Mundelsheim Heimatfest mit einem Hauch Tour de France

Zur Sichelhenket wird traditionsgenäß ein Ernteseil über die Straßen Mundelsheim gespannt.  Foto: Helmut Pangerl
Zur Sichelhenket wird traditionsgenäß ein Ernteseil über die Straßen Mundelsheim gespannt. Foto: Helmut Pangerl © Foto: Helmut Pangerl
Zum 23 / Von Roland Willeke 22.08.2018

Zum 23. Male wird an diesem Wochenende in Mundelsheim das aus Stroh geflochtene Ernteseil aufgehängt. Als Zeichen des Erntedanks sind daran ein paar Sicheln befestigt. Früher, so wird erzählt, wurde nach der Ernte, wenn die Erntegerätschaften aufgeräumt, Sensen und Sicheln also an der Scheunenwand aufgehängt waren, ein Erntefest gefeiert. Eine Tradition, die nur noch in den Erzählungen der Großelterngeneration lebendig ist, und auch die wiederum wissen es nur aus Erzählungen ihrer Großeltern. Von denen stammt auch die Kunde, man habe früher auch den Beginn der Ernte gefeiert, mit einem gemeinsamen Lied: „Die Ernt’ ist da, es winkt der Halm.“

Wiederbelebte Tradition

Heute lebt die in den 70er-Jahren wiederaufgenommene Tradition der Sichelhenket als größtes Fest der Mundelsheimer weiter. Alle zwei Jahre wird sie gefeiert, mit zahlreichen Besuchern aus nah und fern. Das Motto des Festes laute „Geselligkeit“, erklärt Bürgermeister Holger Haist, der sich schon sehr auf seine letzte Sichelhenket als Bürgermeister freut. Nicht zuletzt deshalb, weil der sportbegeisterte, scheidende Schultes am Sonntag erleben darf, wie seine Gemeinde Schauplatz des, so Haist, „hochrangigsten und in den Medien am meisten beachteten Sportereignisses im ganzen Landkreis“ wird.

Am Sonntagnachmittag werden rund 120 Radfahrer mit ihren Begleitfahrzeugen auf dem Weg nach Stuttgart durch Mundelsheim rasen. Die letzte Etappe der diesjährigen Deutschland-Tour von Lorsch in Hessen nach Stuttgart führt durch mehrere Gemeinden im Landkreis, darunter Mundelsheim (die BZ berichtete). „Etwas ganz Besonderes“, meint hierzu Holger Haist und erhofft sich von dem Ereignis nicht nur mehr Besucher beim Mundelsheimer Traditionsfest, sondern auch, dass Mundelsheim dabei etwas vom Glanz der Tour abbekommt.

Schließlich hat er die Organisatoren – es sind die gleichen wie bei der Tour de France – im Vorfeld schon auf die Schönheiten der Landschaft rund um Mundelsheim, Neckarschlaufe und Käsberg aufmerksam gemacht. Jetzt müssen die Tour-Verantwortlichen nur noch ihre Ankündigung wahr machen und einen Hubschrauber über der Gemeinde kreisen lassen, der, auf der Suche nach den Radfahrern, auch ein paar Bilder von der Landschaft zwischen Reben und Neckar einfängt und damit in die Fernsehapparate Europas bringt.

Kein Extra-Programm

Für die Tour selbst haben die Mundelsheimer kein extra Programm vorbereitet. Mit der gleichzeitig stattfindenden Sichelhenket habe man die Wünsche der Tour-Macher nach einem Fest am Rande der Tour bereits voll erfüllt, meint Holger Haist. Zudem sei die Personalkapazität der beteiligten acht Vereine und Organisationen sehr angespannt. Die Musikkapelle wird laut Schätzung ihrer Kassiererin Manuela Wägerle um die 100 ehrenamtliche Helfer am Wochenende im Einsatz haben. Und aus dem Turnverein Mundelsheim ist zu hören, man habe 120 Helfer mobilisiert.

Ohnehin wird die Durchfahrt der Radprofis, darunter Fahrer, die bei der letzten Tour de France Spitzenplätze belegt haben, nur ein kurzes Vergnügen sein. Ab etwa 15 Uhr wird der Pulk der Radfahrer in Mundelsheim erwartet. Spätestens nach einer Dreiviertelstunde wird der Spuk vorbei sein und das Peloton wird Höpfigheim entgegen eilen und von dort weiter nach Marbach und Waiblingen.

Dann wird wieder Festtagsroutine in Mundelsheim einkehren und die hoffentlich zahlreichen Festbesucher können sich wieder ihrem Viertele oder  – erstmals in Mundelsheim – ihrem Bier widmen. Die Mundelsheimer Sportschützen haben heuer beschlossen, auf dem Weinfest etwas für Biertrinker tun zu wollen. Sie werden einen Bierstand aufstellen. Festbeginn ist am Samstag um 17 Uhr, mit Freiwein der örtlichen Genossenschaftskellerei, der württembergischen Weinkönigin Carolin Klöckner sowie der Musikkapelle und der Mundelsheimer Dreschergruppe. Jetzt muss anders wie in den Vorjahren nur noch das Wetter mitspielen.

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