Besigheim Ich sag's in Besigheim: "Bahnhof ist kein Schmuckstück"

Lieblos gestaltet, stellenweise ungepflegt und ohne Zugang für Behinderte - der Bahnhof kommt be iden Besigheimern nicht gur weg.
Lieblos gestaltet, stellenweise ungepflegt und ohne Zugang für Behinderte - der Bahnhof kommt be iden Besigheimern nicht gur weg. © Foto: Helmut Pangerl
MICHAEL SOLTYS 15.08.2013
Der Bahnhof ist kein Schmuckstück für Besigheim, sagen Teilnehmer an der Aktion "Ich sags". Das sieht auch die Stadt so, sagt Bürgermeister Steffen Bühler, doch es fehle am Engagement der Bahn.

Es ging ein Aufschrei der Empörung durch die Reihen der Anwohner, Geschäftsleute und Autofahrer in Besigheim, als Ende März die Bahnhofstraße als Einbahnstraße ausgewiesen wurde. Autos, die auf den ebenfalls neu angelegten Schrägparkplätzen abgestellt waren, ragten mit ihrem Heck in die Fahrbahn hinein, sodass es immer wieder zu Staus kam.

Als der Druck zu groß wurde und Unterschriftenlisten gegen die Regelung mit mehr als 100 Unterschriften die Runde machten, wurden die Parkplätze deshalb wieder längs angelegt, die Einbahnstraße aber blieb. Nachdem es jetzt zu keinen weiteren Behinderungen mehr kommt, hat sich die Aufregung gelegt. "Die Einbahnstraßenregelung kann bleiben", heißt es in den Fragebögen.

Viel dringender wäre nach Ansicht der Besigheimer eine grundlegende Verbesserung des Erscheinungsbildes am Bahnhof. Denn dass der Bahnhof nicht unbedingt zu den schönsten Ecken Besigheims gehört - dieser Ansicht sind eine ganze Reihe von Teilnehmern unserer Aktion "Ich sags in Besigheim". Das ganze Quartier rund um den Bahnhof müsste dringend verschönert werden, so die Kritik der Teilnehmer. Der Bahnhof sei wahrlich "kein Willkommensgruß für Gäste". Er mache insgesamt einen schlechten Eindruck. Auf den Bahnsteigen fehle ein Behindertenaufzug. Taxis erreiche man von dort fast nie. Zurück von einer Reise, müsse man nachts seine Koffer durch Besigheim rollen.

Bürgermeister Steffen Bühler kennt diese Klagen und er teilt sie in weiten Teilen. Die Stadt selbst versuche seit vielen Jahren, das Gelände rund um Bahnhof und Busbahnhof aufzuwerten, sagt er. Als es Ende der 90er-Jahre darum ging, dem P&R-Parkplatzes hinter dem Bahnhof und den Busbahnhof anzulegen, habe er die Bahn gedrängt, auch ihr eigenes Gelände zu verschönern. Das sei ebenso wenig erfolgreich gewesen wie die Bitte an die Bahn, vom Froschberg her eine Unterführung direkt auf die Bahnsteige zu bauen. Im Grundsatz habe aus Sicht der Bahn nichts gegen diese Vorschläge gesprochen. Doch ihm sei klargemacht worden, das die Stadt die Kosten selbst tragen müsse. Immer wieder habe er auch Briefe und Anträge an die Bahn geschrieben, um die Bahnsteige behindertengerecht auszugestalten, entweder durch einen Aufzug oder den Bau eines behindertengerechten Durchgangs mit leichtem Gefälle. "Bis heute ist nichts passiert", fasst Bühler das Ergebnis zusammen. Beinahe ebenso oft habe er die Bahn darum gebeten, das Gelände zu verschönern. Wenigstens sei es gelungen, das Bahnhofsgebäude zu den Gleisen hin mit Malereien auszustatten. "Aber auch das haben wir zu Dreiviertel selbst zahlen müssen." Die Stadt sorge dafür, das der Bahnhof zwei- bis dreimal am Tag von Bauhof-Mitarbeitern gesäubert werde. "Die Bahn reinigt viel weniger", so der Bürgermeister.

Dass die Kritik an der Einbahnstraßenregelung nachgelassen hat, freut Bühler. "Es gibt keine Beschwerden mehr", stellt er auch selbst fest, "und die Regelung bringt eine Beruhigung mit sich". Bis Oktober soll die Einbahnstraße jetzt versuchsweise belassen werden. Danach wird der Gemeinderat entscheiden, ob sie eventuell dauerhaft eingeführt wird. Stadt, Bund der Selbstständigen und Marketing Concept Besigheim werden sich dann weitere Gedanken um eine Verschönerung der Straße machen. Dazu gehört die Aufstellung von Pflanzkübel. Der Bürgermeister könnte sich allerdings auch vorstellen, den Straßenraum aufzuweiten und eventuell durch Belagswechsel aufzulockern.

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