Starke Erschöpfung und Müdigkeit waren die ersten Symptome. Als der sonst so lebhaften Frauke aus Besigheim selbst das Treppensteigen schwerfällt, war der Besuch beim Hausarzt unumgänglich – ihr Blutbild war besorgniserregend, wie die Untersuchung zeigte. Sofort wurde sie in das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart eingewiesen und bekam dort nach kurzer Zeit die niederschmetternde Diagnose: Blutkrebs. Aus diesem Grund organisieren ihre Familie und Freunde mit dem DKMS eine Registrierungsaktion für die Stammzellenspende am Sonntag, 17. Februar, in Ottmarsheim.

Ganz unerwartet und plötzlich wurde die 40-Jährige durch die schockierende Diagnose aus ihrem alltäglichen Leben gerissen. Eigentlich spielt sie im TSV Ottmarsheim leidenschaftlich gerne Fußball, und ist dort bekannt für ihre fröhliche und hilfsbereite Art. Jede freie Minute verbringt sie mit ihrem Mann und ihrer vier-jährigen Tochter und genießt das Familienleben in vollen Zügen. Die vermisst sie zurzeit auch am meisten, denn Fraukes Alltag spielt sich seit zehn Wochen im Krankenhaus ab. Ihr größter Wunsch: Gesund werden und ihrer Tochter beim Aufwachsen zuzusehen.

Nach zwei intensiven Chemotherapien steht fest, dass nur ein passender Stammzellspender das Leben der Besigheimerin retten kann. Dabei müssen die HLA-Merkmale (Humane Leukozyten-Antigene), umgangssprachlich die Gewebemerkmale, zwischen Spender und Patient weitestgehend identische sein. Das heißt: Frauke kann nur überleben, wenn es einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen gibt, der zur Stammzellspende bereit ist.

Zwar werden die Gewebemerkmale von den Eltern auf die Kinder vererbt, allerdings finden nur etwa ein Drittel der Betroffenen einen passenden Spender innerhalb der Familie, so das DKMS. Es gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. „Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen als potenzielle Stammzellspender registrieren lassen. Denn nur dann können sie als Lebensretter gefunden werden“, weiß Annika Umbach. Sie ist Mitglied der Initiativgruppe, die gemeinsam mit der DKMS die Registrierungsaktion in Besigheim organisiert.

Wie läuft die Aktion ab?

Fünf Schritte führen zur Stammzellenspende. Zuerst erfolgt die Registrierung, bei der mithilfe eines Wattestäbchens ein Wangenabstrich gemacht wird. Wer nicht vor Ort ist, kann ein Set auf der Website der DKMS auch online anfordern und den Abstrich zu Hause durchführen. Anschließend werden die Gewebemerkmale analysiert. Passt diese zu einem Patienten, wird das Ergebnis durch eine erneute Blutprobe bestätigt. Nach einem erfolgreich durchgeführten Gesundheitscheck steht nach dem endgültigen Einverständnis einer Stammzellenspende nichts mehr im Weg.

Das Verfahren der Stammzellenentnahme, bei der keine Operation notwendig ist, ist ähnlich einer Blutplasmaspende. Sie dauert etwa vier bis acht Stunden und erfolgt an ein bis zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Um die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut zu steigern, muss vorab ein Medikament mit dem Wachstumsfaktor G-CSF eingenommen werden. Laut der DKMS sind Langzeitnebenwirkungen nicht bekannt. Diese Art der Stammzellenentnahme geschieht etwa bei 80 Prozent der Fälle. Bei den restlichen 20 Prozent wird eine Knochenmarkspende vorgenommen, bei der etwa fünf Prozent des Knochenmarks aus dem Beckenkamm entnommen wird. Innerhalb von zwei bis vier Wochen regeneriert sich das Knochenmark des Spenders wieder. Bei der 60-minütigen Behandlung soll laut DKMS ein lokaler Wundschmerz entstehen, ähnlich einer Prellung. Spenden kann jeder gesunde Mensch im Alter von 17 bis 55 Jahre. Beim fünfen und letzte Schritt ist die Stammzellentransplantation, die wie eine Bluttransfusion abläuft. Die Stammzelle nistet sich in den Knochenhohlräumen des Patienten ein und beginnt dort neue, gesunde Blutzellen zu bilden.

www.dkms.de

Info Fraukes Familie und Freunde haben gemeinsam eine Registrierungsaktion mit der DKMS organisiert. Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann sich am Sonntag, 17. Februar, zwischen 12 und 17 Uhr in der Bürgerhalle Ottmarsheim als Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen.