Am Freitag gegen 22.50 Uhr kam es am Besigheimer Freibad zu einem Großaufgebot an Rettungskräften. Aufgrund einer defekten Dichtung im Bereich des Kleinkindbeckens trat Chlorgas aus und vermischte sich mit der Umgebungsluft. „Vermischt sich Chlorgas mit Wasser entsteht Salzsäure“, erklärt Jochen Feyerabend, Kommandant der Besigheimer Feuerwehr, „die Salzsäure kann Verätzungen verursachen und das gilt es zu verhindern.“

150 Gäste im Bad

Deswegen rückte ins Besigheimer Freibad nicht nur die örtliche Feuerwehr aus, sondern auch die Wehren aus Ludwigsburg, Ottmarsheim, Bietigheim-Bissingen, Walheim und Asperg sowie die Beamte der Polizeireviere Bietigheim-Bissingen und Vaihingen. „Hier brauchen wir eine entsprechende Anzahl von Einsatzkräften“, erklärt Feyerabend, warum so viele Feuerwehrleute ausgerückt sind. Eine solche Situation könne im schlimmsten Fall ganz anders ausgehen und da müssen die Einsatzkräfte schnell vor Ort sein. „Wir haben parallel gearbeitet“, sagt Feyerabend. Ein Trupp ging mit Atemschutz zum Kleinkindbecken und prüfte die Gefahrenlage. Parallel wurde das Freibad geräumt. Denn zum Zeitpunkt des Austritts war das Freibad zwar geschlossen, jedoch mussten etwa 150 Gäste eines auf dem Gelände stattfindenden Open-Air-Kinos in Sicherheit gebracht werden. Das angrenzende Fitnessstudio wurde vorsichtshalber ebenfalls evakuiert, teilt die Polizei mit. Die betroffenen Besucher wurden vom DRK-Ortsverband betreut und konnten die Örtlichkeit erst nach über einer Stunde wieder verlassen. „Die Räumung lief sehr ruhig und problemlos ab“, lobt der Kommandant das Verhalten der Gäste.

Im Vollschutzanzug sicherten parallel Feuerwehrbeamte die Chlorgasflasche, brachten eine Schutzkappe an und transportierten sie ab. Sie wurde nun an die Firma übergeben, die die Flasche wartet. „Wir mussten dann noch klären, ob weiter Chlorgas austritt“, erklärt der Kommandant den Ablauf. Schwierig war dabei, dass es am Freitagabend windstill war. „Da verbläst das Gas nicht so schnell.“ Doch bereits am Samstag konnte das Freibad wieder geöffnet werden. Nur der Kleinkindbereich bleibt weiterhin geschlossen, bis eine Firma die Anlage geprüft hat.

Von den Gästen verletzte sich niemand, ein Feuerwehrbeamter wurde allerdings mit Rötungen und Juckreiz an der Stirn in ein Krankenhaus gebracht und mittlerweile wieder zu Hause. „Es ging glimpflich aus“, sagt Jochen Feyerabend.

Warum also eine Chlorgasflasche in der Nähe eines Kleinkinderbeckens? „Jedes Bad hat solche Anlagen und die werden permanent überwacht“, sagt Feyerabend. Sobald Gas ausströmt, bekommt beispielsweise der Bademeister eine Meldung – egal, ob das Freibad geschlossen ist oder nicht. So könne im Ernstfall schnell reagiert werden.

Die Feuerwehren waren inklusive Gefahrgutzug und Chemiefachberater mit insgesamt 16 Fahrzeugen und 87 Wehrleuten im Einsatz. Der Rettungsdienst und der DRK-Ortsverband waren mit vier Fahrzeugen und 14 Helfern vor Ort. Die Polizeireviere Bietigheim-Bissingen und Vaihingen hatten insgesamt drei Streifenwagenbesatzungen eingesetzt.