Erika Seitz teilt ihr Zuhause nicht nur mit ihrer Familie, sondern auch mit vier Hunden. Sie hat das tierische Quartett von Ungarn nach Besigheim geholt und, wie sie erzählt, vor dem sicheren Tod gerettet. Es ist ihr großes Herzensprojekt, in das sie seit mehreren Jahren jede freie Minute investiert. Erika Seitz kümmert sich um Hunde in Ungarn, die sich selbst überlassen wurden, verwilderten und schließlich in einer Tötungsstation in Szabadszallas landeten - Seitz' Geburtsort. Zwar lebt die 56-Jährige seit 1987 in Deutschland, doch hat sie nie die Verbindung zu ihrer Heimat verloren.

"In den 90er-Jahren fielen mir zum ersten Mal die zahlreichen Straßenhunde im Ort auf", berichtet sie. "Nach drei Tagen waren alle tot - erschlagen." Erika Seitz wollte die Streuner nicht ihrem Schicksal überlassen, suchte Kontakt zu großen Tierschutzorganisationen und gründete schließlich mit Besigheimer Freunden selbst einen Verein. "Gegen Tierelend in Ungarn" heißt er und ist seit 2008 als gemeinnützig anerkannt.

170 bis 200 Hunde holen Seitz und ihre zehn Mitstreiter seitdem Jahr für Jahr nach Deutschland und vermitteln sie gegen eine Schutzgebühr weiter. "Ich lebe nicht davon", betont die ehemalige ungarische Grundschullehrerin, die nach wie vor berufstätig ist. Ihr Engagement im Verein, dessen Vorsitzende sie ist, sei ehrenamtlich. Mit der Schutzgebühr, die sie für die vermittelten Hunde erhält, finanziert sie Futter, Medikamente und Ausreisevorbereitungen der in den Tötungsstationen wartenden Hunde - so sei es mit dem Bürgermeister von Szabadszallas vereinbart. Zudem unterstütze der Verein mittellose Hundehalter in Ungarn, die sich Tollwutimpfung und Chip nicht leisten könnten. Eine Möglichkeit, die Tiere in ihrem Heimatland weiterzuvermitteln, sieht Erika Seitz nicht. "Aufklärungsprojekte unter der Bevölkerung fruchten wenig und sind eher ein Tropfen auf den heißen Stein, ein Hund ist nichts wert, eine Katze noch weniger. Bevor man seine Hündin kastrieren lässt, setzt man sie lieber hochtragend oder mit ihren Babys aus und holt sich einen neuen 'Wachhund', der sein Leben an der Kette fristen muss." Nur einige wenige seien bereit, umzudenken und den Hund als Lebewesen zu respektieren. "Wir begrüßen und unterstützen jede Aktion, die durch die Tierschützer vor Ort in Schulen und Kindergärten stattfindet, und setzen all unsere Hoffnungen in die nächsten Generationen. Doch bis dahin ist es noch ein langer und steiniger Weg."

Aktuell baut der Besigheimer Verein eine Auffangstation für die Tiere, 18 Kilometer von Szabadszallas entfernt. Bis Herbst soll alles stehen, sodass die Hunde aus den Tötungsstationen umgesiedelt werden können. Seitz hat es eilig, weil im Winter minus 20 Grad keine Seltenheit seien und immer wieder Tiere sterben, weil nicht geheizt werde. "Um den Neubau weiter vorantreiben zu können, brauchen wir noch Spenden", so die Tierretterin.

Zweimal im Jahr fährt sie in ihren Geburtsort, trifft Kontaktpersonen, gibt Tierschutz-Unterricht an Schulen und in Kindergärten und kümmert sich um die Vierbeiner. In Besigheim stellt sie die zu vermittelnden Mischlinge in verschiedene Internet-Portale und pflegt die vereinseigene Homepage. "Hunde bedeuten mir viel, weil sie so treu und klug sind", sagt die 56-Jährige. So lange es Streuner gibt, wird sie ihr Schicksal in die Hand nehmen.