BZ-Schulpreis Formenvielfalt in der Familie

Schüler der Klasse 5c der Maximilian-Lutz-Realschule präsentieren eines ihrer Werke zum Projekt „Familie: Ein Archiv“.
Schüler der Klasse 5c der Maximilian-Lutz-Realschule präsentieren eines ihrer Werke zum Projekt „Familie: Ein Archiv“. © Foto: Realschule Besigheim
Von Susanne Yvette Walter 14.06.2018

Angeregt durch die Wechselausstellung „Familie: Ein Archiv“ im Literaturmuseum der Moderne in Marbach wagten sich Schüler der Klasse 5c der Maximilian-Lutz-Realschule in Besigheim an das Thema Familie und zwar unter dem Aspekt: „The Making of the Family“: In welcher Formenvielfalt werden innere Ordnungen von Familien sichtbar? Für ihre Recherchen und kreativen Arbeiten zum Thema wurden die Fünftklässler im April mit dem dritten Platz des Schulpreises der Bietigheimer Zeitung ausgezeichnet.

Das Projekt zu „Familie: Ein Archiv“ startete am 13. November 2017 mit dem ersten Besuch der Schüler im Literaturmuseum der Moderne in Marbach. Dort überlegten die Kinder gemeinsam mit zwei Museumspädagoginnen, was Familie inhaltlich bedeutet und lösten dies in Form eines Akrostichons: Freundschaft – Achtsamkeit – Mut – Interesse –Liebe – Ich – Eltern.

Ähnlichkeiten erkennen

„Bei diesem ersten Treffen ging es auch um die Ähnlichkeit innerhalb der Familie, äußere Ähnlichkeiten, aber auch Ähnlichkeiten im Wesen oder in der Mimik“, erzählt die begleitende Lehrerin Jasmin Penka. Im Museum entdeckten die Kinder einen alten Spiegel der Familie Humbold und landeten ganz automatisch beim Thema „Ähnlichkeit innerhalb einer Familie“. Ein literarischer Impuls zu diesem Thema kam von den Museumspädagoginnen Sandra Potsch und Verena Staak an einem weiteren Besuchstag im Museum: Sie lasen Passagen aus dem „Doppelten Lottchen“ von Erich Kästner vor und regten die Kinder an, über Ähnlichkeit in ihrer Familie nachzudenken. Die beiden Museumsmitarbeiterinnen besuchten die Kinder auch mehrmals in ihrer Schule, einmal, um mit ihnen „Erbstücke“ durchzugehen, von Opas Taschenuhr bis zur Briefmarkensammlung.

Im Vordergrund stand die Frage, in wieweit diese ideellen Gegenstände eine andere Zeit repräsentieren und persönlich das Andenken etwa an den Großvater wach halten. Beim nächsten Museumsbesuch sahen die Kinder dann Erbstücke von Schiller, sein Taufkleid, einen Weinbecher, der wohl Goethe gehört hatte, und eine alte Pfeife eines gefallenen dritten Dichters.

In der Folgezeit entstanden im Klassenzimmer Stammbäume und Fotocollagen. Die mitgebrachten Erbstücke wurden im Kunstunterricht gezeichnet, denn das Projekt war fächerübergreifend, ließ Lehrerin Jasmin Penka wissen.  Als Letztes gehörte ein Rollentausch zum Projekt. Der Sohn schlüpft in die Rolle des Vaters und erfährt, wie stressig dessen Leben wirklich ist, und dass das Zeitungslesen auf der Toilette nur ein kleines Privileg darstellt. Er bekommt plötzlich ein Gefühl dafür, wie kratzig der Stoff einer Anzugjacke vor allem im Hochsommer ist. Jasmin Jenka regte die Kinder zu Fantasiegeschichten an. All das, was hier entstand, sollte schließlich den Eltern und der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden.

 Die Kooperation mit dem Literaturmuseum der Moderne in Marbach gipfelte schließlich in der Finissage Ende April. Endlich sah ein aufgeschlossenes Publikum die Früchte dieser Arbeit. Die kreativen Werke wie Stammbäume und Collagen wurden mit dem Beamer gezeigt. Ihre eigenen Geschichten zum Thema „Familie – ein Archiv“ trugen die Kinder selbst vor und entwarfen ein Bild ihrer eigenen Familie aus vielen verschiedenen Richtungen kommend. Auch der Schulleiter der Maximilian-Lutz-Realschule, Christoph Hofer, ließ sich diesen Moment nicht entgehen.

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