Mit Friedrich Schillers Frühwerk „Die Räuber“ haben sich die 14 Darsteller der „Jungen Bühne“ der Besigheimer Studiobühne ein Werk vorgenommen, das sich seit seiner Uraufführung 1782 über die Jahrhunderte auf den Theaterbühnen behauptet hat. Das ist kein Wunder, denn die Kernthemen des Schauspiels in fünf Akten sind ausgesprochen zeitlos: Selbstfindung und Selbstzweifel, Familienfehde, Geschwisterzwist, Neid, Hass und unerfüllte Liebe.

Die Junge Bühne der Besigheimer Studiobühne erzählt die Geschichte der ungleichen Brüder Franz und Karl Moor in der Originalsprache Friedrich Schillers; das fünfköpfige Regieteam (Silas Körner, Nilberk Durdu, Julia Joos, Daniel Neumann und Nelly Schwarz) hat sich jedoch zu großzügigen Streichungen entschieden, um das Werk kompakter und griffiger zu gestalten. Das nimmt dem Stück nichts und tut dem Theaterbesucher gut, muss der sich doch ob der Schillerschen Sprache mit ihren pathetischen Aufgipfelungen und  ihren Superlativen unablässig konzentrieren, um dem Geschehen über zwei Stunden aufmerksam folgen zu können. Und sie besetzten fast ausschließlich gegengeschlechtlich: Nahezu alle von Schiller im Original für männliche Darsteller vorgesehenen Rollen werden von weiblichen Jugendlichen verkörpert. Dies mag initial aus Mangel an Jungs geschehen sein. Nun aber verleiht es der Inszenierung beispielsweise in der Szene, in der Franz (Hannah Neuner) die auf Karl (Sarah Casabona) wartende Braut Amalia (Joey Prechtel)  bedrängt, eine Intensität, die den Zuschauer schauern lässt.

Aus einem weiteren Grund war die Idee der Truppe, die Werktreue lediglich auf die Sprache zu beschränken, eine ganz ausgezeichnete: Die düstere Großstadtszenerie, in der sich die in Punk- und Grungelook gekleideten Mimen bewegen, ist sehr real und zeigt einen beliebigen Großstadtmoloch, ob New York, Rio, Tokio, Berlin oder Frankfurt. Gerald Scheday hat für dieses wenig versöhnliche Setting das passende Bühnenbild gebaut:

Das ist nicht schön angemalt, hat keinen Wohlfühlcharakter, lädt nicht zum Chillen ein. Aber es passt so ganz ausgezeichnet zur dystopischen Botschaft, die die spielfreudige Truppe in Böhse-Onkelz-T-Shirt, Armeekluft und Punkerkaro in der an Metaphern und Konjunktiven reichen Schillerschen Sprache an den Zuschauer richtet: „Sorry, Bruder, aber auch in Zukunft wird es genau um diese Themen gehen!“.

Info Weitere Aufführungen der „Jungen Büne“ im Steinhauskeller am 25., 26. und 27. Oktober und von 1. bis 3. November (An den Freitagen und Samstagen Beginn jeweils 20 Uhr; an den Sonntagen um 19 Uhr). Kartenreservierung im Internet.

www.sb-besigheim.de