Besigheim / Dietmar Bastian  Uhr

Zu welchen musikalischen Glanzleistungen Jugendliche fähig sind, wenn man sie fördert und fordert, konnten am Sonntagabend etwa 400 Zuhörer in der Besigheimer Stadthalle Alte Kelter erleben. Das mit Streichern, Holz-, Blechbläsern und Schlagwerk voll besetzte Sinfonieorchester, dem die besten Instrumentalisten der 14 Musikschulen des Landkreises Ludwigsburg angehören, ist neben dem Kreisjugendorchester das zweite Auswahlorchester in der Region.

Die gut 60 Jugendlichen treffen sich mit ihrem Dirigenten Dietrich Schöller-Manno einmal im Jahr zu einer mehrtägigen Probenphase, der sich mehrere Konzerte anschließen.

Im emotionsgeladenen Eröffnungsstück des fast zweistündigen Programms, der Ouvertüre zur Oper „Die Macht des Schicksals“ von Giuseppe Verdi, lotete das Orchester weite dynamische Räume aus und ließ in gekonnten Solopassagen von Oboe, Klarinette und Querflöte bekannte Themen aus der Oper erklingen, bevor am Ende in einem choralartigen Schluss das Orchester in kräftigem Fortissimo erstrahlte. Kleinere Intonations- und Abstimmungsschwächen bei Verdi konnten im weiteren Verlauf des Programmes zum Ende hin deutlich verbessert werden.

Völlig unaufgeregt

Vor der Konzertpause folgten Solokonzerte für Fagott, Querflöte und Violine. In der 1910 entstandenen liedhaften Romanze op. 62 des englischen Spätromantikers Edward Elgar spielte Tobias Reikow mit schönem Ton und völlig unaufgeregt die Fagott-Solostimme. Bei dem kurzen Stück, das als kurzweiliges Wechselspiel zwischen Tutti und Solo komponiert ist, begleitete die Jugendphilharmonie dezent und zurückhaltend. Viel Applaus gab es für den jungen und vielversprechenden Fagottisten.

Danach folgte Tamina Patricia Frank mit dem virtuosen Concertino op. 107 für Flöte und Orchester der hierzulande wenig bekannten, aber gleichwohl bedeutenden, französischen Komponistin und Pianistin Cécile Chaminade. Die junge Solistin spielte das romantische Klanggemälde auswendig und mit tragendem Ton. Die Jugendphilharmonie ließ auch bei diesem Stück der Solistin viel Raum. Nach virtuosen Passagen, einem netten Zwiegespräch mit der Harfe und einer aberwitzig schweren Solokadenz erfolgte die Rückführung zum liedhaften Hauptthema, das nach einer Parallelführung mit der Klarinette in die Coda einmündet. Viel Applaus gab es auch für die Flötistin Tamina Patricia Frank.

Der Höhepunkt des ersten Konzertteils war aber das Spiel der jungen Geigerin Lavinia Laukner, die auch als Konzertmeisterin der Jugendphilharmonie fungiert. Sie spielte das Werk Introduction und Rondo Capriccioso op. 28 für Violine und Orchester des französischen Romantikers Camille Saint-Saëns wunderbar musikalisch, mit einer stupenden Technik, die man nie bei einer Abiturientin erwartet hätte, und einem ausdrucksstarken, biegsamen Ton.

Tadellose Bogenführung

Lavinia verfügt über eine tadellose Bogenführung, scheint mit ihrem Instrument geradezu verwachsen zu sein und bewältigt das technisch überaus anspruchsvolle Werk, das nicht selten als Prüfungsstück an Musikhochschulen gespielt wird, bravourös. Man darf zu Recht auf die weitere musikalische Entwicklung des Mädchens, das von der Geigenlehrerin Meike Brandenbusch an der Ludwigsburger Musikschule gefördert wird, gespannt sein.

Sehr gut gewählt war das Abschlussstück des bemerkenswerten Konzertes, die Sinfonie Nr. 1 in g-Moll des hierzulande völlig unbekannten russischen Komponisten Wassili Kalinnikov. Geschickt ausgesucht aus mehreren Gründen: Das originelle viersätzige Werk ist strukturell und thematisch leicht zu überblicken, spieltechnisch nicht zu schwierig, lässt die einzelnen Orchesterblöcke transparent hervortreten und eröffnet schließlich viele solistische Räume für Oboe, Englischhorn, Flöte, Klarinette und vor allem das Solo-Horn.

Dirigent Dietrich Schöller-Manno, der das Orchester seit seiner Gründung im Jahr 2000 leitet, trug mit seiner suggestiven Mimik und Gestik und einem klaren Dirigat sehr dazu bei, dass die Jugendlichen im Verlauf des Abends über sich hinauswuchsen. Das Konzert war nicht zuletzt ein Nachweis dafür, welch tolle und engagierte Arbeit an Musikschulen geleistet wird.