Wenn die Gemmrigheimer Bürgermeisterin Monika Chef vom Kindergarten „Neusatz“ erzählt, ist sie immer noch begeistert: „Vom Gefühl her ist ständig frische Luft im Raum.“ So beschreibt sie eine der Besonderheiten des Kindergartens, der als Passivhaus erbaut wurde und damit deutschlandweit eine Vorreiterrolle einnahm. Seit 2003 ist der Passivhaus-Kindergarten in Betrieb, zur Zeit wird er von 52 Kindern ab einem Jahr genutzt.

Die Idee kam von der Bürgermeisterin selbst: „Mir war es wichtig, etwas für die Umwelt zu tun.“ Klimaschutz, Schonung der fossilen Energieträger und Nachhaltigkeit waren die maßgebenden Kriterien, sich für das Passivhaus zu entscheiden, auch wenn man noch keine Erfahrungswerte hatte. Die Baukosten von  1,31 Millionen Euro brachte die Gemeinde selbst auf. Die Mehrkosten für den Bau des Passivhauses lagen um zehn  Prozent höher im Vergleich zur Niedrigenergiestandard-Bauweise. Die Gesamtkosten hatten sich aber innerhalb von zehn Jahren bereits amortisiert durch die Energiekosteneinsparung von bis zu 90 Prozent. Würde man die Energiekosten umrechnen auf den Verbrauch von Heizöl bei einer Gesamtfläche von 850 Quadratmetern im Vergleich zu einem Haus in Standardbauweise, so bräuchte das Passivhaus im Jahr pro Quadratmeter nur 15 Liter Heizöl. Der spezifische Jahresheizwärmebedarf liegt unter 15 Kilowattstunden (m2a). Das entspricht etwa einem Zehntel des Energiebedarfs eines Altbaus herkömmlicher Bauweise und zirka 25 Prozent des Bedarfs eines Niedrigenergiehauses.

Die bauphysikalische Leitung hatte Dr. Thomas Dippel aus Vaihingen, das örtliche Architekturbüro „Röser & Partner“ erstellte die Pläne. In einem guten Jahr war der Passivhaus-Kindergarten fertig. Die sprichwörtlich „gute Luft“ in den Räumen wird durch eine kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage erzeugt, die frische Luft zuführt und verbrauchte Luft absaugt. „Natürlich muss man sich ein bisschen umstellen, zum Beispiel, dass man nicht ständig lüften muss in einem Passivhaus“, erklärt Monika Chef.

Aber es wäre eine „Mär, dass man die Fenster nicht öffnen dürfe“. Auch habe man keinerlei Probleme mit Schimmel im Haus, da das Wasser an den raumtemperaturwarmen Fenstern nicht kondensiere könne. Da die Frischluft im Belüftungssystem gefiltert wird, verbessert sich auch das Raumklima für Allergiker. Eine ehemalige Erzieherin bestätigte, dass sie im Passivhaus-Kindergarten keinerlei Probleme mehr mit ihrem Heuschnupfen hatte.

Kaum Nachahmer

Trotz regen Interesses anderer Gemeinden, die den Passivhaus-Kindergarten in seiner Anfangszeit besichtigten, gab es kaum Nachahmer. „Das hat eindeutig Kostengründe“, weiß Monika Chef. Auch mit staatlichen Förderprogrammen sei der Bau eines Passivhauses für viele Kommunen einfach noch zu teuer. Die Bürgermeisterin bedauert, dass die Landesregierung die Kommunen dabei nicht mehr unterstütze. „Da wäre mehr Einsatz von politischer Seite wünschenswert.“

Die Gemmrigheimer Bürgermeisterin Monika Chef jedenfalls weiß, dass die damals sehr mutige Entscheidung nur Vorteile gebracht hat. Denn wer einmal die Vorzüge eines Passivhauses erlebt habe, wolle gar nicht mehr anders wohnen.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz