Bilanz Kein Platz für Großanleger

Im Stellwerk des Vaihinger Bahnhofs präsentierte der Vorstand die Bilanz der VR-Bank Neckar-Enz (von links): Generalbevollmächtigter Armin Fuchs und die beiden Vorstandsmitglieder Timm Häberle und Heiko Herbst.
Im Stellwerk des Vaihinger Bahnhofs präsentierte der Vorstand die Bilanz der VR-Bank Neckar-Enz (von links): Generalbevollmächtigter Armin Fuchs und die beiden Vorstandsmitglieder Timm Häberle und Heiko Herbst. © Foto: Martin Kalb
Besigheim / Michael Soltys 12.01.2018

Der Vorstand sieht die VR-Bank Neckar-Enz auf einem guten Weg, die Bilanz falle positiv aus, sagte Vorstandschef Timm Häberle am Dienstag bei der Vorstellung der Zahlen für 2017 in Vaihingen. Genaue Angaben zum Betriebsergebnis und zum Reinerlös machten Häberle und sein Vorstandskollege Heiko Herbst zwar nicht. Beides werde der Vertreterversammlung vorgelegt. Der Reinerlös werde allerdings das Ergebnis des Vorjahres von 3,3 Millionen Euro leicht übertreffen, sagte Herbst. Er deutete an, dass die Dividende erneut bei vier Prozent liegen werde. „Bisher spricht nichts dagegen.“

Die Bilanz könnte sicherlich noch besser ausfallen, wenn nur die Zinsen nicht so niedrig wären. Rentabel bleibt das Kreditgeschäft trotzdem, betonte Heiko Herbst. Als genossenschaftliche, regional orientierte Bank sei die VR-Bank in besonderem Maße von Zinseinnahmen abhängig, sagte Häberle. Großanleger, die mehrere Millionen Euro bei der VR-Bank parken wollen, werden abgewiesen oder mit Negativzinsen belegt, die im Übrigen auch die VR-Bank bei der Zentralbank bezahlen müsse. Mit der sinkenden Zinsspanne habe sich die Bank schon vor Jahren auseinandergesetzt und entsprechend vorgesorgt.

Das zeigt sich am Beispiel der Fusionen, die in den Jahren seit 2014 zu bewältigen waren, zuerst mit der Volksbank Freiberg und der Enztalbank im Jahr 2014, mit den genossenschaftlichen Banken in Löchgau, Ingersheim und Kirchheim-Walheim im vergangenen Jahr. Beide Fusionen seien „mustergültig verlaufen“, hob Häberle hervor, die Zustimmung unter den Mitgliedern liege unverändert bei nahezu 100 Prozent.

Die Fusionen hatten spürbare Einsparungen zur Folge, sagte Heiko Herbst. Die Verwaltungsaufwendungen wurden um zwei Millionen Euro auf 25,8 Millionen Euro abgesenkt, der Personalbestand ging  von 311 auf 277 Beschäftigte zurück, nicht durch Entlassungen, wie Heiko Herbst hervorhob. Frei werdende Stellen wurden nicht wieder besetzt. Die Bank hat zudem ein Programm für Mitarbeiter aufgelegt, die in Altersteilzeit gehen wollen. Jährlich werden aber weiterhin zehn neue Ausbildungsplätze angeboten und alle geeigneten Azubis übernommen.

Neun Filialen, alle in ländlich geprägten Orten, darunter Häfnerhaslach und Ochsenbach, wurden geschlossen, weitere Schließungen sind nicht geplant, sagte Häberle. Einige Dienstleistungen, die von den fusionierten Partnerbanken nach außen vergeben worden waren, werden jetzt wieder im Haus erledigt. Der Gewinn ist jedoch nicht allein den Sparbemühungen geschuldet, das eigentliche Geschäft konnte trotz der widrigen Umstände ebenfalls ausgeweitet werden. Dies sei der VR-Bank „in allen relevanten Bereichen planmäßig gelungen“, sagte Heiko Herbst.

Das Volumen des Kreditgeschäfts stieg nach seinen Angaben von 946 Millionen auf 995 Millionen Euro, ein Plus von 5,1 Prozent.  „Wir haben in der Region einen prosperierenden Mittelstand, und der gewerbliche und private Wohnbau florieren ungebrochen“, sagte Herbst. Und der braucht Geld.

Für Privatanleger, auch solche mit sechs- bis siebenstelligen Summen, werde es nach wie vor keine Negativzinsen geben, betonte Häberle. Die Einlagen der Privatkunden seien immerhin um 5,3 Prozent gestiegen. In der Summe blieben die Einlagen in der VR-Bank mit 1,34 Milliarden Euro in etwa stabil, so Herbst.

Ein gutes Geschäft hat die VR Bank mit Provisionen gemacht. Substanzwerte wie Aktien und Fonds haben deutlich zugelegt, mehr als 1000 neue Fondssparverträge wurden unterzeichnet. Trotz der niedrigen Bauzinsen ist auch das Bauspargeschäft quicklebendig, wie die Bausparsumme von 78 Millionen Euro belegt. Wenn es auch keine Zinsen für das Geld auf der Bank gibt, so sei die Aussicht, in einigen Jahren mit dem angesparten Geld eines Bausparvertrages ein Haus zu bauen oder eine Wohnung finanzieren zu können, gerade für junge Leute attraktiv, sagte Häberle. Dass die Niedrigzinssphase in absehbarer Zeit endet, glaubt allerdings auch er nicht.

Kennzahlen der VR Bank 2017

40349 Mitglieder hat die genossenschaftliche VR-Bank Neckar-Enz aktuell. Ihr Geschäftsgebiet reicht von Bönnigheim bis nach Eglosheim und von Ingersheim bis nach Dürrmenz.

1,71 Milliarden Euro hoch ist die Bilanzsumme der Bank. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 betrug die Bilanzsumme noch 1,67 Milliarden Euro.

995 Millionen Euro beträgt die Summe der Kundeneinlagen, das ist ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2016, als es noch 946 Millionen Euro waren.

32 Filialen unterhält die VR-Bank in ihrem Geschäftsgebiet. Neun Filialen wurden nach den Fusionen zum 1. Mai 2016 geschlossen. Proteste der Genossenschaftsmitglieder habe es keine gegeben, sagt der Vorstand.

4,0 Prozent Dividende wird der Vorstand aller Voraussicht nach der Vertreterversammlung vorschlagen. sol

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