taufe, Trauung oder Beerdigung herausstellen, dürfe sich aber nicht Neuerungen wie der Digitalisierung oder neuen Formen der Gemeindearbeit verwehren. „Es gibt viele Themen, die wir noch mehr zu unseren machen müssen und transparenter und offener kommunizieren müssen“, sagt Feucht, der betont, dass aktuelle Probleme wie der Klimaschutz, Ängste wie die vor Rechtspopulismus, oder das Auseinanderdriften der Gesellschaft in arm und reich, „Urthemen der Kirche“ seien. „Wir haben es nur nicht offen genug kommuniziert.“ Zudem müsse die Kirche sich viel mehr öffnen. „Wir müssen versäumtes Denken umwandeln in vernetztes Denken und uns nicht auf unseren Traditionen ausruhen“, sagt Eberhard Feucht. Die Kirche, und damit auch der Kirchengemeinderat, müsse sich noch mehr den Menschen vor Ort annehmen. „In Besigheim sitzen wir in der Lokalen Allianz und nehmen an Diskussionen über Gemeindedinge teil“, sagt Feucht. Er nennt das „Beteiligungskirche“ und „gemeinwesen-orientiert“.

Der Kirchenbezirk Besigheim


Der Kirchenbezirk Besigheim hat rund 43 000 Gemeindemitglieder, davon 38 600 Wahlberechtigte in 19 Gemeinden. Er ist in drei Regionen aufgeteilt: Süd, Mitte und Nord. Zum Kirchenbezirk gehören Kirchengemeinden in Besigheim, Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim, Erligeim, Freuental, Gemmrigheim, Großingersheim, Hessigheim, Kirchheim, Kleiningersheim, Lauffen, Löchgau, Metterzimmern, Neckarwestheim, Walheim.
Gewählt werden je nach Größe der Gemeinde 4 bis 18 Kirchengemeinderäte.

Die Aufgaben des Kirchengemeinderats sind: Gottesdienste, Kinder- und Jugendarbeit, Nachhaltigkeit, ökumenische Zusammenarbeit, der Haushalt der Gemeinde, Personal und das Bauwesen der gemeindeeigenen Immobilien wie Kindergärten, Kirchenpflege, Verwaltung.

Noch bis Freitag, 25. Oktober, 18 Uhr, nimmt jedes Pfarramt Wahlvorschläge an. Jedoch muss die Person mindestens zehn Unterstützer haben, die dies anhand ihrer Unterschrift beglaubigen. Jedes Pfarramt beantwortet alle Fragen zur Bewerbung. sz