Wochenlang hatte in diesem Spätsommer die Sonne aus einem wolkenlosen Himmel herab auf die Reben geschienen. Im Zusammenspiel mit kühlen Nächten waren dies beste Bedingungen, um gesunde und reife Trauben vom Stock zu ernten. In den großen Genossenschaften der Region waren  die Erwartungen an die Qualität des Jahrgangs deshalb hoch, wenn sie übereinstimmend auch mit einem geringeren Ertrag als im Vorjahr rechneten.

Mit ihren Einschätzungen lagen die Genossenschaften durchaus richtig, wie sich am Schluss zeigte. Nicht einmal Tage mit Dauerregen im Oktober konnten daran noch etwas ändern. Die Weingärtner-Stromberg-Zabergäu haben die Lese in dieser Woche bereits abgeschlossen. Bei der Felsengartenkellerei wird an diesem Samstag noch Trollinger gelesen, und auch bei den Lauffener Weingärtnern werden noch Trauben angeliefert.

Bereits jetzt aber spricht Marian Kopp von einem „qualitativ durchaus hervorragenden Weinjahr.“ Der Geschäftsführende Vorstand der Lauffener Weingärtner, zu denen auch der Mundelsheimer Käsberg zählt, rechnet in diesem Jahrgang mit Spitzenweinen. Selbst die Hitzetage im Hochsommer mit Temperaturen von fast 40 Grad haben den meisten Rebsorten kaum geschadet.  Wo es zu dieser Zeit allerdings an Wasser im Boden mangelte, „waren die Vertrocknungsschäden an den Trauben erheblich“, sagt Kopp.

Doch lieber Sonnenbrand als Fäulnis, sagt sich der Genossenschaftler. Die verbliebenen Trauben konnten „in aller Ruhe heranreifen“.  Die Einbußen an der Menge waren allerdings gegenüber dem Vorjahr erheblich. Gegen Ende der Lese erreichten sie bei den Lauffener Weingärtnern und dem Käsbergkeller in Mundelsheim eine Größenordnung von mehr als 25 Prozent.

Überzeugende Werte

Eine ähnliche Bilanz zieht Thomas Eberbach, Leiter Önologie und Technik bei den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu. Mit etwa zehn Prozent sind die Verluste an der Menge gegenüber 2018 allerdings deutlich geringer als bei den Kollegen in Lauffen. Die Reife der Trauben könne „durchweg als gut bis sehr gut“ bezeichnet werden, sagt er.

„Mit tollen Säurewerten, sehr viel Aroma und guten Mostgewichten konnten wir den Jahrgang im Keller einlagern.“ Die Lese sei sehr  „komprimiert“ gewesen, da die Spätsorten wie Trollinger, Lemberger und Riesling sehr schnell nach den früher reifenden Burgundersorten geerntet werden mussten. Auch das Wetter sei am Schluss eine besondere Herausforderung gewesen.

Von den Jungweinen, die bereits vergoren sind, zeigt sich Eberbach durchaus angetan, die Qualität sei vielversprechend. Besonders die ersten Weißweine haben „eine gute Fruchtausprägung. Bei einer Jungweinprobe sei das „Spiel zwischen Süße, Säure und Volumen“ gelobt worden.

Einen „sehr guten Jahrgang mit Potenzial“ erwartet Götz Reustle, Vorstandschef der Felsengartenkellerei in Besigheim. Die Qualitäten seien vergleichbar mit dem vergangenen Jahr, die Erträge bleiben jedoch auch bei der Genossenschaft im Neckartal  um bis zu 30 Prozent hinter denen des Vorjahres zurück. Ganz verschont von Fäulnis seien die Wengerter wegen des Regens der vergangenen Wochen nicht geblieben. Am Schluss musste es deshalb bei der Lese schnell gehen.

In den geringeren Erträgen sieht Reustle allerdings kein Problem, da im Lager der Genossenschaft noch genügend Bestände aus dem Vorjahr vorhanden seien.  Die Felsengartenkellerei hatte sich entschieden, erst in der zweiten Septemberhälfte mit der Lese zu beginnen und damit den Trauben mehr Zeit für die Reife zu geben.  „Geduld und Mut“ haben sich gelohnt, findet Reustle.

Ein normaler Herbst

„Die Aromatik der Trauben war zu schmecken und lässt komplexe und aromatische 2019er-Weine erwarten“, sagt er. Während sich in den vergangenen Jahren der Beginn der Lese nach vorne verschoben hatte, spricht Reustle 2019 von einem Normalherbst. Von gravierenden Wetterereignissen seien die Wengerter verschont worden.