Gemmrigheim / Michael Soltys  Uhr

Kantor Andreas Willberg probte an diesem Donnerstag schon fleißig. Stunden vorher hatte Burkhard Goethe, der Orgelsachverständige des evangelischen Landeskirche, das neue Instrument erprobt und sein Okay gegeben: An diesem Sonntag wird die neue Orgel in der Gemmrigheimer Kirche bei einem Gottesdienst mit anschließendem Festakt und einem Konzert am Nachmittag offiziell eingeweiht.

Knapp zehn Jahre ist es her, dass mit der gründlichen Renovierung der Gemmrigheimer Kirche begonnen worden war. Dabei warfen der damalige Kirchengemeinderat und Pfarrer Michael Beck ein kritisches Auge auf die Orgel, die ungünstig im Chorraum untergebracht war. Die Akustik war schlecht, in dem feuchten Raum war Schimmel in die Orgel eingedrungen.

Die Entscheidung fiel vor sieben Jahren: Die alte Orgel muss raus, eine neue Orgel wird auf der Empore aufgebaut, die bei der Renovierung der Kirche neu angelegt worden war. Als Pfarrer Christof Froeschle im November 2017 die Nachfolge von Michael Beck übernahm, war die Lauffener Firma Richard Rensch bereits mit dem Bau der Orgel beauftragt worden.

Dass zu diesem Zeitpunkt bereits 140 000 Euro Spenden für das Instrument eingegangen waren, ist ein wesentlicher Verdienst des Orgelbauförderkreises. Er gründete sich im Januar 2015, knapp anderthalb Jahre nach Abschluss der Renovierung, erinnert sich Gerhard Reisinger. Der frühere Vorsitzende des Albvereins war mit anderen bekannten Personen aus dem Ort, darunter Norbert Schweiker, Fritz Poesch, Martin Wecht und Gustav Sakellari-Colmant, vom Kirchengemeinderat um Unterstützung für den Kauf der 226 000 Euro teuren Orgel gebeten worden. Die Landeskirche zahlt keine Zuschüsse für ein solches Instrument, und Gelder aus Kirchensteuern dürfen dafür nicht verwendet werden, erläuterte Pfarrer Froeschle.

Rundschreiben an die Gewerbetreibenden. Faltblätter, das Advents- und Weihnachtsliedersingen des Albvereins, ein Weißwurstessen der Weißwurstfreunden, ein Orgelcafé, Benefiz-Liederabende mit Gustav Sakellari und Karlheinz Gutensohn, private Großspenden und  viele, viele kleinere Einzelbeiträge haben das Spendenbarometer des Förderkreises aktuell auf mehr als 192 000 Euro hochgetrieben. Um die Orgel komplett zu finanzieren, fehlen immer noch 34 000 Euro, aber auch das sollte kein Problem sein, machte Gerhard Reisinger deutlich. Zu 39 Sitzungen haben sich die Mitglieder des Orgelförderkreises bisher getroffen. Längst sind weitere Veranstaltungen geplant, um Spenden zu generieren: „Die Arbeit geht schon noch weiter“, sagte Reisinger.

Mit dem Ergebnis sind Reisinger und Pfarrer Froeschle mehr als zu frieden. Es sei eine große Herausforderung gewesen, die Orgel mit ihren 13 Registern auf der engen Empore unterzubringen. Die neue Orgel werde „ganz sicher noch viel Freude bereiten“, sagte Reisinger. Mittlerweile ist es der Kirchengemeinde sogar gelungen, den Musiker Michael Kelleni als festen Organisten zu gewinnen. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Gottesdienst mit dem E-Piano begleitet wurden. Jedenfalls fast. Denn in Erinnerung daran wird der Festakt am Sonntag mit dem E-Piano eröffnet, bevor Andreas Budweg, ein weiterer Organist, gemeinsam mit Pianistin Regina Rembold-Schmid das erste Lied spielt, den Popsong: „You raise me up“. Erst danach geht es klassisch weiter mit einer Sonate von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Info Der Gottesdienst zur Einweihung der neuen Orgel beginnt am Sonntag, 19. Mai, um 9.45 Uhr, der anschließende Fest mit Vorstellung der neuen Orgel um 11 Uhr. Um 16 Uhr folgt ein Orgelkonzert mit Kantor Andreas Willberg.