Besigheim / Michael Soltys  Uhr

Es sind schwierige Tage für den BASF-Konzern in Ludwigshafen. Am Montagabend gab Vorstandschef Martin Brudermüller bekannt, dass der Chemiekonzern einen Gewinneinbruch von bis zu 30 Prozent erwartet. Von einem leichten Zuwachs, bis dahin das Ziel, ist keine Rede mehr. Entsprechend negativ reagierte die Börse. Schon zuvor hatte der Chemiekonzern angekündigt, dass bis Ende 2021 etwa 6000 der 122 000 Arbeitsplätze im Unternehmen wegfallen.

Für den BASF-Standort Besigheim, wo anorganische Pigmente hergestellt werden, kommt noch etwas anderes hinzu: Er gehört künftig nicht mehr zum Kernportfolio des Konzerns. Die gesamte BASF-Sparte „Colors & Effects“ ist auf der Suche nach einem „neuen Heimathafen“, sprich nach einem Käufer. Das rief Alexander Haunschild am Dienstag in Besigheim in Erinnerung. Er leitet das globale Geschäft der Sparte.

Erfreulicher Anlass

Dabei war der Senior Vice President, wie Haunschilds Aufgabe bei BASF beschrieben wird, zu einem durchaus erfreulichen Anlass nach Besigheim gekommen. Dort wurde am Dienstag ein neues Forschungslabor eröffnet – ein Bekenntnis zum Standort, das auch Auswirkungen auf den geplanten Verkauf haben dürfte. „Mit der Installation des Forschungslabors stärken wir die schnelle Entwicklung marktnaher Innovationen“, sagte Haunschild.

Seit den Jahren 2015/2016 habe der Chemiekonzern damit einen zweistelligen Millionenbetrag in Besigheim investiert. „Wir wollen hier die Struktur und die Stellen erhalten“, betonte Haunschild gerade mit Blick auf die Pläne zum Personalabbau im Mutterkonzern. Zwar laufen auch in der Sparte „Colors & Effects“ die Geschäfte „nicht so, wie sie laufen sollten“. Doch Pläne für Stellenabbau gebe es nicht.

Über Jahrzehnte habe sich Besigheim eine eigenständige Position im Unternehmen erhalten. Mit der Eröffnung des neues Forschungslabors sei der Standort jetzt wieder „voll integriert von der Forschung bis zur Produktion“. Die Nähe der forschenden Mitarbeiter zur Produktion sei ein „Pfund“, das Kunden von New York bis Tokio binden könne. „Sie schätzen die Qualität aus Besigheim“, sagte Haunschild.

100. Geburtstag steht bevor

Mehr als 200 Mitarbeiter sind aktuell bei der BASF in Besigheim beschäftigt. Das Werk wird in zwei Jahren 100 Jahre alt und geht auf die frühere Firma Siegle zurück. Angesichts der langen Tradition sei man auf dem Rathaus erschrocken gewesen, als die Verkaufspläne bekannt wurden, sagte Bürgermeister Steffen Bühler in seinem Grußwort. Doch mit der Eröffnung des neuen Labors gehe ein Traum in Erfüllung, betonte Werksleiter Andreas Stohr. Das moderne Labor mit seinen hochqualifizierten Mitarbeitern, das von Dr. Aron Wosylus geleitet wird, sei ein lang ersehnter Wunsch. Nur durch das Bestreben nach mehr Eigenständigkeit in der Unternehmensgruppe sei es möglich gewesen, die Forschung an den Standort zurückzuholen.

Info Am BASF-Standort Besigheim werden anorganische Pigmente für die Einfärbung von Anstrichmitteln und Kunststoffen hergestellt, die BASF unter der globalen Marke „Colors & Effects“ vertreibt. Die Produkte kommen in verschiedenen Anwendungsbereichen wie der Automobil-, der Verpackungs- und der Kunststoffindustrie sowie für Industrielacke und Anstrichfarben zum Einsatz.