Besigheim Historische Aufzeichnungen bereichern Stadtarchiv

Bürgermeister Steffen Bühler (von links), Marko Streicher (Württembergische), Sandy Krüger und  Klaus-Dieter Frey präsentieren die historischen Dokumente des Stadtarchivs Besigheim.
Bürgermeister Steffen Bühler (von links), Marko Streicher (Württembergische), Sandy Krüger und  Klaus-Dieter Frey präsentieren die historischen Dokumente des Stadtarchivs Besigheim. © Foto: Uwe Deecke
Besigheim / Von Uwe Deecke 10.08.2018

Das Besigheimer Stadtarchiv ist um einige historische Dokumente reicher: Alte Unterlagen der Württembergischen Versicherung wurden gestern im Rathaus übergeben.

Anfangs war die 1828 gegründete Versicherung vor allem als Brandversicherung tätig. Und ein Jahr sticht bei der Auflistung der Brandschäden zwischen 1903 und 1921 besonders heraus. Im Jahr 1904 explodierte die Ölmühle am Neckar, der damals unmittelbar an der östlichen Stadtmauer vorbei floss. „Der Neckar brennt“ hieß es, als die Mühle in Brand geriet, Teile davon explodierten und der Brand die Stadtmauer überwand und folglich im Bühl ganze Bauernhöfe vernichtete. 335 700 Reichsmark weist die Auflistung an Schäden aus, davon entfielen 32 000 an private Versicherungen, 210 000 an landwirtschaftliche und 110 000 an gewerbliche Versicherungen.

Die Aufzeichnungen stammen von Adolf Irion, der damals am Marktplatz 1 seine Versicherungs-Agentur hatte. Sie fand Klaus-Dieter Frey, der in alten Unterlagen auf die Dokumente stieß. „Wenn man Rentner ist, hat man Zeit“, erklärte der Versicherungskaufmann, der mit seiner Agentur viele Jahre an der Hauptstraße vertreten war.

Fleißige Besigheimer

Auch historische Stadtpläne, die den alten Neckarverlauf und die Bebauung der großen Ölmühle zeigen, hat er gefunden und am Donnerstag dem Stadtarchiv übergeben. Eine Übersicht von 1868 bis 1914 fand er ebenfalls sowie eine „mittelprächtige“ Risikobeschreibung. Die Besigheimer, heißt es darin, waren nicht ärmlich ,aber auch nicht besonders reich, in jedem Fall aber fleißig. Der damalige Agent, so Frey, habe die Einschätzung für die Zentrale machen müssen, um die Lage und das Risiko einzustufen. Zustand der städtischen Wasserversorgung, Ausstattung der Feuerwehr und Hausbeschaffenheit waren ausschlaggebend für die Höhe der Versicherungsprämie.

Im bürgerlichen Beruf sei Irion Küfermeister gewesen, einer mitten aus dem Ort. Und mit jenen Kontakten, die es braucht, um möglichst viele Kunden zu bekommen. Denn die Württembergische war nicht die einzige Versicherung vor Ort. Die Schlesische Versicherung hatte hier viele Kunden und sie war der Hauptkonkurrent.

„Das ist eine wunderbare Bestandsergänzung“, freute sich Stadtarchivarin Sandy Krüger bei der Entgegennahme der Dokumente, „und ein Teil der Stadtgeschichte“. Bislang gebe es nur Schätzungsprotokolle der Feuerwehr ab 1772, die den Wert der Gebäude zeigen, nun werde der Bestand um die neuen Versicherungsdokumente ergänzt.

3192 Einwohner hatte Besigheim im Jahr 1904, weisen die Dokumente aus. 44 Hauptgebäude und 388 Nebengebäude wurden gezählt, wobei auch die Besitzer der Nebengebäude eigene Verträge hatten. Um die Feuerversicherung zu belegen, waren damals Emaille-Schilder mit dem Namen der Versicherung an den Häusern Pflicht. 20 davon hat auch Frey noch in seinem Besitz. Sie seien vor allem für die Feuerwehr gedacht gewesen, vermutet er, die dann sofort wusste, dass ein Gebäude versichert und ihr Einsatz auch später bezahlt wird.

Gekühlte Dokumente

Die Dokumente wandern nun ins stets gekühlte Stadtarchiv, wo Sandy Krüger bei durchgehend 18 Grad arbeitet. Bürgermeister Steffen Bühler hat es da um einiges heißer: 30 Grad zeigt das Thermometer an seinem Arbeitsplatz, ein Grund mehr öfter mal ins Stadtarchiv zu gehen.

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