Besigheim Historische Häuser per Mausklick

Hans Viktor Kraemer (links) und Martin Haußmann mit dem Häuserbuch von Vera Ehrensperger (rechts) und der Abhandlung über die Besigheimer Pfarrhäuser, die daraus entstanden ist.
Hans Viktor Kraemer (links) und Martin Haußmann mit dem Häuserbuch von Vera Ehrensperger (rechts) und der Abhandlung über die Besigheimer Pfarrhäuser, die daraus entstanden ist. © Foto: Helmut Pangerl
Michael Soltys 03.08.2017

Vier Jahre hat ihre Arbeit unter dem Strich gedauert, jetzt sind Martin Haußmann (77) und Hans-Viktor Kraemer (73) endlich fertig. In dieser Zeit haben die beiden Heimatforscher aus Besigheim Informationen über Häuser und Liegenschaften in der Altstadt aus historischer Zeit aufbereitet, digitalisiert und im Internet für jedermann zugänglich gemacht. Wer jetzt wissen will, wann vor mehreren hundert Jahren welches Haus errichtet, umgebaut oder abgerissen, wem es zu welcher Zeit gehört hat, wann es an wen verkauft wurde und zu welchem Zweck, der wird jetzt in der Datenbank der Landesdenkmalpflege mit wenigen Klicks fündig. Damit ist ein Projekt fertig, dass durchaus im Sinne der Denkmalschützer ist, steht doch die Gesamtanlage der Altstadt unter Denkmalschutz.

Die Fleißarbeit der beiden Besigheimer stützt sich im Wesentlichen auf die Ergebnisse von Vera Ehrensperger, die 1993 von der Stadt beauftragt wurde und nicht weniger akribisch als Kraemer und Haußmann vorgegangen ist. Nach der Sichtung von Akten im Stadtarchiv und im Stuttgarter Staatsarchiv hat sie im „Besigheimer Häuserbuch“ alle verfügbaren Informationen über etwa 350 Häuser zusammengetragen und alphabetisch auf rund 800 Seiten aufgelistet: von der „Aiperturmstraße 1“ bis zur „Vorstadt 80“. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Grundbücher erstellt wurden, ist die Geschichte der Häuser erfasst.

Fleißige Vorgängerin

Ein Inhaltsverzeichnis oder gar einen Schlagwortkatalog gibt es in Ehrenspergers Häuserbuch nicht, was die beiden Heimatforscher vor eine große Aufgabe stellte. In einem ersten Schritt haben Haußmann und Kraemer deshalb eine Excel-Datei mit den Daten erstellt. Bei ihrem Projekt haben sie sich Hilfe bei Schülern der Realschule geholt, berichtet Kraemer. Mittlerweile ist  eine Indexkartei mit etwa 7500 Einträgen entstanden. Auf der Internetseite schließlich lassen sich alle diese Informationen blitzschnell aufrufen, geordnet beispielsweise nach Straßennamen, Jahreszahlen oder Namen, Titel oder Beruf der Besitzer. Heimatforscher, Stadtplaner und Hausbesitzer erhalten somit wertvolle und geordnete Informationen. „Architekten nutzen die Datenbank zur Dokumentation von Bauvorhaben“, hob Martin Haußmann im Gespräch mit der BZ hervor.

Trotz der Schwächen von Ehrenspergers Buch haben Kraemer und Haußmann der Arbeit ihrer Vorgängerin vertraut und die Ergebnisse nicht selbst im Stadtarchiv überprüft.  „Lediglich einige offensichtliche Fehler haben wir ausgemerzt“, sagte Haußmann. Entstanden ist eine Dokumentation, die es nicht nur erlaubt, die historischen Fakten zu rekonstruieren, sondern die auch einen anschaulichen Einblick in die Historie gibt. Denn wo immer möglich haben Haußmann  und Kraemer historische und aktuelle Fotos ergänzt, um den Zustand damals und heute zu dokumentieren, und sie haben Bilder aus dem denkmalpflegerischen Werteplan von 2007 eingefügt, in dem die Denkmalschutzanforderungen zusammengefasst sind.

Pfarrhäuser untersucht

Und auch ein ganz besonderes Ergebnis hat die Archivierungsarbeit aus Sicht von Haußmann erbracht. Er hat die Arbeit am Häuserbuch genutzt, um die Geschichte der Pfarrhäuser in Besigheim darzustellen. Im Besigheimer Kirchenarchiv hat er dazu weitere Akten und Pläne eingesehen, aufbereitet und als PDF-Datei ebenfalls in der Internet-Dokumentation der Landesdenkmalpflege hinterlegt.

Für jedermann einsehbar

Die Gesamtanlage der Besigheimer Altstadt steht unter Denkmalschutz. Für Bauherren und Architekten, die in der Altstadt einen Neubau errichten oder ein historisches Haus umbauen wollen, stellt sich damit eine besondere Herausforderung. Die historische Dokumentation der beiden Heimatforscher Hans-Viktor Kraemer und Martin Haußmann liefert dafür wertvolle Hinweise. Sie ist aber auch eine Quelle für die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen.

Auf einer Internetseite der Landesdenkmalpflege sind die Daten für jedermann zugänglich und können mit wenigen Klicks geordnet aufgerufen werden. In den kommenden Wochen wird die BZ in loser Folge über die Bedeutung einzelner Häuser berichten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Pfarrhäusern rund um die Kirche, über die Martin Haußmann gesondert geforscht hat.  Sie ergeben besonderen Aufschluss über die Geschichte Besigheims. sol

www.bauforschung-bw.de