Als die Besitzer des Hotels am Markt in prominenter Lage mitten in der Besigheimer Altstadt gegenüber dem Rathaus in wirtschaftliche Probleme gerieten, war für Bürgermeister Steffen Bühler klar: „Da greifen wir zu.“ Für 375 000 Euro inklusive aller Nebenkosten erwarb die Stadt das Hotel aus einer Zwangsversteigerung heraus, vorrangig, um zu verhindern, dass es jemand anderes kauft und es auf eine Weise nutzt, „die wir nicht steuern können“, sagte Bühler Anfang September 2016 auf Nachfrage der BZ.

Besitzer auf Zeit

Von Anfang an stellte der Bürgermeister allerdings auch fest, dass der Erwerb des Hotels auf Zeit erfolgt und die Stadt einen Investor sucht, der das Hotel nach den Vorstellungen der Stadt weiter betreibt. Am Dienstag ist Bühlers Wunsch in Erfüllung gegangen: „Das Hotel ist verkauft“, teilte der Bürgermeister auf Nachfrage der BZ mit. Der Vertrag sei am Dienstagmorgen beurkundet worden.

Den Namen des Käufers wollte Bühler mit Rücksicht auf interne Absprachen mit den neuen Eigentümern vorerst allerdings nicht bekannt geben. Es handele sich um ein junges Paar aus dem benachbarten Ingersheim, das die notwendigen beruflichen Voraussetzungen aus der Gastronomie und den finanziellen Hintergrund für den Kauf und die Renovierung mit all ihren Risiken mitbringt, sagte er lediglich.

Um den passenden Betreiber zu finden, hatte die Stadt das Hotel ausgeschrieben. Schließlich waren drei Bewerbungen eingegangen. Über die Vergabe habe letztlich der Gemeinderat entschieden, machte Bühler deutlich. Der Bürgermeister sieht jetzt sichergestellt, dass die Räume des Hotels renoviert werden und der Betrieb rechtzeitig zur Tourismus-Saison im Frühjahr wieder aufgenommen werden kann. Zum Kaufpreis äußerte sich Bühler auf Nachfrage nicht. Die Stadt hatte damit spekuliert, in etwa soviel dafür zu bekommen, wie sie selbst ausgegeben hatte. Das geht aus dem Haushaltsplan hervor, wo im Vermögensteil 360 000 Euro für das Hotel als Einnahmen angesetzt sind.

Lastenfreie Immobilie

An Touristen und Geschäftsleuten auf der Suche nach Unterkünften fehlt es in Besigheim in der Saison nicht. Die wirtschaftliche Schieflage der früheren Besitzer war für manchen angesichts der Top-Lage in der Altstadt umso überraschender.

Schuld an der Misere waren aus Sicht des Bürgermeisters und des früheren Pächters die Ausstattung der Zimmer, die schon seit einiger Zeit nicht mehr den Ansprüchen vorrangig von Geschäftsreisenden genügten. Bühler sprach im September von einem Investitionsstau und vom „Charme der 70er-Jahre“, den das Hotel innen ausstrahlte. Der Weg in die Insolvenz sei für ihn deshalb absehbar gewesen. Der Erwerb im Rahmen einer Zwangsversteigerung hatte aus Sicht der Stadt den Vorteil, dass die Grundbucheintragungen auf der Immobilie gelöscht wurden, das Gebäude also lastenfrei erworben werden konnte. Schon bald nach dem Kauf stellten sich die ersten Interessenten ein. Auch der frühere Pächter hatte sich ins Gespräch gebracht, der nur wenige Schritte entfernt in der Schlossgasse elf Appartements für Geschäftskunden vermietet. Er hatte sich wegen der mangelnden Qualität der Zimmer aus dem Hotel zurückgezogen. Mit der Beurkundung am Dienstag ist das Eigentum sofort an die neuen Besitzer übergegangen, die auch gleich mit der Renovierung beginnen wollen, sagte Heike Eckert-Maier, die Leiterin des Stadtplanungsamtes in Besigheim. Aus ihrer Sicht ist die Substanz des Gebäudes noch sehr gut. Von den zehn Hotelzimmern und der Küche lasse sich das jedoch nicht behaupten.

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