Die Überraschung war groß, als Bürgermeisterin Tatjana Scheerle am Donnerstag verkündete, dass die geplante Kindertagesstätte gestrichen worden sei (die BZ berichtete). Wie lange es jetzt dauern wird, bis neue Plätze geschaffen sind, und in welcher Form dies geschehen wird, an dieser Frage werde gerade intensiv gearbeitet, sagte die Bürgermeisterin am Montag auf Nachfrage der BZ.

Kurzfristig im Gespräch ist die Einrichtung eines Naturkindergartens für Kinder über drei Jahre, der nahe dem Western-Reitgelände angelegt werden könnte. Darüber sei bereits mit dem Verein und dem Landratsamt gesprochen worden. Eine feste Zusage, wann ein solcher Kindergarten eröffnen könnte, wollte Scheerle nicht machen. „Es wird keine Notlösung sein“, versicherte die Bürgermeisterin.

Noch weniger konkret sind die Pläne für die Errichtung einer weiteren Krippengruppe. Scheerle hält es beispielsweise für möglich, eine solche Gruppe für Kinder unter drei Jahren in einem Gebäude einzurichten und dann über die Erweiterung des Kindergartens Lerchenweg für Kinder über drei Jahre nachzudenken. Aktuell könnten in der Gemeinde alle Kinder untergebracht werden. Zum 1. Juni 2020 werden allerdings Plätze für Kinder über drei Jahre benötigt. Kita-Plätze können über altersgemischte Gruppen geschaffen werden.

Den Beschluss, den Bau der Kindertagesstätte auszusetzen, hatte der Gemeinderat bereits im Februar gefasst. Gemeinderat und Verwaltung wollten damit erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn ein „Plan B“ vorlag, sagte sie zur Begründung, warum die Entscheidung erst jetzt bekannt gemacht wurde. Zudem habe man die Kommunalwahl im Mai abwarten wollen, um gemeinsam mit dem neuen Gemeinderat nach Lösungen zu suchen.

Die Aussetzung des Kita-Baus hatten Bürgermeisterin und Gemeinderat mit schweren Vorwürfen gegen die „vorherige Verwaltung“ verbunden. Scheerle stritt jedoch ab, dass damit ihr Vorgänger Albrecht Dautel oder andere Personen auf dem Rathaus gemeint seien. Die falschen Kinderzahlen und der daraus resultierende Mangel an Förderung, mit denen sie unter anderem die Absage begründete, seien durch fehlerhafte Bedienung eines Computerprogramms zustande gekommen. „Es war eine Verkettung unglücklicher Zufälle.“ Mit Dautel selbst hatte seine Nachfolgerin zuvor über diese Angelegenheit nicht geredet, hatte der Bönnigheimer  Bürgermeister am Freitag erklärt.

Auch für den wohl schwerwiegendsten Fehler, die frühzeitige Unterzeichnung des Vertrages mit dem Generalunternehmer, könne Dautel nicht verantwortlich gemacht werden, hob Scheerle hervor. Ein bereits unterzeichneter Vertrag ist für das Regierungspräsidium ein Ausschlusskriterium für den Antrag auf Fördermittel. Der Vertrag sei im August 2018 unterzeichnet worden, als Dautel bereits Bürgermeister in Bönnigheim war und sie selbst noch nicht im Amt, machte sie deutlich.

Nach der Kündigung des Vertrags mit dem Generalunternehmer, der mit dem Bau der Kita beauftragt war, wird die Gemeinde auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben. Die Summe werde jedoch nicht hoch sein, versicherte Scheerle. Der Unternehmer habe sich sehr kooperativ gezeigt, sie hoffe, dass er sich an einer erneuten Ausschreibung beteiligen werde. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte die Bürgermeisterin. Auch mit der Versicherung sei sie noch im Gespräch.

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