Besigheim Herzbonbons für Autofahrer

Manche Autofahrer wollen es nicht glauben, anderen gelingt es nicht, das Tempolimit einzuhalten: In der Kirchstraße in Besigheim darf nicht schneller als sieben Stundenkilometer gefahren werden.
Manche Autofahrer wollen es nicht glauben, anderen gelingt es nicht, das Tempolimit einzuhalten: In der Kirchstraße in Besigheim darf nicht schneller als sieben Stundenkilometer gefahren werden. © Foto: Martin Kalb
Michael Soltys 08.12.2018

Wenn an diesem Samstag um 15 Uhr der Weihnachtsmarkt in Besigheim eröffnen wird, dann ist dort zum ersten Mal auch die Initiative „Ein Herz für Besigheim“ vertreten. Im Keller des Ladens „Magazeno“ informiert sie über ihr Anliegen und gibt Eintöpfe aus, um dieses finanzieren zu können: den Verkehr in der Kirchstraße zu drosseln, sowohl was die Menge der Autos angeht als auch die Geschwindigkeit der Autofahrer.

Zumindest das letztgenannte Vorhaben ist selbst bei gutem Willen nicht einfach, wie ein Selbstversuch zeigt. Denn die Kirchstraße ist eine Spielstraße, hier gilt Tempo 7.  Ein Automatik-Auto beschleunigt ohne eigenes Zutun auf mindestens zwölf Stundenkilometer, Fahrer eines Wagens mit Gangschaltung stehen auf der Kupplung. Das ist einer der Gründe, warum viele Besigheimer das Anliegen der Initiative für Wunschdenken oder ein Hirngespinst halten, so die Erfahrung der Initiative. Andere kennen die strikte Geschwindigkeitsbeschränkung gar nicht.

Noch nicht geliefert

Die Initiative hat sich aus den Reihen der Anlieger und der Ladenbesitzer gebildet, nachdem sie sich während der Sanierung der Kirchstraße in der ersten Jahreshälfte von den Vorzügen einer Verkehrsberuhigung überzeugt hatten. Sie setzt darauf, dass die Stadt ihre mobilen Geschwindigkeitsgeräte künftig häufiger einsetzt. Ein mobiler Blitzer und weitere Anzeige-Geräte sind nach einem Beschluss des Gemeinderates bereits bestellt, aber noch nicht geliefert, sagte Sabine Keller, die Leiterin des Hauptamtes auf Anfrage der BZ. Sie sollen fortlaufend und im Wechsel beim Café Hirsch, beim Café Anker, in der Bügelestorstraße, der Oberamteigasse und an der Ecke Kirchstraße/Pfarrgasse aufgestellt werden, „um mit Nachdruck eine entsprechende Sensibilisierung zu bewirken“, wie die Initiative schreibt.

Doch auch sonst wollen die Streiter für eine verkehrsberuhigte Altstadt in ihrem Bemühen nicht nachlassen. Ein Problem sind die Eltern, die zu Beginn und Ende des Unterrichts die Kirchstraße hoch zur Friedrich-Schelling-Schule fahren und das Taxi für ihre Kinder bilden. Dabei gibt es nur wenige Fußminuten von der Schule entfernt genügend Möglichkeiten, die Kinder abzusetzen, damit sie gefahrenlos zur Schule gehen: Am Parkplatz zum Kleinen Neckerle ist das ebenso möglich, wie am Kelterplatz und beim Paul-Gerhard-Haus. An diesen Stellen wurden Schilder mit der Aufschrift „Ade und Geh’“ aufgebracht, die jetzt auch über die Homepage der Stadt beworben werden sollen.

Auch ihre Postkartenaktion, mit der sie ihr Anliegen erläutern, hat die Initiative fortgesetzt. Um die Botschaft für die Autofahrer zu versüßen, haben sie Herzbonbons an die Postkarten angetackert. Verschiedene Poster, mit denen vor Läden und an anderen Stellen für die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung geworden wird, wurden ebenfalls gedruckt. Jüngste Idee ist der Druck von 1000 Parkscheiben mit den Symbolen einer Spielstraße, dem Herz als Zeichen der Initiative und dem Verweis auf Tempo 7. „Unser Engagement nimmt kein Ende“, stellt Alexandra Kraiß fest, eine Sprecherin der Initiative.

Und die Resonanz? Belegen können es die Mitglieder der Altstadt-Initiative nicht. Aber ihrem subjektivem Empfinden nach, ist der Verkehr morgens weniger geworden, berichtet Alexandra Kraiß. Genaues wisse man erst, wenn Anfang nächsten Jahres die Daten der Anzeigegeräte ausgewertet werden können.Die größte Wirkung dürfte das stadteigene Radar-Gerät zeigen.

Die Postkatenaktion sei von den Autofahrern positiv aufgenommen worden. Viele Autofahrer seien davon ausgegangen, dass in der Kirchstraße Tempo 20 oder Tempo 30 gefahren werden dürfe. Einige seien aber uneinsichtig gewesen, sie müssten dann eben von der Radarkontrolle „entsprechend sensibilisiert werden“, so Alexandra Kraiß.

Die Unterstützung durch die Stadt empfindet sie als positiv. Die Stadt haben sich an den Kosten beteilgt, sie habe die Anbringung der Schilder und der Plakate genehmigt. Auch die Reaktionen im Gemeinderat seien positiv gewesen.

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