Besigheim / Michael Soltys  Uhr

Am Schluss gab es von den Stadträten viel Lob für die Sozialarbeiter an den Schulen in Besigheim: „Für die Kommunen ist der Weg einfacher, die Jungen zu integrieren“, sagte Adolf Eisenmann von den Freien Wählern. Und Helmut Fischer (BDU) äußerte sogar Bewunderung „für die über viele Jahre andauernde Motivation“.

Zuvor hatten drei Sozialarbeiter ihren Bericht abgegeben, wo die Schwerpunkte und Probleme ihrer Arbeit an der Schule am Steinhaus, der Friedrich-Schelling-Schule, der Realschule und des Gymnasiums liegen.

Eine Doppelrolle inne

Matthias Cramme hat eine Doppelrolle inne. Seit Mai 2015 ist er mit der Sozialarbeit an zwei Schulen befasst. Zu 45 Prozent arbeitet er an der Förderschule „Schule am Steinhaus (dienstags, mittwochs und freitags), die beiden übrigen Tage ist er an der Friedrich-Schelling-Schule tätig. Die Einzelfallberatung in mitunter schwierigen Fällen sei eine Hauptaufgabe an der Förderschule, berichtete Cramme im Verwaltungsausschuss. Mal geht es um Drogenprävention oder Zigarettenkonsum, um Probleme nach Sterbefällen in der Familie, mal um Mobbing unter Schulkameraden. Er bemühe sich, die Eltern einzubinden und sie über mögliche Hilfestellung, Leistungen oder die Förderung ihrer Kinder zu beraten. Der Wunsch nach Veränderung sei bei Kindern und Eltern häufig groß. Doch die Fähigkeit und die Bereitschaft der Eltern, selbst etwas zur Veränderung beizutragen, sei wenig ausgeprägt. Über eine Schülerfirma versucht Cramme, den Kindern die reale Arbeitswelt ein Stück weit näher zu bringen. Gemeinsam werden Produkte aus Holz entwickelt und gefertigt.

Cramme setzt darauf, das „Berufswegepatenprojekt“ an der Friedrich-Schelling-Schule im neuen Schuljahr an der Förderschule implantieren zu können. Denn an der Friedrich-Schelling-Schule lassen sich viele Eltern nicht vom Nutzen der Berufspaten überzeugen. An der Förderschule dagegen ist die Vermittlung von Praktikumsplätzen und Berufswegeplanung „sehr prekär“, sagte Cramme.

Der Religionspädagoge und Diakon Joscha Weber ist ebenfalls an der Friedrich-Schelling-Schule tätig, und zwar an allen drei Schularten, allein schon wegen der drei Schulgebäude ein „Spagat“, wie er sagte. Er hat im vergangenen Jahr drei Neuerungen eingeführt. Mit Drittklässlern zusammen geht er für zwei Tage hinaus in die Natur. Dabei geht es ihm nicht um die Wissensvermittlung. Die Kinder sollen vielmehr die Gelegenheit haben zu spielen und zu basteln und „Lager zu bauen“.

Sexualpädagogische Arbeit

Viel Zeit fordert ihm mittlerweile die sexualpädagogische Arbeit ab, die er nach wiederholten Anfragen von Lehrerinnen eingeführt hat. „Das hat mich überfallen“, beschrieb Weber den Umfang der Arbeit. Um professioneller arbeiten zu können, hat er mittlerweile eine Fortbildung gemacht. „Touch the sky“ nennt sich die dritte Neuerung, ein Jahresprojekt in der Klasse 6. Bei Kletter- und Blindenübungen im Fitkom und im Kletterwald von Illingen ging es um das Thema Vertrauen unter Schülern.

Mangelnde personelle Konstanz ist das große Problem der Sozialarbeit am Schulzentrum mit Realschule und Gymnasium. Daniela Kujas, die erst zum September 2015 eine halbe Stelle angetreten hatte, ist bereits wieder zu einer anderen Schule gewechselt. Zum 1. November ist sie von Verena Niethammer ersetzt worden, die sich aktuell mit Karina Richter das Deputat von 110 Prozent teilt. Ihr Fazit: An der Realschule ist die Bereitschaft, die Sozialarbeit anzufordern, deutlich ausgeprägter als am Gymnasium, sagte Richter im Verwaltungsausschuss. Durch die Teilnahme an Einschulungsfeiern und durch Kopperationsstunden versuchen die beiden Sozialarbeiterinnen Kontakt aufzubauen. Beim Präventionskonzept stehen sie den Lehrern beratend zur Seite.  Den größten Teil der Arbeit nehmen jedoch die Einzelgespräche mit mehr als 400 Personen ein. Bei Konflikten mit Mitschülern, familiären Problemen oder Schulangst standen die Sozialarbeiterinnen helfend zur Seite.