Rund 19,5 Millionen Euro will die Evangelische Heimstiftung am Standort Besigheim beim Robert-Breuning-Stift investieren. Fünf neue Gebäude sollen bis 2023 entstehen und unter anderem die Zahl der betreuten Wohnungen auf 64 ausgebaut werden. Als erster Schritt wird Ende des Jahres jedoch das Haus, Bülzenstraße 1, abgerissen. 18 Menschen, die dort im Betreuten Wohnen untergebracht sind, müssen bis dahin raus. Aus dem Umfeld der Bewohner hat die BZ erfahren, dass dabei nicht alles glatt laufen soll. „Alle bis auf einen Bewohner haben jetzt schon eine neue Unterkunft gefunden“, erklärt Hausleiterin Elke Eckert im Gespräch mit der BZ.

Man habe die Bewohner bereits im Januar informiert, dass das mehr als 40 Jahre alte Haus abgerissen wird und ihnen bis Ende November Zeit gegeben, etwas Neues zu finden. Dabei seien die Bewohner keinesfalls auf sich allein gestellt, betont auch Peter Hettig, Regionaldirektor Heilbronn der Heimstiftung. Neben sieben neuen Wohnungen im Hauptbau in Besigheim habe man den Bewohnern auch angeboten, an anderen Standorten unterzukommen, etwa in Ingersheim. Einige hätten auch Privatwohnungen gefunden. „Dass wir das bei dem derzeitigen Wohnungsmarkt geschafft haben, ist schon bemerkenswert“, sagt Hettig.

Eckert hat Verständnis, dass es für manche Bewohner schwer ist oder war, umzuziehen. Auch mit dem Bewohner, der sich noch nicht für eine neue Wohnung entschieden habe, stehe sie im Kontakt. Laut Hettig war die Lösung mit dem Abriss des Hauses aber unvermeidbar. „Wir wollen in den Standort investieren. Wir haben auch geprüft, ob eine nun notwendige Sanierung nicht möglich wäre“, so Hettig. Aber auch in dem Fall hätten die Bewohner für eine gewisse Zeit ausziehen müssen. Allerdings sei so viel an den Wohnungen zu machen. Diese seien nicht barrierefrei und das Gebäude einfach in die Jahre gekommen.

„Wir haben jedem Bewohner auch 2000 Euro für die Umzugskosten gegeben“, erklärt Eckert. Schließlich könnten die Mieter nichts dafür, dass das Haus abgerissen wird. Die Rückmeldungen derjenigen, die schon umgezogen sind, seien bislang auch durchweg positiv, erklären die beiden. „Wir haben immer noch Wohnungen frei, auf der Straße sitzen muss also niemand“, sagt Eckert.

Aber können die Mieter sich eine andere Wohnung überhaupt leisten? „Die Wohnungen der Heimstiftung, die wir ihnen angeboten haben, zum Beispiel hier im Haupthaus, bewegen sich auf dem gleichen Preislevel wie ihre bisherige“, sagt die Heimleiterin. Hettig fügt an, dass die aktuellen Mieter natürlich auch die Chance hätten, später in die neuen Wohnungen einzuziehen, wenn sie das den wollen. Natürlich werden die neuen Wohnungen aber teurer, schon weil die Ausstattung viel besser sei. Außerdem dauert es noch bis 2023 bis alle Neubauten stehen und das sei für die Mieter in der Regel eine zu lange Wartezeit, zumal sie sich ja zwischenzeitlich woanders eingelebt hätten.

Neben der Fläche des nun abzureißenden Hauses wird auch der dahinter liegende Parkplatz bebaut. „Wir bauen dann auch eine Tiefgarage“, erklärt Hettig. Neben dem Betreuten Wohnen soll unter anderem auch eine Tagespflege in den Neubauten eingerichtet werden. Ihre Zentrale erhalten dort auch die Mobilen Dienste des Breunings-Stifts. „Darüber hinaus wollen wir dort eine Arztpraxis ansiedeln“, sagt Hettig. Der Arzt soll dann aber jedem, also auch den Menschen aus dem Nachbarviertel, zur Verfügung stehen. Das gehöre zum Quartierscharakter, der der Heimstiftung bei solchen Projekten wichtig sei.

Die Evangelische Heimstiftung das Robert-Breuning-Stift


Die Evangelische Heimstiftung ist nach eigenen Angaben Arbeitgeber für 8400 Mitarbeiter. „Wir sind Unterstützer, Betreuer, Pfleger, Seelsorger und vieles mehr für über 11 400 Menschen in unseren 141 Einrichtungen in Baden-Württemberg“, heißt es auf der Homepage der Heimstiftung. Man sei ein Unternehmen, das gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, für die anvertrauten Menschen täglich das Beste gebe. Die Heimstiftung schaffe Orte für Begegnungen, die sich an christlichen Werten orientieren. „Und, wir sind Diakonie!“, heißt es weiter.

Das Robert-Breuning-Stift in Besigheim liegt auf einer Anhöhe und bietet einen  Blick auf die Besigheimer Altstadt und die Hessigheimer Felsengärten. Das Pflegeheim geht zurück auf eine Stiftung des 1971 verstorbenen Besigheimer Fabrikanten Robert Breuning. Die Stiftung unterstützt auch heute noch das Robert-Breuning-Stift. Rund 150 Mitarbeiter decken das Leistungsspektrum von Dauer-, Kurzzeit-, Intensivpflege und Betreutem Wohnen ab. Rund ums Haus führt ein barrierefreier Rundweg und das Außengelände lädt zum Verweilen ein. bz