Wenn es rot blinkt, schaltet Götz Reustle um. Der Vorstandschef der Felsengartenkellerei bedient ein neuartiges Messgerät, das seinen Nutzen in der Weinlese dieser Tage beweist.

Zum Unterschied von Vorgängern misst es nicht nur den Öchsle-Grad, also den Zuckergehalt in den Trauben, sondern weitere wichtige Inhaltsstoffe, die ganz maßgeblich über die Qualität des Weins entscheiden, beispielsweise die Werte verschiedener Säuren und von Glycerin. Die Landesversuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg hat dafür sogar einen eigenen Index entwickelt. Kommen die Trauben, in diesem Fall der Sorte Schwarzriesling, in den roten Grenzbereich, legt sich ein Schalter um, ein anderes Rohr öffnet sich und der Most wird separat verarbeitet.

Versuch seit drei Jahren

Seit drei Jahren wird die innovative Messmethode, die sich Nah­infrarotspektroskopie nennt, jetzt in der Felsengartenkellerei versuchsweise angewandt. „Es ist praxistauglich“, betonte Reustle, der die Funktionsweise am Mittwoch dem baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Peter Hauk erläuterte. „Jetzt können wir gezielt arbeiten“, sagte der Vorstandschef, „wir haben das Ergebnis sofort vorliegen.“ Viel seltener als früher müssen die Mitarbeiter der Genossenschaft in die Weinberge, um die Qualität der Trauben zu prüfen.

Faire Einstufung

Der nächste Schritt ist für den Vorstandschef die Entwicklung eines eigenen Auszahlungssystems an die Wengerter, das sich nicht mehr nur auf die Öchsle-Grade stützt, sondern die weiteren Werte der Trauben berücksichtigt. Eine „faire Einstufung der gelieferten Trauben“ sei jetzt möglich, bestätigte Landwirtschaftsminister Hauk.

Die Felsengartenkellerei ist neben dem Badischen Winzerkeller die einzige Genossenschaft, die an dem Testlauf teilgenommen hat, der vom Land mit knapp 440 000 Euro gefördert wird. Weitere Weinbaugenossenschaften haben ihr Interesse bekundet und wollen noch in diesem Herbst in die neue Technik investieren: die Lembergerland-Kellerei in Roßwag, die Lauffener Weingärtner und die Genossenschaftskellerei Heilbronn.

Koordiniert wird das Projekt beim baden-württembergischen Genossenschaftsverband, der es 2017 auch in die Wege geleitet hat, wie Generalbevollmächtigter Ansgar Horsthemke betonte. Die Ergebnisse seien überzeugen. Die mittels Infrarot-Messung ermittelten Werte seien für Önologen von größtem Wert, stellte Weinbauberaterin Ute Bader fest. „Das Ergebnis ist eine deutlich bessere Qualität des Weins“, sagte sie.