Seit September 2018 ist Tatjana Scheerle Bürgermeisterin in Walheim. Das vergangene Jahr, ihr erstes volles Jahr als Bürgermeisterin, bezeichnet sie spontan als „anstrengend“, um sich im nächsten Augenblick sofort zu korrigieren, es sei „interessant und viel zu tun“ gewesen.

Gesamtbilanz für das Jahr 2019: Dabei spielen für Scheerle die Kommunalwahlen eine große Rolle. Von den zwölf Gemeinderäten traten vier nicht mehr an. Bereits einen Tag nach der Einsetzung des neuen Gremiums ging Tatjana Scheerle mit ihren Räten in Klausur. Auch die ausgeschiedenen Gemeinderäte waren noch einmal dabei, um einen fließenden Übergang hinzubekommen, wie Scheerle erklärt. Die neuen Gemeinderäte seien im Gremium gut aufgenommen worden.

Auch die Rathausverwaltung musste sich erst noch zusammenfinden: Die letzte der neuen Mitarbeiterinnen trat erst im Januar ihren Dienst an. Bekanntlich hatten – Zufall oder nicht? – bereits vor Scheerles Amtsantritt Kämmerer, Hauptamtsleiterin und Vorzimmer das Walheimer Rathaus verlassen.

„Man hat noch aufarbeiten müssen und laufende Projekte fertigmachen“, berichtet Tatjana Scheerle von ihrem Start in Walheim. Aber auch danach gab es noch Projekte genug. Der Flächennutzungsplan beschäftigte die Verwaltung und bei der Entwicklung des Baugebiets Mozartweg/Hölderlinweg im Norden der Gemeinde stellten sich plötzlich die „Eidechsle“ in den Trockenmauern der benachbarten Weinberge dem Verfahren in den Weg.

Keine Probleme gab es mit den in Walheim lebenden Flüchtlingen. Die rund 24 Flüchtlinge werden von einer still arbeitenden Gruppe Ehrenamtlicher betreut. „Wir können uns nicht beschweren“, freut sich Scheerle.

Die wichtigste Investitionen 2019: Die wichtigste fand nicht statt. Im Februar zog der Gemeinderat beim Bau eines Krippenhauses neben dem Lerchenweg-Kindergarten die Reißleine und sagte das 2,5-Milionen-Euro-Projekt ab, weil Zuschüsse verwehrt wurden. Grund: In der Bürgermeister-losen Zeit im August 2018 war der Vertrag mit der Baufirma bereits abgeschlossen worden, bevor man die Fördergelder beantragte.

Realisiert wurde hingegen die Erneuerung der Wasserversorgung in der Burgstraße, verbunden mit monatelangen Verkehrsbehinderungen. Ein Herzensprojekt der Bürgermeisterin ist das Bienenprojekt mit von den Walheimer Grundschülern gebastelten Insektenhotels. Kurz vor dem Jahreswechsel gab es dann noch den Spatenstich für das teuerste Vorhaben der kommenden zwei Jahre, die Sanierung der Walheimer Schulhäuser.

Die Haushaltslage zum Jahresende: Sie ist, so Tatjana Scheerle „leider sehr gut“. Die Gemeinde hat momentan 2,3 Millionen Euro auf dem Konto, für die seit Januar Strafzinsen zu zahlen sind. Die Gewerbesteuer entwickelt sich besser als erwartet. 2019 habe die Pro-Kopf-Verschuldung 130 Euro betragen, berichtet die Bürgermeisterin. Wenn man den für 2020 geplanten Kredit über 2,5 Millionen Euro aufnehmen müsste, was noch nicht sicher sei, stiege die Pro-Kopf-Verschuldung auf 1038 Euro und läge dann immer noch unter dem Durchschnitt von 1173 Euro. „Kreditaufnahme hört sich somit schlimmer an als es ist“, findet Tatjana Scheerle.

Die Aussichten für 2020: Die Frage sei, ob wegen der Schulsanierung schon 2020 Schulden gemacht werden müssten, oder ob die großen Rechnungen erst 2021 kämen. Sie hofft, 2020 noch einmal um neue Schulden herumzukommen.

Die wichtigsten Projekte 2020: Die Sanierung der Schulgebäude, verbunden mit dem Bau einer Mensa für insgesamt 4,5 Millionen Euro und die Einrichtung des vom Gemeinderat beschlossenen Naturkindergartens auf dem Reitplatz der Westernreiter, seien, so Scheerle, die wichtigsten Projekte. Den Naturkindergarten möchte sie als Ergänzung des Betreuungsangebots der Gemeinde verstanden wissen. Keinesfalls solle er das nicht gebaute Krippenhaus ersetzen.

Irgendwann, so Scheerle, werde der Gemeinderat wieder über eine Erweiterung des Lerchenweg-Kindergartens sprechen, dann werde es aber um ein Kinderhaus für alle Jahrgänge und nicht nur um ein Krippenhaus gehen müssen. Der Bedarf für 30 Krippenplätze, den man einmal ausgerechnet habe, passe nicht. Seit Monaten gebe es in Walheim sogar einen freien Krippenplatz.

Im März wird der Walheimer Gemeinderat die Ergebnisse der Befragung zum neuen Gemeindeentwicklungskonzept präsentiert bekommen. Anschließend gehe es in die öffentliche Diskussion, sagt Tatjana Scheerle. Der neue Flächennutzungsplan ist immer noch in der Vorberatung. „Wir haben das mit dem Supermarkt noch nicht ganz aufgegeben. Wir sind da noch dran“, verrät Tatjana Scheerle in diesem Zusammenhang.

Persönliche Wünsche für 2020: Ihr sei wichtig, dass sich Walheim so entwickelt, wie es sich Gemeinderat und Verwaltung vorstellen und dass die beschlossenen Projekte ohne größere Überraschungen abgeschlossen werden können.

Sorgenkinder der Gemeinde: Tatjana Scheerle hatte eigentlich den Kindergarten und das Cafe Bricklebrit auf ihrem Sorgenkinder-Zettel. Aber dann findet sie doch, dass darüber genug gesprochen sei. „Ich bin froh, wenn wir 2019 abschließen, nach vorne schauen und mit den Sorgenkindern abschließen können“.