Enzaue Für ein Enzufer ohne Beton und Geländer

Besigheim / Michael Soltys 29.08.2018

Bei seinem letzten Treffen hatte der Arbeitskreis Enzufer seine Kritik an den Plänen für die Umgestaltung der Enzaue formuliert, wie die BZ bereits berichtete. Diese Kritikpunkte hat der Arbeitskreis jetzt präzisiert und an die Stadträte und die Verwaltung auf dem Besigheimer Rathaus verschickt. Das Ziel: die Enz erlebbar machen „ohne Beton und Geländer“, wie es in dem Schreiben heißt, womit die Gestaltung der Enzterrassen angesprochen wird.

Darin wird erneut deutlich, dass die Gegner des Projekts an ihrer fundamentalen Kritik an dem geplanten Parkhaus und an der Rad- und Gehwegbrücke von der Altstadt zur Enzaue festhalten. Sie formulieren Vorschläge, die teils auf Verbesserungen hinauslaufen, teils aber weite Teile des Projekts in Frage stellen, wie aus dem von Sabine Kumkar verfassten Schreiben hervorgeht.

Für nicht hinnehmbar halten die Gegner beispielsweise die Vorschläge der Planer, ein Wegenetz in dem neuen Park anzulegen. Durch die Längsachsen und die Querverbindungen verdreifache sich die Strecke der befestigten Wege, die zudem mit Kunststoff/Epoxit befestigt werden sollen, so der Arbeitskreis. Das Wege-Konzept führe zu einer „nicht hinnehmbaren zusätzlichen Versiegelung des Bodens“ und sei deshalb ebenso abzulehnen wie die Art der Versiegelung.

Falscher Platz für Sonnengarten

Grundsätzliche Kritik gibt es auch an Platz und Gestaltung eines „Sonnengartens“ für das gemeinsame Gärtnern, obwohl dies ein Anliegen auch aus den Reihen der Gegner des Projekts ist. Ihrer Meinung nach ist der Garten einfach am falschen Platz geplant. Nach den Vorstellungen der Planer soll unterhalb der Enzterrassen bei den Fundamenten des früheren Gasthofes Sonne ein Platz für Beete geschaffen werden. Wieder ein paar Meter weiter südlich soll ein Steg auf die Enz hinausführen. Gerade dort aber sollten die Bäume und Büsche erhalten bleiben, fordert der Arbeitskreis, das „Wäldchen“, das dort besteht, sollte sogar aufgewertet werden, es sei wichtig für das Kleinklima im Enztal. „Gemeinschaftsgarten grundsätzlich ja“, sagen die Kritiker, „aber nicht auf Kosten anderer wichtiger Elemente.“ Ein wenig Wildwuchs und der Erhalt historischer Mauern ist ihnen wichtig.

„Charakter wird zerstört“

Auch an den Planungen für das Gelände rund um die restaurierte Mühle, wo später in etwa die Rampe der neuen Brücke verlaufen soll, lassen die Kritiker kaum ein gutes Haar. Dort soll laut den Planern ein Teil der alten Mauern abgerissen und ein neuer Belag aufgebracht werden. Eine neue Wegeführung soll dem Betreiber die Zufahrt ermöglichen. Das aber würde den ganzen Charakter dieses Platzes zerstören, so die Kritiker. Die freie Sicht auf die Mühle würde verschwinden, der gesamte Mühlenplatz verliere seinen Charme. Der Arbeitskreis plädiert deshalb für eine andere Wegführung.

Bei einzelnen Elementen des Konzeptes der Planer sieht der Arbeitskreis dagegen durchaus positive Ansätze, die mit eigenen Vorschlägen ergänzt werden. Das betrifft beispielsweise die Anlage standortgerechter Pflanzen  und eines Duftgartens sowie die Insektenfreundlichkeit. Anstatt die Sitzbänke auf massivem Beton  zu errichten, sollten besser Natursteine verwendet werden oder Bänke aus Massivholz. Wildpflanzen sollten über spezialisierte Gärtnereien bezogen werden. Auf dem Spielplatz sollten natürliche Materialien verwendet werden. Kritisch wird ein Bolzplatz für die Jugendlichen gesehen. Er sei nicht abgegrenzt, angrenzende Wiesen könnten zertrampelt werden. An geeigneter Stelle könnten Nistmöglichkeiten für Wildbienen und andere Insekten aufgestellt werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel