Besigheim Grausames Ende in Grafeneck

Der Stolperstein in der Besigheimer Hauptstraße erinnert an den 1909 geborenen Heinrich Bauer, der am 16. Juli 1940 auf Schloss Grafeneck ermordet wurde.
Der Stolperstein in der Besigheimer Hauptstraße erinnert an den 1909 geborenen Heinrich Bauer, der am 16. Juli 1940 auf Schloss Grafeneck ermordet wurde. © Foto: Martin Kalb
Besigheim / CHRISTIAN BRINKSCHMIDT 21.11.2014
Vier Stolpersteine im Gedenken an Euthanasie-Opfer der Nationalsozialisten aus Besigheim hat der Kölner Bildhauer Gunter Demnig bislang in der Stadt verlegt. Am Samstag werden drei weitere Exemplare folgen.

Margit Stäbler-Nicolai recherchiert schon seit langem über das Schicksal von Opfern der Euthanasie-Aktion aus Besigheim. Bereits vor rund fünf Jahren hatte die Künstlerin aus Ottmarsheim Kontakt zum Kölner Bildhauer Gunter Demnig aufgenommen, der mittlerweile weltweit seine Stolpersteine verlegt hat. Damit will Demnig ein Zeichen gegen das Vergessen setzen und an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, deren Namen er jeweils in eine Messingplatte auf der Oberseite des Steins eingraviert. Den ersten Besigheimer Stolperstein hatte Demnig 2010 im Gedenken an Rupprecht Villinger vor dessen früherem Wohnhaus in der Bahnhofstraße 17 platziert. Seit dem August 2012 erinnern zwei Stolpersteine vor den Gebäuden in der Vorstadt 32 und 19 an Friederike Müller und Alfred Händel sowie ein Exemplar in der Hauptstraße 19 an Heinrich Bauer.

Kürzlich hat Stäbler-Nicolai die Biografien von drei weiteren Besigheimer Frauen erforscht, die in Grafeneck vergast wurden, und sich erneut mit Demnig in Verbindung gesetzt. Am Samstagnachmittag reist der Künstler wieder an und setzt zur Erinnerung an die ermordeten Frauen drei weitere Gedenksteine in die Erde. Die Stolpersteinverlegung beginnt um 15 Uhr am Europaplatz, wo Anna Maria Difliff gedacht werden soll. Anna Maria Difliff war die Tochter des Weingärtners Gottlob Friedrich Difliff und wohnte zunächst in der Vorstadt 14, später in der Bietigheimer Straße 1. Sie wurde im Oktober 1937 mit der Diagnose "Schizophrenie" in die Heilanstalt Weinsberg eingeliefert und von dort aus nach Grafeneck in den Tod geschickt. Den Stolperstein für Anna Maria Difliff hat der hiesige SPD-Ortsverein gespendet. SPD-Landtagsabgeordneter Thomas Reusch-Frey wird dazu am Samstag ein paar Worte sprechen.

Danach geht es in die Vorstadt 5. Dort lebte einst Marie Friederike Zehender. Ihr Vater hieß Immanuel Zehender und war Fischer. Im Alter von zwei Jahren verlor Marie aufgrund einer Krankheit das Gehör und kam 1897 zunächst in die Paulinenpflege, 1903 dann in die "Heil- und Irrenanstalt" nach Winnenden. Von dort wurde sie nach Weinsberg und 1921 in die Landesarmenanstalt nach Markgröningen verlegt. An Marie Friederike Zehender wird in einer kurzen Ansprache Bürgermeister Steffen Bühler erinnern. Marie Schlienz wohnte nach ihrem Umzug nach Besigheim erst in der Friedrichstraße 5, danach vermutlich in der Aiperturmstraße 5. Auch dort wird Demnig am Samstag einen Stolperstein verlegen. Im Gedenken an Marie Schlienz wird der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen eine kurze Rede halten. Marie Schlienz wurde von Weinsberg aus, Marie Friederike Zehender von Markgröningen nach Grafeneck transportiert.

Die Verlegung der drei Stolpersteine werden der Schauspieler Rüdiger Erk sowie die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b der Maximilan-Lutz-Realschule und ihr Lehrer Christian Herbst jeweils mit Gedichten umrahmen. Bei der Euthanasie-Aktion wurden in Schloss Grafeneck über 10 600 Kranke und Behinderte in der Gaskammer ermordet. Dort endete jeweils im Jahr 1940 auch der Leidensweg aller sieben Besigheimer Euthanasie-Opfer. Um die Wahrheit zu vertuschen, fälschten die Nazi-Behörden jeweils das Sterbedatum und den Sterbeort der Ermordeten im Familienregister. Der Grund: Damals waren in der Bevölkerung immer mehr Informationen über die grausamen Vorkommnisse durchgesickert.

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