Besigheim / MICHAEL SOLTYS  Uhr
Die Schule am Steinhaus strebt einen Ganztagsbetrieb an. Einen entsprechenden Antrag will Rektorin Sabine Müller beim Schulamt stellen. Die Umstellung auf die Inklusion stellt die Sonderschule vor Herausforderungen.

Mit grün-roten Bildungspolitik haben sich die Bedingungen für die Schule am Steinhaus in Besigheim grundlegend geändert. Die Sonderschulpflicht ist abgeschafft. Eltern von Kindern mit Lernschwächen oder behinderten Kindern haben jetzt die Wahl: Sie können ihr Kind weiter auf eine Förderschule schicken, wie es die Schule am Steinhaus ist, oder aber auf eine ganz normale Grundschule oder weiterführende Schule.

Das stellt die Schule am Steinhaus vor Herausforderungen, erläutert deren Rektorin Sabine Müller. Auch wenn es die Rektorin ungern hört: Die Sorge um den Bestand der Schule spielt dabei eine große Rolle. Sie muss um die Eltern werben. Die Schule müsse sich "neu aufstellen", sagt Müller, und die Eltern mit einer "hochwertigen sonderpädagogischen Förderung" und dem entsprechenden Profil überzeugen, dass die Schule am Steinhaus die richtige Lösung für ihr Kind ist.

Diese Aufgaben seien "gemeinsam mit der Inklusion" zu meistern, betont Müller. Von einer "Förderschule" möchte die Rektorin deshalb am liebsten gar nicht mehr sprechen. Die Schule sei auf dem Weg zu einem "sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum".

Von zentraler Bedeutung bei dieser Neuorientierung sei ein Ganztagsangebot. Um es zum Schuljahr 2016/2017 einführen zu können, muss die Rektorin spätestens zum 30. September einen Antrag beim Schulamt einreichen. Die anderen Schulen im Sprengel haben bereits ein Ganztagsangebot oder seien auf dem Weg dorthin. Diesem Angebot müsse sich die Förderschule angleichen, um attraktiv zu bleiben "und den Standort zu sichern", heißt es in einem Schreiben an die Stadt Besigheim.

Trotz dieses Hintergrunds betont die Rektorin, dass sie den Antrag auf Ganztagsbetrieb ohnehin gestellt hätte. "Ich halte das für ein sinnvolles Angebot", sagte sie im Gespräch mit der BZ. Nach den Vorstellungen der Sonderschulrektorin sollen der Unterricht und andere schulische Angebote verbindlich an drei Tagen der Woche (Montag, Dienstag und Donnerstag) an je sieben Stunden stattfinden. Mittags sollen die 66 Jungen und Mädchen ein Essen erhalten. Dazu will die Schule eine "Gastro AG" einrichten, sodass die Hauptschüler für die anderen Schüler das Essen zubereiten.

Räumlich und personell sei die Umstellung auf den Ganztagsbetrieb zu bewältigen, meint Müller. Um das Essen ausgeben zu können, müsse der Vogt-Essig-Keller im Schulgebäude umgebaut werden, was Kosten von etwa 12.000 Euro verursacht. Für die Betreuung der Schüler in der Mittagspause von 12.30 bis 13.30 Uhr und die Ausgabe des Essens seien zwei Mitarbeiter notwendig. Müller rechnet mit jährlichen Personalkosten von 4500 Euro. Ruheräume und Möglichkeiten für die Kinder sich zurückzuziehen, seien ebenfalls vorhanden.

An den Schulen ist die Inklusion bereits Praxis

Inklusion An diesem Donnerstag stellt Sonderschulrektorin Sabine Müller ihr Konzept des Ganztagsbetriebs im Walheimer Gemeinderat vor. Beginn ist um 19 Uhr im Rathaus. In der Grundschule des Ortes werden elf Kinder mit Lernschwächen in den Klassen unterrichtet. Die Förderschule am Steinhaus stellt zwei Lehrer mit je halbem Lehrauftrag nach Walheim ab, die diese Kinder individuell unterstützt. Auch in den Klassen der Friedrich-Schelling-Schule sind laut Müller elf Schüler inkludiert, die ebenfalls von einer Lehrkraft der Förderschule unterstützt werden. Beides ist eine Folge des Wegfalls der Sonderschulpflicht.

Behinderung An der Förderschule selbst werden sechs geistig behinderte Schüler der Schule im Gröninger Weg in Bietigheim unterrichtet. Sie werden von einem Lehrer der Bietigheimer Schule betreut.