Besigheim Grundzüge für Enzpark stehen fest

Mit Bändern hat die Stadt den Verlauf der Bückenrampe in der Enzaue markiert.
Mit Bändern hat die Stadt den Verlauf der Bückenrampe in der Enzaue markiert. © Foto: Helmut Pangerl
Michael Soltys 26.07.2018

Die Stadt ist bei der Entwicklung des Enzparks einen bedeutenden Schritt vorangekommen. Am Dienstag wurden im Gemeinderat die Planungen für die wesentlichen Elemente des Enzparks im Süden im Anschluss an die Enzterrassen vorgestellt. Mehrere Büros von Architekten und Ingenieuren wurden damit beauftragt, diese Pläne auszuarbeiten und Kostenschätzungen oder sogar schon Vergabevorschläge vorzulegen. In zwei Jahren, so die Hoffnung im Gemeinderat „haben wir mit dem Südpark eine gute Entwicklung abgeschlossen“, fasste Stadtrat Adolf Eisenmann von den Freien Wählern die Hoffnungen zusammen.

Es waren im Wesentlichen drei Komplexe, die in der Sitzung ausführlich vorgestellt wurden: der Hochwasserschutz, die Gestaltung inklusive der Bepflanzung und das Beleuchtungskonzept. Der Hochwasserschutz hatte zu einem Brief besorgter Anwohner an der Enz an Bürgermeister Steffen Bühler geführt: Sie befürchten, das neue Parkhaus und das Brückenfundament in der Enzaue könnten die Gefahr von Hochwasser verstärken. Mit Tabellen und Grafiken legte Ingenieur Armin Binder dar, dass dazu die Masse der Baukörper zu gering sei und sie an Stellen gebaut werden, wo ihre Wirkung auf Hochwasser vernachlässigt werden könne. Zudem habe die Stadt ein Stück stromaufwärts Ausgleichsflächen abgegraben, die den Verlust an Fläche im Enzpark mehr als nur ausgleichen.

Landschaftsarchitektin Anika Brede vom Büro Club L94 stellte danach das Gestaltungskonzept vor, Planerin Christine Sander vom Büro „sbp“ erläuterte das Beleuchtungskonzept.

Sonnengarten und Mühlensteg: Direkt unterhalb der Enzterrassen wird bei den Fundamenten des früheren Gasthofes Sonne ein Platz für Beete geschaffen, für die Patenschaften übernommen werden können. Wieder ein paar Meter weiter südlich führt ein Steg auf die Enz hinaus, der die Gelegenheit für  die Besigheimer und Besucher bietet „näher ans Wasser“ zu kommen, so Anika Brede. Die Feuerwehr soll ihn künftig auch zur Wasserentnahme nutzen können.

Wegeplanung: Ein drei Meter breiter Naturstein-Hauptweg verläuft von der Brücke in einem Bogen um die Ernst’sche Mühle zu den Enzterrassen, von dort führt er zurück in Richtung Parkhaus und bildet die Grenze des Enzparks. Auf direktem Weg wird das Parkhaus auch mit der neuen Brücke verbunden. Zudem werden Querverbindungen angelegt und sehr einfach gestaltete Wiesenwege, die deutlich schmaler sind. Die Materialien orientieren sich an den Enzterrassen. Gleiches gilt für die Ruhebänke entlang der Wege.

Die Spielplätze: Erst in der vergangenen Woche hatte die Stadt Kinder und Jugendliche eingeladen, um ihre Ideen für die Gestaltung der Spielplätze zu sammeln. Sicher ist bisher, dass es drei verschiedene Spielplatzbereiche geben wird. Direkt neben der Brückenrampe wird der Spielplatz für die Jüngsten angelegt. Dort werden auch Sitzgelegenheiten für die Eltern errichtet. Unterhalb des Parkhauses soll ein Bolzplatz für die etwas älteren Kinder entstehen. Die Jugendlichen können sich später unter der B 27-Brücke treffen, „under the bridge“ wie die Planer diesen Bereich genannt haben.

Der Enzbalkon: Auf der Altstadtseite der neuen Brücke wird der Anschluss an den Radweg hergestellt. Dort muss eine neue Stützmauer gebaut werden. Die Radfahrer fahren auf ein Podest mit Sitzelementen und dann weiter über die neue Brücke. Eine Durchfahrt zur Mühlgasse ist nicht möglich, dorthin gelangen lediglich Fußgänger über Treppenstufen.

Die Mühle: Damit die restaurierte Ernst’sche Mühle auch weiterhin zu Wartungszwecken angefahren werden kann, muss ein Teil der alten Mauern abgerissen werden. Ein neuer Belag wird aufgebracht. Daneben wird ein Hochbeet mit Natursteinmauern angelegt, um das Gelände aufzuwerten. Eine Sitzbank wird aufgestellt und das Gelände gegen die Enz abgesichert.

Die Beleuchtung: Für die Illuminierung gilt aus Sicht der Planer: so wenig Licht wie möglich. Entlang der Hauptwege werden Mastleuchten mit geringer Intensität errichtet, die Kreuzungen zu den kleineren Wegen werden betont. Die neue Brücke wird mittels eines Lichtbandes im Handlauf beleuchtet. Das Parkhaus soll zum Park hin nicht erhellt werden. Planerin Christine Sander schwebt vor, das Oberdeck durch Lichtseile beleuchten zu lassen. Insgesamt wirke die Beleuchtung unauffällig und ruhig.

Meinungsäußerungen in der Bürgerfragestunde und im Gemeinderat

Die Bürger: Die Luft scheint raus bei den Gegnern des Projekts Enzpark. Diesen Eindruck konnte man in der Bürgerfragestunde gewinnen. Die Pläne wären „supertoll, wenn wir auf das Parkhaus und die Brücke verzichten könnten“, fasste eine Bürgerin die Einwände gegen diese beiden Teile des Projekts zusammen. Wenn schon ein Parkhaus, dann am Bahnhof, so ein weiterer Einwand. Weitere Frager erkundigten sich nach der Anpflanzung standortgerechter Pflanzen und dem Umgang mit Feuersalamadern und Eidechsen – sie werden bis Oktober eingesammelt. Mehrere Bürger machten dagegen deutlich, dass sie das neue Parkhaus begrüßen.

Die Stadträte: Der Gemeinderat hat sich bereits in mehreren Sitzungen mit der Gestaltung befasst, einige Stadträte sind Mitglied in der Projektgruppe. Kritischen Stellungnahmen waren deshalb nicht zu hören, das Projekt wird in dieser Form einhellig befürwortet. Christian Herbst von der SPD findet, dass die Sitzgelegenheiten „relativ viel Beton“ aufweisen. Helmut Fischer vom BMU regte an, das Ufer nicht umzugestalten, sondern einfach weitere Pflanzen hinzuzusetzen. Die Sitzgelegenheiten ähneln denen an der Enzterasse, entgegnete Planerin Anika Brede, der Beton werde weniger wahrgenommen, wenn erst einmal bepflanzt ist. Das Ufer wird dort mit weiteren Pflanzen ergänzt und aufgewertet, wo der Bestand erhalten werden kann. Ulrich Gerstetter von der CDU mahnte an, dass er nicht über das Beleuchtungskonzept entscheiden wolle, bevor nicht Angaben über Kosten und Alternativen vorlägen. Das führte schließlich zu drei Enthaltungen bei der CDU. bz

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