Gemmrigheim Geld für Orgel in der Johanneskirche fehlt noch

Die Orgel im Chorraum der Johanneskirche wurde im Rahmen der Kirchensanierung von rund vier Jahren abgebaut. Das Foto zeigt die Walcker-Orgel im Jahr 2003.
Die Orgel im Chorraum der Johanneskirche wurde im Rahmen der Kirchensanierung von rund vier Jahren abgebaut. Das Foto zeigt die Walcker-Orgel im Jahr 2003. © Foto: Martin Kalb
Gemmrigheim / UWE DEECKE 07.06.2016
Die Gemmrigheimer Johanneskirche ist seit ihrer Renovierung ohne Orgel. Es wird Geld gesammelt, dass sich dies ändert - aber man braucht Geduld.

Vor rund vier Jahren wurde im Zuge der Renovierung die Kirchenorgel in der Johanneskirche abgebaut. Seit der Wiedereröffnung vor drei Jahren sammelt die Kirchengemeinde Geld. Auf rund 240 000 Euro würde nach Schätzung des Orgelsachverständigen der Landeskirche eine neue, passende Orgel kommen.

In Gemmrigheim gehen die Meinungen auseinander: Manche hätten gern die alte Orgel aus dem Jahr 1964 behalten, andere störte das Ausmaß im Chorraum und dass die Orgel das Licht der Fenster verdeckte. Der damalige Kirchengemeinderat fasste den Beschluss, die alte renovierungsbedürftige Orgel zu verkaufen und eine Neue anzuschaffen. 25.000 Euro bekam man noch für das alte Stück, das nach Berlin verkauft wurde. 120.000 Euro, die Hälfte der Neukosten, müssen gesammelt werden, um eine Ausschreibung möglich zu machen. Dann erst wird man erfahren, wie teuer das Stück tatsächlich wird. Der Sachverständige sei zum Entschluss gekommen, dass die Orgel nicht mehr in den Chorraum sollte, so Fritz Poesch vom Förderkreis, der sich inzwischen gebildet hat. Dass die Orgel die schönen Fenster verdeckt sei manchem ein Dorn im Auge gewesen. Für die Restaurierung der Orgel seien 85.000 Euro angesetzt worden, sodass sich der Kirchengemeinderat für eine Neuanschaffung entschieden habe.

Geld von der Gemeinde ist keines zu erwarten. "Die Gemeinde hat sich damals beim Umbau mit 50.000 Euro beteiligt", sagt Bürgermeisterin Monika Chef. "Wenn man eine Kirche plant, sollte man auch so planen das es passt", fügt die Verwaltungschefin hinzu und verweist auf die leere Gemeindekasse, nachdem die größten Steuerzahler weggebrochen sind. Es werde auch in der Gemeinde diskutiert, ob man die alte Orgel überhaupt verkaufen musste.

Die neue Orgel soll nun nicht mehr hinterm Altar sondern auf der Empore ihren Platz haben. Zwölf Register seien vorgesehen, ein Register komme auf rund 20.000 Euro, fasst Pfarrer Michael Beck von der evangelischen Kirchengemeinde die Pläne zusammen. "Die Qualität soll auf jeden Fall gut werden", sagt der Pfarrer, der seit vier Jahren im Amt ist und kam, als die alte Orgel gerade abgebaut wurde. Steuermittel von der Landeskirche gebe es keine, aber eigentlich sei die Orgel etwa im Vergleich zu Besigheim nicht wirklich teuer. Die alte Orgel sei stark reparaturbedürftig gewesen, und nun habe man einen wunderbaren Chorraum, der endlich genutzt werden könne.

"Gewohnheit ist das, was man gern behält", sagt Beck, der sich aber noch Hilfe von der Gemeinde erhofft. In Kirchheim, Walheim oder Neckarwestheim gebe es Aussegnungshallen der Gemeinden, die eine Orgel hätten. Weil Gemmrigheim so eine Halle nicht hat und die Kirche den Raum stellt, hält er einen Ausgleich für angemessen.

Die Idee der Patenschaften für Orgelpfeifen sowie bisherige Spenden haben nun zwar rund 98.000 Euro erbracht, aber das in über drei Jahren. Bis die geschätzte Summe zusammenkommt, wird es vermutlich nochmal so lange dauern. Und bis dahin ertönt kein Klang einer Orgel in der Johanneskirche, sondern weiterhin das E-Piano von der Empore.

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