Besigheim Junge Familien im Fokus

Gabi Neuhäuser betreut die „SoPHiE“ in der Kirchstraße in Besigheim.
Gabi Neuhäuser betreut die „SoPHiE“ in der Kirchstraße in Besigheim. © Foto: Helmut Pangerl
Besigheim / Michael Soltys 14.03.2018

„SopHiE“ – das ist die etwas verzwungene Abkürzung für ein nicht weniger kompliziertes sprachliches Konstrukt: die „Sozialpädagogische Hilfe im Einzelfall“. Diese Einrichtung wird seit 2000 gemeinsam von der Karlshöhe Ludwigsburg und der Diakonischen Jugendhilfe der Region Heilbronn in Besigheim betrieben.

In der Kirchstraße 32 betreuen aktuell 10 Sozialpädagogen etwa 65 Familien aus der näheren Region. Das geht aus dem Bericht hervor, den Leiterin Gabi Neuhäuser am Dienstag dem Verwaltungsausschuss des Besigheimer Gemeinderats vorlegte. Denn die ambulante Betreuung, Förderung und Stärkung von Familien aus dem nördlichen Landkreis ist die zentrale Aufgabe der „SopHiE“. Den Mitarbeitern gehe es darum, die „Kräfte und Fähigkeiten von Eltern und Kindern“ zu stärken, heißt es in dem Bericht. Sie leisten Hilfe bei der Bewältigung individueller und familiärer Probleme und Krisen.

Dabei schlägt die Einrichtung verschiedene Wege ein. In einer kleinen angemieteten Wohnung haben die Sozialpädagogen im vergangenen Jahr drei junge Menschen auf einen selbstständigen Alltag vorbereitet und mit so grundlegenden Dingen wie Haushaltsführung, Ordnung oder Briefverkehr vertraut gemacht. Ein anderes Projekt dreht sich darum, Grundschüler in ihren persönlichen, schulischen und sozialen Fähigkeiten zu fördern. Dazu kommen die Kinder nachmittags an drei Schultagen der Woche zusammen.

Mit dem Rad über die Alpen

Theaterprojekte mit dem Besigheimer Schauspieler Rüdiger Erk, die Mitgestaltung eines Gottesdienstes oder auch das Training für Kinder mit ADHS dienen dazu, das soziale Lernen einzuüben. Bei einem offenen Treff, der alle 14 Tage stattfindet, haben junge Eltern von Kleinkindern Zeit und Gelegenheit, sich auszutauschen. Ein anderer Schwerpunkt sind erlebnispädagogische Konzepte: Dazu gehört in diesem Jahr der Plan, gemeinsam mit dem Fahrrad die Alpen zu überqueren. Ausrüstung, Finanzierung, Unterkünfte, Sponsorensuche – das alles muss gemeinsam überlegt und organisiert werden, so Neuhäuser. In den letzten Jahren ist es den Mitarbeitern zudem drum gegangen, sich in Besigheim zu vernetzen. Sie nehmen mit ihrer Klientel an „Besigheim spielt“ ebenso teil wie am Sommerferienprogramm der Stadt.

Immer stärker ist in den letzten Jahren auch die Betreuung von unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen zu einer Aufgabe geworden. Mehr als zwei Jahre wohnten etwa  zwei Jungen aus Afghanistan im Robert-Breuning-Stift. Im April 2016 vereinbarte die „SoPHiE“ mit ihren beiden großen Trägern, im ehemaligen katholischen Kindergarten in Kirchheim eine stationäre Wohngruppe für die jungen Migranten einzurichten. Dort leben nach Neuhäusers Angaben bis zu zwölf Jungen gemeinsam. Sie werden von sechs Fachkräften rund um die Uhr betreut und gefördert. Es handelt sich um junge Leute im Alter von 14 bis 18 Jahren, die ohne ihre Eltern nach Deutschland eingereist seien. Bei der Betreuung ging es vor allem darum, ein Gefühl von Schutz und Sicherheit zu vermitteln,  den jungen Flüchtlingen Deutsch beizubringen und sie zu integrieren. Nach einem Brand im Januar musste die Wohngruppe zwischenzeitlich nach Ludwigsburg umziehen. In Kürze werde sie aufgelöst, kündigte Neuhäuser an.

Hilfe im Alltag

Um Hilfe alltäglicher Art geht es bei der Betreuung von Familien aus Krisenregionen, die in den Flüchtlingsunterkünften nahe Besigheim leben. Die Sozialpädagogen unterstützen die Eltern bei bürokratischen Angelegenheiten, beim Gang zum Arzt etwa oder im Umgang mit Behörden. Vier Familien und fünf junge Erwachsene wurden 2017 auf diese Weise unterstützt.

Info Das Büro der „SoPHiE“ befindet sich in der Kirchstraße 32 in Besigheim. Alle Informationen finden sich auch im Internet.

www.sophie-besigheim.de

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