Hessigheim Fotoshooting für Traubenbeeren

Hessigheim / Rena Weiss 05.09.2018

Es donnert in Hessigheim. Doch ein Blick zum Himmel zeigt vereinzelte weiße Wolken und Sonnenschein. Das Gewittergeräusch kommt nicht etwa von oben, sondern von einer neuen Traubensortieranlage der Felsengartenkellerei Besigheim. Das „Gewitter“ entsteht durch Druckluftdüsen, die die guten Beeren von den schlechten trennen, erklärt Sebastian Häußer, Önologe und technischer Betriebsleiter.

Doch von vorne: Bereits vor drei Jahren testete die Felsengartenkellerei ein Prototyp einer solchen optischen Sortieranlage der Firma Armbruster aus Böblingen. Jetzt ist sie serienreif und damit bereit für weitere Tests durch die Felsengartenkellerei. „Wenn wir sie kaufen, wären wir die ersten in Deutschland“, sagt Häußer. In Kalifornien und Südeuropa sei sie bereits im Einsatz. Bei der Felsengartenkellerei müsse sich die Sortieranlage diesen Herbst jedoch noch beweisen. Bei einem Preis von rund 300 000 Euro kein Wunder. Dafür erhalte der Käufer jedoch jede Menge Technik, die gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut weiterentwickelt wird.

Jede Rebsorte neu einstellen

„Wir testen den gesamten Herbst, wie genau die Maschine ist“, sagt der Önologe. Denn für jede Rebsorte müsse die Anlage neu eingestellt werden. Das Herzstück der Sortieranlage ist mit zwei Kameras bestückt, „die 7000 Fotos in der Sekunde von den Beeren machen“, erklärt Häußer. Diese Bilder vergleicht die Anlage mit Vorgaben der Kellerei von guten und schlechten Beeren, je Rebsorte. „Für uns ist die Anlage ein Glücksfall“, sagt Sebastian Häußer, „weil sie gerade die Hagelschäden zuverlässig aussortiert.“ (Durch den diesjährigen Hagelschaden sei der Leseaufwand um das 20-Fache gestiegen). In der diesjährigen Testphase wird genau diese Zuverlässigkeit bei Dauerbelastung geprüft.

5000 Kilogramm Traubenbeeren pro Stunde werden in der Anlage von Kämmen, Kammteilen, Stielen und Blättern getrennt. „Da ist noch Optimierung drin“, betont Häußer und schätzt, dass die Anlage später bis zu 7000 Kilogramm sortieren könne. Danach werden die Beeren auf einem Fließband auf 36 Stundenkilometer beschleunigt. „Diese Geschwindigkeit wird benötigt, damit sie in die Flugphase kommen“, erklärt Häußer. Denn im Flug werden die schlechten von den guten Beeren mit Druckluft getrennt. Die schlechten werden nach unten gepustet, die guten kommen in einen Behälter, aus dem sie mit einem Fließband in einen weiteren Behälter mit Trockeneis und Schutzatmosphäre kommen. So soll die Anlage jeden Tag 12 bis 14 Stunden arbeiten. „Pro Rebsorte gibt es mehrere Sortiertermine“, sagt Häußer, „um zu sehen, ob die Anlage die Vorgaben noch weiß.“ Es sei eine Fleißarbeit die Traubensortieranlage so einzustellen, dass sie für jede Rebsorte effizient arbeitet. Eine vorläufige Einschätzung möchte der technische Betriebsleiter nicht geben. Im nächsten Jahre werde das Unternehmen über den Kauf entscheiden.

Allerdings gibt er einen Ausblick darauf, wie die Anlage das Endprodukt, also den Wein verändern könnte. Die zweite Kamera beispielsweise könne durch Nahinfrarot auch in die Beeren schauen. „Dadurch kann die Anlage den Wasser- oder Zuckergehalt bestimmen“, erklärt der Önologe. Noch halte er es für Zukunftsmusik, alle Inhaltsstoffe dadurch zu bestimmen, doch erklärt er: „Hut ab für die Entwicklung dieser Anlage. Da steckt sehr viel Innovationskraft dahinter.“ Durch diese Sortierung werde der Wein aromatischer und kräftiger. „Wir können dadurch sehr gezielt das Weinprofil bestimmen und abgrenzen. Das bedeutet für Weintrinker mehr Geschmack und mehr Erlebnis“, prophezeit Sebastian Häußer.

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