Leichtathletik Goldjunge hat noch viel vor

Von Yasina Hipp 12.07.2018

Ich muss das alles erst noch realisieren, es fühlt sich noch nicht echt an“, sagt Jonas Winkeler. In seinem Deutschland-Trikot sitzt er im Leichtathletikstadion im Ellental und bekommt Glückwünsche von allen Seiten. Der 16-Jährige von der LG Neckar-Enz stand bei der Junioren-WM der Behinderten in Irland in der vergangenen Woche viermal auf dem Treppchen ganz oben. Über die 100, 200 und 400 Meter sowie im Weitsprung der U 18 kam keiner an ihm vorbei. Die Erfolgssträhne hielt dann auch noch bei den deutschen Meisterschaften in Kienbaum an. Dort sicherte sich Winkeler im Weitsprung erneut einen Titel und wurde Dritter über 100 Meter. „Ich bin richtig glücklich und zufrieden mit der Woche, besser hätte es nicht laufen können. Aber jetzt spüre ich auch, dass ich ein wenig platt bin“, sagt er.

Deutscher Fahnenträger

Ohne sein kontinuierliches Training hätte Jonas Winkeler nie die Chance bekommen, an der WM teilzunehmen und vier Goldmedaillen abzusahnen. Vier- bis fünfmal in der Woche steht er im Stadion: Einmal im Stuttgarter Olympiastützpunkt zum Weitsprung-Training, zweimal trainiert er in Gemmrigheim mit Arne Fischer, und in Bietigheim unterstützt ihn Thomas Riegraf, vor allem bei den Laufdisziplinen. „Wenn man so weit oben mitmischen will, muss man auch etwas dafür machen. Ich bin stolz auf ihn und sehr zufrieden mit seiner Leistung“, meint Riegraf. „Als die offizielle Einladung für mich zur WM gekommen ist, haben sich das ganze harte Training und der Aufwand gelohnt“, sagt der junge Sportler. Vor Ort, im irischen Athlone folgte das erste Highlight: Winkeler war Fahnenträger der deutschen Mannschaft. „Das war eine ganz besondere Ehre für mich“, sagt der 16-Jährige.

In der Leichtathletik werden die behinderten Sportler in Schadensklassen unterteilt. Winkeler startete in der T 46 für Sportler mit geschädigten Armen, die Disziplinen konzentrieren sich in dieser Klasse vor allem auf die Beinfunktion. „Meine Lieblingsdisziplinen sind gerade der Weitsprung und der 400-Meter-Lauf, aber ich will mich da noch nicht ganz festlegen“, sagt Winkeler.

Nach der WM in Irland flogen die Sportler wieder zurück nach Frankfurt. Für den Bietigheimer ging es mit dem Auto direkt nach Berlin zur „Deutschen“. Einen Tag nach der Landung in Frankfurt stand Winkeler dann schon wieder am Startblock: Zurück in seiner Heimat absolviert er eine lockere Trainingswoche, danach wird aber wieder ganz normal weitertrainiert. Fern ab von der Tartanbahn und der Sandgrube, hat der 16-Jährige gerade seinen Realschulabschluss erfolgreich absolviert. In der trainingsfreien Zeit trifft er sich mit seinen Freunden oder erholt sich daheim in Untermberg von den Strapazen des Trainings. „Ich habe Glück mit meinen Freunden. Die verstehen es immer, wenn ich wegen des Sports keine Zeit habe. Aber der Sport ist mir halt am wichtigsten“, so Winkeler.

Sportstudium als Option

Seine Zukunft hat er auch schon vorausgeplant: An der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart, einer Eliteschule für Sport, möchte er die nächsten Jahre verbringen und dann eventuell ein Sportstudium anschließen. „Ich bleibe aber auf jeden Fall bei der LG Neckar-Enz. Die Schule bietet mir nur mehr Trainingsmöglichkeiten und eine gute Förderung“, erklärt der junge Sportler.

In den kommenden Monaten und Jahren ist Winkelers Ziel, sich bei den Junioren zu etablieren und dann den Sprung zu den Erwachsenen möglichst erfolgreich zu schaffen: „An die Paralympics denke ich überhaupt noch nicht, das ist noch zu weit entfernt für mich.“ Der vierfache Junioren-Weltmeister weiß, dass sein Erfolg durch die Unterstützung vieler anderer kommt: „Ohne meine Familie, ohne Thomas und die anderen Verantwortlichen im Verein – und ohne das Team vom Bundeskader hätte ich das alles niemals geschafft.“

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