Es sind zweistellige Millionenbeträge, die Besigheim in den kommenden Jahren für einen Schulneubau aufwenden muss. Das wurde am Donnerstag in der Sitzung des Gemeinderats deutlich. Zwischen zehn und 13 Millionen Euro wird es kosten, den Mittelbau mit seiner Heizzentrale abzureißen und für ihn einen Neubau auf dem Schulgelände zu erstellen.

Die Gemeinschaftsschule besser ans Schulzentrum zu verlagern, wie es die CDU-Fraktion vorschlägt (die BZ berichtete), dafür gibt es noch keine Kostenschätzungen. Die Fraktion kritisiert nicht nur, dass Schüler der Gemeinschaftsschule an drei Orten der Stadt unterrichtet werden, sondern auch die aktuelle Kopplung an die Grundschule. Auch aus Gründen des Denkmalschutzes an der Stadtmauer und der nicht endlos baulich belastbaren Tunnelröhre der B 27 hält die Fraktion einen Umzug für die bessere Lösung.

Einen Schnellschuss wird es nicht geben, machte Bühler in der Sitzung deutlich, der sich nun einen städtebaulichen Wettbewerb wünscht. Zu viel steht auf dem Spiel, zu vieles muss berücksichtigt werden und vor dem 30. September 2020 werde kein Förderungsantrag gestellt werden.

Helmut Fischer von der Schulbauförderung des Regierungspräsidiums fand in der Sitzung am Donnerstag klare Worte: Ein „grottenschlechter Baugrund“ am Schulzentrum sei ebenso problematisch wie die vielen Beschränkungen, die es hier beim Bauen gebe. Gleichzeitig bestehe Handlungsbedarf. Für den Erhalt des Mittelbaus, der vom Gemeinderat bisher verworfen wird, gebe es keinen Cent vom Land, er sei aber unbedingt nötig bei den steigenden Kinderzahlen entsprechende Räumlichkeiten zu schaffen. „Die Nähe zur Grundschule würde Orientierung bieten“, sprach sich der Vertreter des Regierungspräsidiums gegen eine Verlegung aus, denn „die Gemeinschaftsschule muss sich ihre Schülerschaft ein bisschen antrainieren“.

„Viele Fragen sind ungeklärt“, sagte sein Namensvetter Helmut Fischer von der BMU-Fraktion. „Die schulkonzeptionelle Frage hat bei uns Priorität“, so Fischer, der inzwischen mehr Potenzial auf dem bestehenden Schulgelände sieht, als in der Ursprungsplanung erkennbar war. Der Schulhof könnte abgeschlossen werden, und die Eltern könnten ihre Kinder am Eingang abgeben, so Fischer.

„Wir müssen auch städtebaulich denken“, betonte CDU-Rat Ulrich Gerstetter, der auch den Umfang der Gemeinschaftsschule ansprach. Der Gemeinderat habe eine Zweizügigkeit beschlossen für die das Raumkonzept ausreiche, nun sei sie aber dreizügig. „Die Schule ist an drei Standorten, das ist nicht zukunftsfähig“, sagte Gerstetter.

 Den Bestand der Schule zu erhalten, aber nicht zu erweitern, sei Beschlusslage im Gemeinderat, entgegnete Bürgermeister Steffen Bühler. Schon jetzt leide Besigheim unter den Schließungen von Schulen in den Nachbargemeinden und Absagen an Gemeinschaftsschulen in Mundelsheim und Löchgau. Besigheimer Schüler sollten zuerst berücksichtigt werden. „Der Beschluss des Gemeinderats gilt“, sprach er die Zweizügigkeit an.

Platzprobleme am Schulzentrum sehen nicht nur BMU-Rat Thomas Pulli, sondern auch Walter Zeyhle von den Freien Wählern. „Wir haben dann da unten mehr als 2000 Schüler, das wird zum Problem werden“, so Zeyhle zum Schulzentrum auf dem Kies.

„Man könnte sagen, die Gemeinschaftsschule wird auf zwei Züge begrenzt, wollen Sie das?“, fragte Helmut Fischer vom Regierungspräsidium. Die Stadt müsse aufs Schulamt zugehen und einen Antrag auf Zweizügigkeit für eine Interimszeit stellen. So sei eine Schülerlenkung möglich, wenn die Zweizügigkeit beantragt, über die Medien bekannt gemacht und bei den Elterninformationsveranstaltungen im November bekannt sei. „Wenn Sie eine voll ausgebaute Sekundarstufe wollen, müssten Sie woanders bauen“, sagte der Vertreter des Regierungspräsidiums. Für diese Ausführungen gab es das erhoffte Kopfnicken, den endgültigen Beschluss des Gemeinderats über bauliche Pläne wird es wohl erst im Januar geben.

Bürgermeister Bühler wandte sich abschließend an den Architekten Jochen Feyerabend mit der Bitte, bis Januar die räumlichen Möglichkeiten am Mittelbau und dem Dach des alten Grundschulgebäudes zu prüfen. Auch die nahen Häuser an der Stadtmauer sollten dafür berücksichtigt werden. Mit „verfeinerten Zahlen“ könne hier auch der Gestaltungsbeirat der Stadt Besigheim einbezogen werden. Ein städtebaulicher Wettbewerb wäre für ihn die beste Option.

Schulleiterin: Verlagerung wird teuer


Renate Opiolla, die Leiterin der Friedrich-Schelling-Schule, sieht bei einer Verlegung der Gemeinschaftsschule hohe Kosten auf die Stadt zukommen, wenn auf dem Kies beim Schulzentrum gebaut werden sollte. Errichtet werden müssten: ein Inklusionsraum, ein Musiksaal, ein abgegrenzter Pausenbereich und Technikräume, von denen einer rund eine halbe Million Euro koste. Zur Mensa liefen kaum noch Schüler zum Schulzentrum, was rund eine Viertelstunde dauert, führte sie aus. „Warum nicht die ganze Schullandschaft unten auf den Kies, wenn Sie sowieso investieren?“, fragte die Rektorin.